Full text: (10. Band = 1835, No. 1-No. 8)

IH. - Materia medica und Toxikologie, 415 
man wahr, wie lange auch der Durchfall dauerte, dass die Zunge 
roth, der Durst heftig geworden und der Appetit verloren ge- 
gangen wäre, Den Pals fühlte man nie sehr beschleunigt und 
nur in 2 Fällen bemerkte matı. nach dieser Potion eine gerin- 
gere Häufigkeit des Pulses, als vor derselben. [Kvoriep’s Noti- 
zen, Bd. 43, Nr. 15 nach Bulletin general de therap, medic., 
Janv. 1533.) 
22%. Merkwürdiger Fall von Lebensrettung durch 
Einspritzung von Brechweinstein-Auflösung in die 
Venen; vom Physikus Dr. Accuns in Tönningen, Kine 44jäh- 
rige hysterieche, mit Diverticulis oervphagi hehaftete Frau ass 
eines Abends, ihres Uebels wegen, sehr fein gehacktes Fleisch 
mit Kartoffeln. Sie befand sich dabei in einem Laden und, da 
sie zufällig e'.en Käufer vor demselben. bemerkte, so vergass 
sie sich und verschluckte ein grösseres, nicht gehörig gekautes 
Stück Kartoffel; und dasselbe blieb wegen des Fehlers in der 
Speiseröhre im Säckchen derselben sitzen. Nach eivigen ver- 
geblichen Anstrengungen, es wieder herauszuwürgen, schickte 
die Frau, da der Atlıem beengt wurde, nach dem Verf., der 
jedoch auswärts beschäftigt war. Es wurde daher ein anderer 
Arzt gerufen, der sich, doch vergebens, Mühe gab; dasselbe 
hinunterzustossen. Dann verordnete er das HurkLAnD’sche Brech- 
mittel und erwartete schon von Ipecac. bei einer so reizbaren 
Frau Wirkung. Drei Stunden nachher kam A. Er fand die Frau 
dem Ersticken nahe und machte nur noch einen ebenfalls ver- 
geblichen Versuch, das Stückchen hinabzustossen, dann aber 
schien ihm, um das Leben der Frau zu retten, Injection von 
Tart, emet, in ein Blutgefäss die dringendste Indication. Nicht 
unbekannt mit der Gefahr der Entzündung von Blutgefässen 
hoffte er, wenn seine Bemühungen glücklich seyn sollten, diese 
Gefahr durch antiphlogistische Mittel beseitigen zu können. Er 
liess daher 3 Gr. Zurt. emet. in einer Unze destillirten Wassers 
lösen, öffnete am rechten Arme die Vena mediana und injicirte 
von dieser Lösung 2 Drachmen, wornach augenblicklich das Gefäss, 
wie ein starker Gänsekiel dick, aufschwoll und sich etwa nach ei- 
ner Minute Uebeikeiten einfanden, die sich aber bald wieder leg- 
ten. Als nach einer kleinen Viertelstunde sich kein weiteres Ue- 
belbefinden , als die immer drohender werdenden Erstickungszu- 
fälle, zeigte, öffnete A. die Ulna;is ezterna und spritzte eine glei- 
che Dosis ein, die fast augenblicklich günstig wirkte. Obgleich 
der Verf. sogleich die zu fürchtende Entzündung der beiden durch 
Brechweinstein sehr gereizten Gefässe durch kräftiges antiphlogi- 
stisches Verfahren zu bekämpfen suchte, so zeigte sich doch am 
folgenden Morgen, nachdem A. Pat. nur einige Stunden verlassen 
hatte, bedeutend heisse (Geschwulst im ganzen Arme, vorzüglich 
aber im Ellenbogengelenke, wogegen Unz. merc. ciner., Scarifi- 
cationen etc. nur wenig nützten. Am 3. Tage sah man Brandbla- 
gen, und der Arm war im Gelenkwinkel fast steinhart. Da Gan-
	        
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