Full text: (10. Band = 1835, No. 1-No. 8)

408 1, Materia medica und Toxikologie. 
zeugten. Der Nachgebrauch Norderneys‘ stellte ihn jedoch 80 
weit wieder her, dass er gegen den Herbst seinem Berufe sich 
wieder unterziehen - konnte, Kaum hatte er jedoch seinen Ar- 
beiten einige Wochen mit Eifer obgelegen, so wurde er aufs 
Neue von bedeutenden Unterleibs- und Nervenzufällen geplagt. 
Er bekam hartnäckigen, schmerzhaften Durchfall, der 6 Wochen 
den kräftigsten adstringirenden Mitteln trotzte, dann zwar nach» 
liess, doch sogleich wiederkehrte, wenn Pat. mit Nachdenken ar- 
beitete. Ausserdem war ungewöhnliche MNitze und Aufregung im 
Kopfe mit steter Neigung zum Schwindel, fortwährendem Uebel- 
seyn und besonders mit Nervenschmerz zugegen, welcher letz- 
terer durch alle Gelenke ging, hauptsächlich aber in den Kuss- 
zehen sass und von da durch die Nase ins Gehirn zog. Pat, 
konnte diesen Zustand nicht anders beschreiben, als dass er sich. 
zugleich durch Druck, Stechen, Reissen und Schneiden äussere 
and im Gehirn das Gefühl erzeuge, als wenn ihn Jemand mit 
den Haaren niederziehen wollte. Vor den Augen sah er. stets 
fliegenden Fior. H. überzeugte sich, dass Pat. an tief einge 
wurzelter materieller Hypochondrie leide, die aber nicht allein 
von gröbern Stoekungen der Verdanungsorgane, sondern von 
gleichzeitiger krankhafter Sensibilität der Unterleibs- und Rücken- 
marksnerven bedingt werde, und siellte demnach dem Kranken 
als dringend vor, sich Behufs einer angreifenden Sommercur auf 
mehrere Monate frei von allen Geschäften zu machen ‚und bis 
zum Beginnen der Haupteur sich angemessen darauf vorzuberei- 
ten. Er verordnete cinen bittern nervenstärkenden Thee,, nahr- 
hafte,. leicht verdauliche Diät, möglichste Beschränkung der 
sitzenden Lebensweise, Sorge für tägliche Leibesöffunng und kalte 
Uebergiessungen im lauwarınen Unterbade. — Als Pat. Ende Mai 
nach Berlin zurückkam, hatten sich die erwähnten Kraukheitszu- 
fälle in keiner Art gemildert, auch waren noch bei den kalten 
Uebergiessungen oft ohnmachtähnliche Anfälle zum Vorschein ge- 
kommen und hatten eich im Laufe des Vormittags wiederholt. 
Anfangs Juni begann Pat. die Karlsbader Brunnencur mit 4 Be- 
chern Neubrunnen und nebenbei wurden einige Male in der Wo- 
che, und zwar Abends, die kalten Üebergiessungen angewendet, 
In deu ersten 3 Wochen stieg Pat. allmählig bis zu 7 Bechern 
Neubrunnen und nahm in der Regel nur eine aus Kıtr,. rhei 
compos. etc, bestehende Brunnenpille, wobei der Stuhlgang ziem- 
lich constant 3 Mal, auch wohl bisweilen 4 Mal erfolgte. Wäh- 
reud des Trinkens war gewöhnlich der Kopf schwer, eingenom- 
men und der Gang schwankend und unsicher, wie bei mäs- 
sigem Rausche. Nicht selten fand sich auch ein eigenthümli- 
cher, umherziehender Kopfschmerz ein, der sich von der Nasen- 
spitze nach der Mitte des Kopfs und von da nach dem Gehirn 
hinüberzog, zuweilen auch nach den Schläfen und bald mit 
Kitzeln, bald mit Pulsiren in der Nasenspitze verbunden war. 
Besonders lästig war während des Trinkens das Flimmern vor
	        
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