Full text: (10. Band = 1835, No. 1-No. 8)

IV. Chirurgie end Ophthalmologie. 
stündlich einen Esslöffel, Hess Klystiere mit Glaubersalz geben, 
warme Umschläge auf den- Bauch legen, Zuckerwasser trinken 
und Gerstenschleim als Nahrung reichen. Am nächsten Morgen 
hatten die Zufälle an Heftigkeit wenig abgenommen; als aber 
gegen. Abend das Glaubersalz gegen 6 Mal auf den Stuhl wirkte, 
wodurch weisse, grüne und gelbe Stoffe entleert wurden, hör- 
ten die heftigsten -Zufälie, namentlich das Erbrechen, auf. Den 
8. Tag wurde der Knabe gegen allenfallsige Folgen des Gifts mit 
Nitrum in Emulsion behandelt. Den 4. Tag -wurde der. Bauch 
‚yoll, und es kam immerwährendes trooknes Hüsteln, vermehrte 
Hitze und Fieber dazu, die Zunge wurde trocken, weiss belegt, 
der Durst gross, der Appetit verlor sich, und es trat wieder Ver- 
stopfung ein. Der Verf. musste daher theils auf das allenfalls 
noch vorhaudene Blei, theils gegen die Entzündung wirken, und 
er gab daher wieder Dec. Alth, mit Sal mir. Glaub., da nament- 
lich PıenkK Trockenheit im Munde, Husten und trocknes Asthma 
als Zeichen der Bleivergiftung aufführt, Der Erfolg zeigte, dass 
sich B. nicht geirrt hatte, denn so wie das Glaubersalz auf den 
Stuhl wirkte, wurden alle Zufälle geringer und das vorher stete 
Hüsteln schwand für immer. Der Knabe musste mit diesen Mit- 
teln mit Unterbrechungen noch einige Tage fortfahren, und bald 
sah man ihn gerettet, nur zeigte sich an Lippen, Kinn und rech- 
ter Wange etwas Ausschlag, wie er oft in Fiebern vorkommt, 
Jetzt ist der Knabe völlig gesund. — Aus dem ‚Mitgetheilten 
dürfte sich Folgendes ergeben: 1) dass Vergiftungen durch Blei- 
präparate, selbst in grossen Gaben, durch schnelle Hülfe leicht 
beseitigt werden können. 2) Dass nicht nur schwefelsaure Ma- 
gnesia, sondern auch schwefelsaures Natrum im Magen kohlen- 
saures Blei in schwefelsaures Blei verwandelt. 3). Dass die 
ätzende Wirkung dieses Giftes‘ durch hinreichende Menge Sal 
mirab. Glaub. verhindert wird. 4) Dass sich Monro’s Erfahrun- 
gen bestätigen, wenn er sagt, dass gegen Bleivergiftungen nichts 
wirksamer als Glauber- oder Bittersalz sey. 5) Dieser Fall for- 
dert zu grösserer Vorsicht mit dergleichen Metallpräparaten auf 
und warnt davor, sich solcher Fabrikate statt der gewöhnlichen 
Kreide zum häuslichen Gebrauche zu bedienen. . [Med. Corre- 
spondenzblatt d. württ. ärztl. Vereins, Bd. IV, Nr. 22.] 
IV. CHIRURGIE und ÖPHTHALMOLOGIE. 
232. Heilung bedeutender Kopfverletzungen 
ohne Trepanation; aus den Militär-Medicinalberichten mit- 
getheilt von L*. I Am 23. Octob. 1833 fiel einem Arbeiter bei 
den Festungsbauten in Posen aus einer Höhe von 2 Stockwer- 
ken ein Mauerziegel auf den Kopf. Gleich nach der Verletzung 
wurde derselbe ganz besiunnungslos ins Lazareih gebracht, wo
	        
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