Full text: (10. Band = 1835, No. 1-No. 8)

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N, Pathologie, Therapie und medicinische Klinik, 399 
eben so viel, vielleicht die doppelte Menge während. des Tages 
abgehe. Da dachte ich an Diabetes, ‚eine Krankheit, die ich bis- 
her nur erst ein Mal, während meines klinischen Cursus im hie- 
sigen Jacobs - Hospital vor 5 Jahren, gesehen hatte; ich betrach- 
tete den Urin genau; er war Jichtbraun, durchsichtig, wie alter 
Rheinwein, roch eigenthümlich widrig, aber durchaus nicht uri- 
nös und bildete keinen Bodensatz, — Wer sollte mich nicht ent- 
schuldigen, wenn ich meiner Diagnose noch immer nicht zu trauen 
wagte? Zumal bei einem so wichtigen Krankheitszustande und 
da der Kranke selbst mir 80 wenig pathognomonische Kennzeichen 
zu ihrer Befestigung angeben konnte? . Ich beschlass daher, mich 
einstweilen noch aufs Temporisiren zu beschränken, bis festere 
Veberzeugung. und auffallendere Veränderungen im Befinden des 
Kranken mich zu einem ernsteren und bhestimmteren Heilverfah- 
ren auffordern würden. Schon am 10, Octbr. berichtete mir Pat., 
dessen Aufmerksamkeit ich namentlich auf die Urinausleerung und 
alle damit zusammenhängenden Erscheinungen, so wie auf alle 
subjecliven Gefühle und Empfindungen im Unterleibe und vor- 
zugsweise in der Nieren- und Blasengegend hingeleitet hatte: 
dass er bisweilen ein Ziehen und Spaunen oder auch Druck in 
der Blasen-, und in der Nierengegend einen krampfhaften, zu- 
sammenziehenden Schmerz empfinde; hin und wieder sey ihm, 
als wenn eiskalte Tropfen im Unterleibe herabglitten, namentlich 
in der Richtung von den Nieren nach der Blase, durch welche 
letztere, so wie durch das männliche Glied einzelne Stiche füh- 
ren, an der Wurzel des Gliedes und im Mittelfleische empfinde 
er ein lästiges Drängen; die Urinabsonderung schien zuzunehmen, 
er musste öfters des Nachts aufstehen, um Wasser zu lassen; 
auch die übrigen Symptome, welche dazu beitragen konnten, die 
Diagnose zu befestigen, bestanden fort. Dennoch war an eine 
geregelte Behandlung immer noch nicht zu denken, da sich Pat. 
fast den ganzen Tag über auf der Strasse umhertrieb, und sich 
bei seinen Geschäften körperlich und geistig 80 sehr anstrengte, 
dass ich ihn des Abends immer äusserst erschöpft antraf, Da 
er aber sehnlichst die lästigen krampfhaften, ziehenden, span- 
nenden, drückenden Schmerzen beseitigt und seine Nachtruhe 
weniger durch den Drang zum Uriniren unterbrochen zu sehen 
wünschte, so verordnete ich zu seiner Erleichterung Dover’sche 
Pulver und eine Einreibung aus Linim. volat. camph, mit Tinct, 
theb. in den Unterleib, — Der ganze Monat Octhr. verstrich so 
ohne auffallende. Veränderungen im Befinden des Kranken, mit 
Ausschluss der täglich zunehmenden Körperschwäche, unter ab- 
wechselnder Verschlimmerung und Besserung, bei dem Gebrauche 
leicht bitterer. und auflösender Mittel, welche mir bei der Con- 
stitution des Kranken, die ich als ein nicht unwichtiges prädis- 
ponirendes Moment für die gegenwärtige Krankheit betrachten zu 
müssen glanbte, als die zweckmässigsten erschienen, 8o lange ein 
directes Heilverfahren noch durch die Umstände verhindert werde.
	        
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