Full text: (10. Band = 1835, No. 1-No. 8)

564 IV. Chirurgie und Ophthalmologie, 
mitteln, doch nimmt man am Kranken, so wie an dem noch leben- 
den einzigen ältern Bruder desselben Spuren früherer Scropheln 
wahr. Des Pat. Vater starb im 60. Jahre an Brustwassersucht 
mit Tuberkeln in den Lungen und Verknöcherung der Herzval- 
veln, die 64jährige Mutter aber leidet an sehr vergrösserter 
Schilddrüse und namentlich an Kurzathmigkeit und Husten. Im 
14. Jahre soll der Kropf: des Kranken mannsfaustgross gewesen 
seyn, es wurde aber nicht im mindesten gegen ihn etwas unter- 
nommen, sondern vielmehr durch warme Kleider und Ööfteres 
Reiben der Geschwulst das Wachsthum ‚derselben befördert, um 
dadurch vom Militärdienst befreit zu werden, Nachdem die Furcht 
der Aushebung zum Soldaten beseitigt war, suchte Pat, auch den 
Kropf loszuwerden und gebrauchte nun Mittel aller Art von Aerz- 
ten und Nichtärzten. Als im Frühjahre 1826 N. nach Isseny 
kam, suchte er auch bei ihm Hülfe. Der unempfindliche, fast 
steinharte, nur an einigen ‚Stellen schwach fluctuirende, unbe- 
weglich ‚aufsitzende. und überall ebene Kropf nahm den ganzen 
vordern. Hals ein, reichte vom Kinn bis zum Manubrium sterni 
und von einem Muse. sternocleidomastoideus zum andern und war 
ungefähr 10 pariser Zoll lang und 6 Zoll breit. Der Mann fühlte 
sich dabei gesund, hatte aber durch das mehrjährige Einnehmen 
einen sehr empfindlichen Magen und musste sich vor schwerer 
Arbeit nnd geistigen Getränken hüten, weil sich danach KErsti- 
ckungszufälle einstellten. An das Gewicht des Kropfs hatte er 
sich gewöhnt. Der Vrf. beschränkte sich vor der Hand nur dar- 
auf, die Geschwulst von Zeit zu Zeit zu untersuchen. Er fand 
dabei deutliche Fluctnation am obern linken Eude des Kropfs 
nahe am Winkel des Unterkiefers von der Grösse eines halben 
Kronthalers und eine kleinere correspondirende Stelle auf der 
entgegengesetzten Seite, sonst aber nirgends, Bei anerkannter 
Unwirksamkeit aller Heilmittel sching er vor, das Uehel mittelst 
Haarseile zu entfernen, doch wurde dieser Vorschlag verworfen 
und bald da, bald dort Mittel gegen den Kropf gebraucht. Die 
Erstickungszufälle, wobei der Kropf blau wurde und die Jugu- 
lJarvene fingerdick anschwoll, wurden aber mit der Zeig heftiger, 
und der Kropf sichtbar grösser und uur häufige kleine Venä- 
gectionen konnten anf kurze Zeit einige schnell vorübergehende 
Erleichterung gewähren. Pat. wünschte nun unter jeder Bedin- 
gung von seinem Krnpfe befreit zu seyn und erklärte sich im 
Jan. 1828 zu jeder Operation bereit. Um diese Zeit hatte der 
Kropf von einem Ende zum andern eine Länge von 15 und eine 
Breite von 8 Pariser Zollen, der rechte Musc. sternocleidoma- 
stoideus war wie ein breites dünnes Band über ihn hergezogen, 
der linke aber, nach hinten geschoben, bildete die Gränze des 
Kropfes. Die rechte Jugularvene war «sehr erweitert, empfing 
auf dem Kropfe eine Menge varicöser Venen und lief zwischen 
der Hälfte und dem letzten Dritttheil des Kropfes herunter, die 
linke war nicht zm sehen. Ausser den erwähnten fluctuirenden
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.