Full text: (10. Band = 1835, No. 1-No. 8)

II. Materia Medica und Toxikologie. 
Die R. dürfte ihre, von Zeit zu Zeit eintretenden gichtischen 
Schmerzen am wahrscheinlichsten einem, besonders früher, aus- 
schweifenden Leben zuzuschreiben haben. Sie selbst ging mich 
mit der Bitte an, ihr das Mittel, womit ich die Frau M., die Jü- 
din, curirt hätte, zu verschreiben. Schon am 3. Tage erklärte 
sie sich unfähig, den Leberthran ferner zu brauchen, er verur- 
sache ibr stets heftiges Würgen und bisweilen auch Brechen. — 
Gegen einen, an dem rechten Knöchel des rechten Fusses sitzenden 
Gichtknoten, welcher am meisten, und fast anhaltend schmerzte, 
verordnete ich das Mittel äusserlich in Verbindung mit dem 
LanpaDius’schen Schwefelalkohol. Der Knoten, von der Grösse 
einer Zellernuss, verkleinerte sich sowohl um die Hälfte, als er 
auch, während der sechswöchentlichen Einreibungen dieser Mit- 
tel, ganz verschwand, und nur erst 4 Monate darnach von 
neuem, doch anfangs noch immer gelinder als früher, sich wie- 
der einstellite. Die Wirksamkeit dieser Einreibungen wiederholt 
zu erproben, ermangelte uns in diesem Falle die Gelegenheit. 
Gegen Ischias habe ich den Leberthran 1829 bei Hrn. v. A. 
23 Jahre alt, und im vorigen Jahre bei dem 22jährigen D. ver- 
sucht. A, brauchte das Mittel regelmässig 5, D. aber nur 2 Wo- 
chen. Beiden hat er nicht die mindeste Linderung verschafft. — 
1830 empfahl BurvacH in Triebel den, früher von LEnxTtIN ge- 
rühmten, Sublimat. Oft verband er damit das Colchicum. Es wird 
zu einer Sublimatsolution (gr. ij ad 3jß®) von dem vinum seminum 
colchici 3fs zugesetzt. Hiervon braucht Pat. 2stündlich 30 — 40 
Tropfen. Diese Mischung hat sich mir in mehren Fällen als ein 
sehr schnell schmerzstillendes Mittel bewährt. In zwei Fällen 
acuter Gicht liess ich vorher an die vorzugsweise entzündlich er- 
griffenen Stellen (ein Mal den rechten Fussballen, das andre Mal 
den linken Knöchel des rechten Fusses) Blutegel setzen, und der 
heftigste Schmerz ward schon binnen 6 und 10 Stunden auf das 
Minimum herabgesetzt. Dass die Blutegel schwerlich das Haupt-, 
wenigstens nicht das alleinige Mittel abgegeben haben, bewiesen 
wir zwei ähnliche andre Beispiele, in welchen ich es ohne Blut- 
ggel verordnet hatte. Der hiesige Dr. FraixDrRıcH hat, wie er mir 
mittheilte, sehr viele, die Wirksamkeit dieser Mischung bestäti- 
gende, Beobachtungen gesammelt. 
17. Blei mit Opium gegen Lungenentzündung; 
vom Kreisphys. Dr. CHrRvVALIER in Merzig. Rırscuer's Ansicht 
über Lungenentzündung (S. Summ. Bd. VI, Iift. 2, Nr. 76.) ver- 
anlasste den Vf., das von diesem empfohlene Blei mit Opium 
gegen dieses Uebel anzuwenden. Der erste Fall einer Pneumo- 
nie, die er mit den genannten Mitteln behandelte, betraf eine 
2 Stunden von ihm entfernt wohnende Baucrsfrau. Nach Ader- 
lass verordnete er Blei mit Opium ganz wie RırschHER angab, 
kann aber über diese Kranke nichts weiter anführen, als dass er 
sie erst nach 8 Tagen, aber völlig genesen wiedersah. Eben so 
zing es mit einigen audern Fällen, denn leider muss Ch, oft 
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