Full text: (10. Band = 1835, No. 1-No. 8)

II. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik, 330 
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immer plattdentsch gesprochen und sich höchst simpel betragen. 
Als es 11 Uhr schlug — um welche Zeit er sich weiter, wie er 
Abends vorher gesagt, mit Gott unterhalten wolle — verdrehte er 
convulsivisch die Augen und die Pupille erweiterte sich ungewöhn- 
lich, die Brust hob sich sehr, die Magengegend fing ordentlich an 
zu schwellen und den linken Arm streckte er so krampfhaft aus, 
dass er sich nicht beugen liess, Der Oberkörper wurde nun nach 
links gezogen, der Puls sank bis zu 45 Schlägen und war, wie der 
Herzschlag, kaum zu fühlen. Die untern Extremitäten bewegten 
sich gar nicht und Gesichts- und Gehörsinn schienen ganz erlo- 
schen, die Iris war unbeweglich und der Augapfel blieb stier auf 
einer Stelle stehen. Starkes Schreien in die Ohren oder schein- 
barer Feuerlärm änderten in diesem Zustande durchaus nichts. Er 
blieb darin & Minuten, dann aber liess der Krampf der linken Seite 
nach, der stark ausgestreckte linke Arm fiel herab, Augen, Puls- 
und Herzschlag änderten sich aber nicht. Nun athmete der Knabe 
tief und fing, ohne nur ein Mal anzustossen, wie ein. gewöhnli- 
cher Landgeistlicher zu reden an. Im allgemeinen war die ganze 
Rede schlecht eingetheilt und nicht logisch geordnet, auch lag 
ihr kein bestimmtes Thema zum Grunde. Auffallend. war aber 
immer die Geläufigkeit, mit welcher der sonst ganz ungebildete 
Knabe sprach, und älle Umstehenden versicherten, dass die jetzt 
geäusserten Gedanken im gesunden Zustande über seinen Hori- 
zont gingen. Die Rede dauerte 20 Minuten. Am Ende dersel- 
ben schien der Knabe Schmerz in der Brust zu empfinden, ‘denn 
er bat Gott um Vergebung, dass er sich nicht länger mit ihm 
unterhalten könne, da ihm das Sprechen sehr schwer falle, doch 
wolle er um 2 Uhr weiter mit ihm sprechen. Kaum hatte er 
dies gesagt, so strich er sich mit der Rechten bogenförmig über 
Gesicht und Brust, sah sich sehr verwundert um, Herz- und 
Pulsschlag wurden normal, die Popille verengerte sich wieder 
und es trat die frühere frohe, muntere Laune ein. Vom Vor- 
gegangenen wusste er durchaus nichts, wohl aber klagte er sehr 
über, Spannung in der Gegend des Plerus coeliacus und über 
lähmenden Schmerz im linken Arme und Oberschenkel. Aufste- 
hen konnte er nicht, äusserte aber heftigen Durst und genoss 
mit grosser Begierde Haferschleim. Der Verf. blieb bis 2 Uhr 
bei dem Knaben und unterhielt sich mit ihm, besonders über die 
Bergpredigt Jesu, um zu sehen, ob dies nicht einen Einfluss auf 
seine künftige Rede haben würde. Auch liesa HM. alle Uhren 
im Hause, bie auf seine Taschenuhr, bedeutend zurückstellen 
und verhinderte den Schlag derselben. Als die zweite Stunde 
heranrückte, suchte er den Knaben auf alle mögliche Weise zu 
gerstreuen und liess plötzlich die Hausuhr 12 schlagen, - doch 
kaum berührte der Zeiger seiner Uhr 2, so begann der Knabe 
seinen Paroxysmus wieder mit denselben Bewegungen und der- 
selben Dauer. Die Unterhaltungen über die Bergpredigt hatten 
aber gar keinen Kinfluss auf seine Rede gehabt, und er sprach 
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