Full text: (10. Band = 1835, No. 1-No. 8)

VII. Staatsarzneikunde, 
nachstehende dabei in Betracht kommende Fragen ein Gutachten 
abzugeben, nämlich: 1) war die frühzeitige Geburt unmittelbare 
Wirkung des eingenommenen Quecksilbers, 2) oder war sie Folge 
einer combinirten Ursache, nämlich des eingenommenen Queck- 
silbers und des Glaubens, dass dieses die erwartete Wirkung 
haben werde. — Durch Mittheilung der bezüglichen Acten wurde 
die Facultät mit allen durch die bisherigen Verhöre ermittelten 
Umständen bekannt gemacht. In Bezug auf diese Verhöre be- 
merkt aber die Facultät unter dem 8. Mai zuerst, dass weder 
Schwangerschaft, noch der angebliche Vorgang der Abtreibung 
der Leibesfrucht nach den wichtigsten dabei in Betracht kom- 
menden Umständen durch diese Verhöre genügend aufgeklärt wor- 
den wären, welchem Mangel man dadurch würde abgeholfen haben, 
wenn man zur Leitung der Untersuchung in medicinischer Hin- 
sicht sogleich einen Arzt hinzugezogen hätte, Die Inquisitin wäre 
uamentlich genauer über die Beschaffenheit der Schmerzen, ob 
sie nämlich mehr in der Gegend des Uterus wehenartig, oder 
mehr kolikartig gewesen, über Stärke und Dauer der Blutung, 
ob etwa ein Durchfall eingetreten etc., zu befragen gewesen, auch 
insbesondere noch über Aussehen des Abgegangenen und ob sich 
die Angabe der Grösse einer Hand, die Inculpatin dem Abgegan- 
genen zuschreibt, auf einen wirklich ausgebildeten Fötus mit er- 
kenn - und unterscheidbaren Haupttheilen des Körpers bezogen 
habe. Bei dieser Mangelhaftigkeit der Angaben betrachtet da- 
her die Facultät den Fall nicht als völlig constatirt und zweifelt 
selbst an der Wahrhaftigkeit der Aussage der Inculpatin, da sie, wenn 
sie in der 11. oder 12. Woche einen wirklichen Fötus abgetrie- 
ben, wenigstens einige Tage noch an den Folgen einer solchen 
nur gewaltsamen Revolution, namentlich an Blutabgang gelitten, 
auch wohl nicht ihre Geschäfte, wie früher, würde haben ver- 
richten können, wovon wenigstens aus den Acten das Gegentheil 
sich nicht ergiebt. — Was nun aber die erste der oben erwähn- 
ten Fragen betrifft, so betrachtet es die Facultät nach eigenen 
und zusammenstimmenden Erfahrungen der bewährtesten Aerzte 
als höchst zweifelhaft, dass jene Quantität Quecksilber, die dem 
Preise und der Bestimmung des Raumes nach, den es einge- 
nommen, nicht 2 Unzen betragen haben kans, jene ausserordent- 
liche Wirkung hervorgebracht haben soll. Früher hat man aller- 
dings laufendes Quecksilber bei hartnäckiger Verstopfung, be- 
sonders bei Volvulus und dem davon abhängigen Ileus angewen- 
det, und es finden sich auch glückliche Erfahrungen darüber. Doch 
ist es ausgemacht, dass es hier auf mechanische Weise durch 
Grösse, Schwere und grosse Beweglichkeit gewirkt habe uud dass 
eben darum seine Wirkungen nur auf die Organe selbst einge- 
schränkt bleiben mussten, in welchen es mit diesen Eigenschaf- 
ten wirken konnte. Zwei einzelne unglückliche Fälle sind auf- 
behalten worden, wo grössere Massen Quecksilber, wenn sie ein 
nicht zu überwindendes Hinderniss im Darmkanale fanden, zer- 
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