Full text: (10. Band = 1835, No. 1-No. 8)

1. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik, 33% 
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nicht gehörig gekaut werden, der Puls war klein, langsam, die 
Temperatur wie gewöhnlich und die Zeit der Katamenien war 
zugegen, ohne dass dieselben eingetreten waren. Nähere Veran- 
lassungen konnten nicht entdeckt werden. In früher Jugend soll 
ein ähnlicher, doch bei weitem nicht so heftiger Zufall zugegen 
gewesen, aber ohne Mittel gewichen seyn und nachher das Mäd- 
chen sich immer wohl befunden haben. M. verordnete neben 
scharfen Fussbädern Pulver aus Kıtr., hyose. Flor. Zinc, und Rad, 
Valer.; worauf sich einen Tag Menstrualblut, doch sonst keine 
Veränderung zeigte, Die Pulver wurden fortgesetzt und nun tra- 
ten einige Intermissionen und Nachts etwas Schlaf ein. M. liess 
die Pulver fortnehmen, nur in grössern Zwischenräumen und längs 
der Hals- und Brustwirbel auf den Rücken 3 Zoll breit ein. Zug“ 
pflaster legen. , Darauf ging es bedeutend besser, die Bewegun- 
gen waren nicht mehr so stark und die Kranke schlief die ganze 
Nacht. Als. das Vesicator verheilt war, wurde ein neues gelegt 
und mit den erwähnten Pulvern fortgefahren, und so wurde denn 
Pat. binnen 14 Tagen so weit geheilt, dass nur noch schwache 
unwillkührliche Bewegungen des linken Arms und besonders der 
linken Hand, Kopfschmerzen und Mattigkeit sich vorfanden. M. 
liess nun: 3 Mal täglich 1 Gr. Cupr. ammon. mit Valeriana neh- 
men. Das Mädchen ging wieder in ihren Dienst, doch wollten 
sich die Bewegungen des linken Arms nicht ganz verlieren, wes- 
halb der Vrf. reizende Einreibungen und innerlich Baldriantinctur 
in Anwendung zog.. Diese Mittel hatten den besten Erfolg. Das 
Mädchen ist jetzt ganz gesund und sieht‘ blühend aus. [Clarus’s 
u. Radius’s Beitr. z. prakt. Heilk., Bd. 3, Hft. 2.] 
. 387% Somnambulismus; vom Kreisphysicus Dr. Hem zu 
Meschede. Der Vf. hat während seiner 10jährigen Anwesenheit 
zu Meschede wirklich 3 Fälle von ‚wahrem Somnambalismus ge- 
sehen. Kinen derselben erzählt er hier, wie er sich zugetragen, 
ohne Vorurtheil und überlässt jedem Leser, das Seinige zu -glau- 
ben: Ein 15jähriger: Knabe verlor seinen Vater als. 14tägiges 
Kind. Er blieb bis zum 5. Jahre, wo er geboren worden war, 
und da seine nur von Handarbeiten und Almosen lebende Mutter 
am Nothwendigsten Mangel litt, behielt sie ihn fast 3 Jahre an 
der Brust. Nachdem er im 5. Jahre auch die Mutter verloren 
hatte, nahm ihn ein Oheim mütterlicher Seite zu sich. . Obgleich 
er die Schule immer ziemlich fleissig besuchte, blieb er doch 
in Ausbildung des Geistes hinter seinen Mitschülern zurück, Be- 
sonders lernte er nichts, was.den Verstand vorzugsweise be- 
schäftigte, und da er ein ziemlich. gutes‘ .Gedächtniss besass, 
wusste er stets ganze. Stellen aus der biblischen Geschichte, die 
er am liebsten las, herzusagen. Schreiben war. ihm gar nicht 
beizubringen, und da die Schulgesetze befehleny dass die Kinder 
den Inhalt der Sonntagepredigt aufsetzen müssen, so suchte er 
sich dadurch. zu ‚helfen, dass er :das, was er davon behalten, 
einen Mitschüler ‚dictirte, Dies trieb er-4 Jahre und eoll dabei 
Summarium d. Medicin. 1835. Y. 22
	        
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