Full text: (10. Band = 1835, No. 1-No. 8)

1. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik, 457 
Venensystem wählte, die Krankheit zur Entwickelung und ihre Pro- 
ducte zur Ausscheidung zu bringen. Diese Erscheinungen sind 
1) allgemein herrschende Venosität des Bluts im heissen Som- 
mer, wo die Ruhren ausbrechen. 2) Aussehen und Beschaffen- 
heit des mit den Ausleerungen abgehenden Bluts; 3) venöser 
Congestivzustand nach dem Becken, der sich, ausser diesen Blu- 
tungen, auspricht durch ganz gewöhnliches Eintreten der Men- 
struation, Häufigkeit von Abortus mit Blutungen, durch Anschwel- 
Jen früherer Kindesadern, auch bei nicht schwangern Frauen und 
Leere der Venen der Oberhaut; 4) endlich und zwar vor Allem 
die Aftervorfälle. Dass es venöse Thätigkeit sey, welche die 
Schleimhaut schwellt, zeigt der erste Blick und lässt das häufig 
schwarze Aussehen des Mastdarms zum voraus ahnen. — Soll- 
ten diese Thatsachen die richtige Auffassung der Ergebnisse der 
Leichenöffnungen nicht in Frage stellen? Und tragen diese Se: 
ctionsergebnisse nicht einen Charakter, den die der Darmentzün- 
dung nicht darbieten. Auf den Vf. wenigstens machte der Zu- 
stand der Därme, wo der Tod an reiner Ruhr erfolgte, ganz an- 
dern Eindruck, als bei Sectionen nach Darmentzündung. Be- 
schränkung der Röthe auf die Schleimhaut, Anschwellung und 
Verdichtung letzterer ohne Spur von Eiterung, also Hypertrophie 
und nirgends Consumtion von organischem Stoffe, eigenthümliche 
grünliche, moosartige Decke auf der Schleimhaut, fehlende Theil- 
nahme an dieser krankhaften Umbildung von Organen, die ihrer 
Natur nach sonst vorzugsweise Sitz der Entzündung werden, näm- 
lich der Pryer’schen Drüsen, die eben dadurch dem Ange so 
auffallen, dass sie in ihrer natürlichen Färbung und Tiefe wie 
Inselgruppen in der gerötheten, rings um sie schwellenden Schleim- 
haut liegen — Alles dies sieht nicht recht, wie Entzündung, aus. 
Die Beobachtung Heı’s von Verkleinerung der Milz bei an der 
Ruhr Verstorbenen, ist eine Entdeckung, welche ein positives 
Datum für Annahme der venösen Natur der Gefässthätigkeit bei 
Ruhr liefert, bis weitere Untersuchungen die anatomischen Ue- 
berbleibsel der Heilthätigkeit im venösen Capillargefässsystem, 
die ihr Ziel nicht erreichte, besser als bisher unterscheiden ge- 
lehrt haben werden. Inzwischen betrachtet L. das Wesen der 
Ruhr wie folgt: der letzte ungewöhnlich milde Winter hat allge- 
meine Disposition zu ihr vorbereitet. Es fehlte die reine trockene 
Luft der kalten Wintertage, die, indem sie die Oxydation der 
Blutmasse begünstigt, die Thätigkeit des arteriellen Systems über- 
wiegend macht und nachwirkend deren Charakter den herrschen- 
den Krankheiten auch für den Lauf der andern Jahreszeiten auf- 
drückt. Die ausserordentliche Hitze des Sommers vollendete das 
Vorwalten der venösen Seite des Lebens im Gefässsysteme. Die- 
ser Zustand bedingt den allgemeinen Charakter, die Art der Rea- 
ction des Körpers gegen schwächende Eindrücke. Kindrücke der 
Art haften aber zuerst im Nervensysteme, und im Sommer gehen 
überhaupt schwächende Eindrücke von Erkältung, Diätfehlern.
	        
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