Full text: (10. Band = 1835, No. 1-No. 8)

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iM. Materia medica und Toxikologie. 
Tauswesen ganz fleissig und pünktlich und wurde wohl‘ auch auf 
geeignetes Zureden freundlich und scheinbar heiterer. Das Ge- 
sicht war: blass, die Augen unverändert, die Carotiden pulsirten 
nicht stark, der Kopf war nicht heiss, der Puls langsam, etwas 
voll und die Periode, so wie die andern Exeretionen, in Ord- 
nung. H. wendete Mehreres, namentlich kühlende. Abführmittel, 
entsprechende Diät, später Blutegel an den Kopf und Pillnaer 
Bitterwasser mit Morgeuspaziergäugen -ohne Erfolg an. Nichts 
änderte das Uebel, ja die melancholische Stimmung nahm eher 
zu, als ab. Nach dieser vergeblichen Behandlung ‚wurde lange 
hichts mehr genommen, auch das Bitterwasser. aufgegeben‘ und 
die Sache sich selbst überlassen... Das ‚.Kopfweh wurde indess 
immer drückender und die Melancholie bedeutender. Kines Mor- 
gens wurde Pat. geraume Zeit vermisst. Nach langem Suchen 
fand man sie am Ufer des Neckars in einem Gebüsche, wo sie 
eben ein Kleidungsstück um das andere ablegte. Dies Alles ver- 
rieth wohl ihr Vorhaben, doch äusserte sie sich nicht darüber, 
ging ruhig mit nach Hause -und sagte nur, dass ihr ‚eben unbe- 
schreiblich bange zey, - Einige Tage nachher ‚wurde der Vf, wie- 
der verlangt, konnte aber. von ‚ihr. weiter nichts erfahren, als 
dass sie sehr heftigen Kopfschmerz habe und dass es ihr un- 
endlich schwer auf dem Herzen Hege. Nach den frühern miss- 
lungenen Heilversuchen, die mehr oder minder den ‘Kopf von 
Seiten des Blutgefässsystems und der Darmabscheidungen zu be- 
freien suchten, von der ersten‘ Ansicht des Uebels abgehend, 
nahm H. nun das Leiden für reine, Neurose und wollte dagegen 
eine andere, als die früher misslungene Ableitung anwenden. Kr 
beschloss nämlich Gegenreiz-:in einer andern, dem Gehirn in 
mancher Ilinsicht - antagonistisch. entgegenstehenden Sphäre des 
Nervensystems , im Gangliensysteme, und namentlich im Plerus 
solaris zu erregen und so die Beabsichtigte Ableitung zu bewerk- 
stelligen.. So kam er auf den Helleborus, den er bisher novlt 
nie angewendet hatte. Er liess also: zuerst 3 Mal täglich einen 
Gran Pulv. rad.‘ Helleb. nigr. mit 12 Gr. Trag. arom. nehmen. 
Allınählich stieg er später vorsichtig damit, so dass Pat. das Mit- 
tel 2 Monate anhaltend benutzte und zuletzt täglich 24 Gr. nahm. 
Andere Mittel gebrauchte sie - in dieser Zeit nicht. Schon nach 
ödtägigem Gebrauche war die Kranke heiterer und unbefangener. 
Dies nahm. immer mehr zu, bis Pat. im genannten Zeitraume 
von ihrer. Melancholie ganz befreit war. Sie gab an, dass sie 
Bicht aussprechen könne, wie wohl und frei ihr zu Muthe sey 
und dass sie die frühere, ihr jetzt noch ganz unerklärliche Angst 
nicht mehr fühle. Auch sey' der Kopf fast immer frei und nur, 
wenn es unruhig hergehe oder sie sich beim Kochen sehr an- 
strenge, stelle sich die frühere Empfindung wieder ein, verliere 
eich aber stets während des. Schlafs, In die. Augen fallende 
Wirkungen nahm man vom Helleborus nicht wahr. Nicht ein 
Mal der Siuhlgang wurde vermehrt, wohl aber sein Abgang er-
	        
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