Full text: (10. Band = 1835, No. 1-No. 8)

4. Materia medica und Toxikologie, 413 
leichtert. Der Appetit blieb immer gut, und Pat. wollte nichts 
auf dieses Mittel fühlen, als gleich nach dem Einnehmen ange- 
nehme Wärme in der Magengegend. 4 Monate nachher, im De- 
cember, wo der Vrf, diese Mittheilung machte, war das Befin- 
den noch ganz erwünscht. Ob Rückfälle kommen werden, muss 
die Zeit lehren. Kämen sie ja, so hofft sie H. durch dasselbe 
Mittel wieder zu beseitigen. Schliesslich fragt der Vf.: ob dies 
Natur- oder Kunstheilung sey? Er stimmt für letztere, da die 
Naturkraft zuvor lange genug Zeit hatte, die Heilung zu bewir- 
ken, wenn sie es allein im Stande gewesen wäre. — IL Ein 
32jähriger, hagerer Mann, Sohn eines Vaters, in dessen Kopfe 
es zuweilen auch nicht recht richtig gewesen seyn soll, litt schon 
seit 7 Jahren, ohne bekannte Ursache, an Monomenia daemonica, 
doch so, dass.sich oft in einer Reihe von Monaten nur leise 
Spuren seines Leidens zeigten, während es dann periodisch wie- 
der stärker hervorirat. Letzteres war besonders im verflossenen 
Sommer der Fall; wo er plötzlich völlig tobsüchtig wurde, die 
Seinigen misshandelte und Alles zertrümmerte, so dass er fest- 
genonımen und bewacht werden musste. II. wurde erst am 3. 
Tage gerufen. Kr traf den Kranken, der eben erst einen hefti- 
gen Anfall gehabt hatte, ganz ruhig. und vernünftig, bis auf die 
fixe Idee, dass Nachts ihn allerlei schlimme Wesen beunruhigten 
und drückten. Das körperliche Befinden schien nicht gestört, 
der Puls war langsam, voll, und die Oeffnung fehlte oft meh- 
rere Tage... Nach Aderlass erhielt der Kranke täglich 3 Mal 
6 Gr. Zad. Helleb. mit 2 Gr. Crlom. Diese Pulver wurden 
2 Tage fortgegeben und hatten häufige und starke Stuhlauslee- 
rungen mit etwas Leibschneiden, wie dies gewöhnlich bei An- 
wendung des Kalomels vorkommt, zur Folge, Kin Anfall trat in 
diesen Tagen nicht ein: und Pat. war ganz ruhig. Am 3. Tage 
wurden die Mittel, um die Nachwirkung zu erwarten, weggelas- 
sem Am 4. stellte sich leichte Salivation ein, die einige Tage 
anhielt und wegen welcher ausser schmaler Diät nichts verordnet 
wurde. Nach Verschwinden derselben nahm Pat. die Rad, Helleb. 
allein täglich 3 Mal zu 4 Gr. 6 Tage fort und eine Besserung 
war nicht zu verkennen, denn wenn auch jene fixe Idee nicht 
ganz aufgehört hatte, so trat sie doch weit weniger lebhaft her- 
vor, als sonst, und der Kranke konnte nach 8 Tagen wieder ent- 
lassen werden. Nun wollte er aber nichts mehr einnehmen, 
blieb ganz ruhig, doch immer still und in sich gekehrt, bis 
Ende Oct. wieder heftige Anfälle von "Tobsucht eintraten, die 
jedoch nach einigen Tagen von selbst wieder ‚aufhörten. Pat. 
wurde nun in die Irrenheilanstalt nach Winnenthal gebracht. . Die- 
ser Fall ist von untergeordneterer Bedeutung als der erste, da 
die Wirkung des Melleb. weniger: rein und durchgreifend und 
seine Anwendung weniger rationell begründet war. Doch verdient 
er wohl, da ein Mal von Wirkung des Hellcbor. in Geisteskrank- 
heiten die Rede war, erwähnt zu werden. Möchte der Helleb.
	        
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