Full text: (10. Band = 1835, No. 1-No. 8)

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III. Materia medica und Toxikologie, 41 
genommen werden. Diese Zeichen deuten nämlich da, wo kein 
Katarrlı vorherging , auf anfangenden Croup, und nur zu oft ist, wie 
leider bekannt, in 24 Stunden schon alles verloren. — Das heisse 
Wasser wird nun aber so angewendet: man nimmt einen weichen, 
mannsfaustgrossen Waschschwamm, taucht ihn in ein Gefäss voll 
sehr heissen, fast siedenden Wassers, drückt ihn mässig aus und 
legt ihn dann möglichst schnell dicht unter das Kinn über den 
Kehlkopf. Nachdem der Schwamm hier etwa eine Minute gelegen, 
ist das Wasser schon so abgekühlt, dass er von Neuem mit heissem 
Wasser getränkt und wieder aufgelegt werden muss. Am besten 
ist es, wenn man 2 solche Schwämme hat, damit man, wenn ei- 
ner erkaliet ist, sogleich den andern auflegen kann. Nachdem 
nun etwa 10—20 Minuten so verfahren worden ist, bildet sich 
um den ganzen vordern Theil des Halses hohe Röthe, wie nach 
Senfteigen (so heiss, dass Blasen entstehen, darf das Wasser 
nicht seyn), und es stellt sich allgemeiner Schweiss ein, den man 
durch Flieder-, oder Chamillenihee unterstützt. Dabei wird der 
Husten geringer, die Meiserkeit gieht sich fast ganz, der rauhe, 
bellende "Ton der Stimme tritt zurück, Unruhe und Athmungs- 
beschwerden lassen nach, die Pat. schlafen ein und erwachen am 
Morgen oft, ohne dass an ihnen irgend etwas an ihr schweres 
Erkranken vor einigen Stunden erinnert. Hört der Husten nicht 
ganz auf, so darf man nur die Kinder noch einige Tage warm 
halten und ihnen bisweilen etwas Syr. capill. Vener. geben, 
Tritt dagegen die angedeutete Besserung nach höchstens 25 Mi- 
nuten nicht ein, sondern nehmen vielmehr Athmungsbeschwerde, 
Heiserkeit, Unruhe und Angst zu, so müssen dann allerdings ohne 
Säumen andere Mittel, besonders Blutentziehungen, eintreten. 
Seit Jahren hat indessen der Verf. in Fällen, wo er gleich beim 
Entstehen des Ucbhels dazu kam, nie diese anderen Mittel nöthig 
gehabt, ja in einigen Familien, deren Arzt er ist, hat man, wenn 
sich bränneartige Zufälle bei einem Kinde zeigten, ohne ihn zu 
rufen, ohne Weiteres das heisse Wasser selbst und zwar immer 
mit bestem Erfolge angewendet. — In dem oben erwähnten Zu- 
satze giebt Eck an, dass er durch LeEHmaAnn’s Mittheilung un- 
willkürlich an den Gebrauch des Wassers in entgegengesetz- 
ter Form, nämlich in der der kalten Uebergiessungen, 
beim Croup erinnert worden sey, welches letztere Mittel nament- 
lich mehrere der ausgezeichneteten Aerzte Petersburgs auch in 
ersten entzündlichen Stadium der Krankheit mit dem überraschend- 
sten Erfolge vielfach angewendet hätten. KE. hat dort Familien 
gekannt, die, nachdem sie durch Croup schmerzliche Verluste er- 
litten, ihn also durch eigene Anschauung wohl kannten, von den 
kalten Uebergiessungen, durch die ihnen später andere croup- 
kranke Kinder erhalten wurden, mit grosser Begeisterung spra- 
chen, ja er denkt noch oft an eine Dame, die, vom plötzlichen 
Ausbruche ähnlicher Zufälle bei ihrem Zjährigen Kinde in Kennt- 
niss gesetzt , sich aus einer Mittagsgesellschaft nach der Kinder-
	        
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