Full text: (10. Band = 1835, No. 1-No. 8)

NH. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 335 
ptome sprachen für Aderlass und strenges antiphlogistisches Ver- 
fahren.. Man setzte Blutegel an den Arm, schlug Ag. Goulard, 
auf, rieb Ung. merc. ein etc., doch konnte nichts die Entzün- 
dung hemmen und sie ging unaufhaltsam in Eiterung über, die 
sehr stark wurde, nachdem viele kleine Eiterpunkte durch warme 
Umschläge von selbst aufgebrochen waren. Die Wunden mussten 
oft erweitert werden, denn täglich gingen ganze Stücke zerstör- 
tes Zeilgewebe ab. Nachdem dies eine, Zeit lang angehalten, 
lagen die Muskeln wie präparirt da. Nach langer Behandlung 
wurde endlich Pat. wieder hergestellt, doch ist der Arm bedeu- 
tend dünner und schwächer geblieben, als der andere. — Was 
hat wohl hier ein so hartnäckiges Uebel erzengt. — [Casper’s 
Wochenschr, f. d. ges, Heilkunde , 3885, Nr. 6.] 
163. Pseudoerysipelas in Folge der Vaccination3 
aus den Milit. Medic. Berichten mitgetheilt von L*. Ein Recrut 
wurde am 13. Jan. v. J. mit mehreren andern Recruten mit gu- 
ter Schutizblatterniymphe durch 20 und etliche Impfstiche re- 
vaccinirt. Am 17%. Jan., bis zu welchem Tage der Recrut täg- 
lich einige Stunden, doch ohne Gewehr, exercirt hatte, entwi- 
ckelten sich auf jedem Arme 10 Pusteln und gleichzeitig stell- 
ten sich gelinde Fieberbewegungen ein, wobei der Kranke be- 
sonders über Mattigkeit in den Gliedern und Eingenommenheit 
des Kopfs klagte. Diese Symptome nahmen unter Ohnmachts- 
anwandlungen, bis zum 20., wo der Kranke ins Lazareith kam, 
immer zu, Auf jedem Arme fanden sich jetzt 10 grosse, prall 
mit -Lymphe gefüllte Vaceinepusteln, Auf dem rechten umgab 
diese Pusteln ein Pseudoerysipelas, das sich über den ganzen 
Arm erstreckte und die Bewegung desselben sehr erschwerte. 
Die dunkelrothe Haut dieses Armes fühlte sich hart, heiss an. 
Das Fieber war dabei zwar mässig, der Kopf aber sehr einge- 
nommen und während der Nacht waren Delirien zugegen. Am 
21. Jan. Mittags versank Pat., der den Morgen in stillen Deli- 
rien gelegen, in paralytischen Zustand. Er lag ganz starr, gab 
keinen Laut von sich und schien nichts zu empfinden. Die Ex- 
tremitäten waren kalt, der Puls kaum zu fühlen und die Glieder 
sanken, wenn man. sie aufhob,: wie leblos wieder herab. Kräf- 
tige Reizmittel erweckten nach einigen Stunden den Kranken wie- 
der. Abends hatte sich am innern rechten Arme auf der gerö- 
theten Haut eine haselnussgrosse Blase mit stinkender F lüssig- 
keit gebildet. Fluctuation fühlte man nirgends, Die Nacht ver- 
ging in stillen Delirien. Am 22. früh lag Pat. wieder ohne Re- 
gung bei unfühlbarem Pulse, Wo Abends zuvor die Blase sich 
gezeigt hatte, fand sich jetzt eine kleine brandige Oeffnung in 
der Haut und in der Tiefe war Fluctuation zu fühlen, Man machte 
sozleich einen Einschnitt durch die Haut von 3 Zoll, worauf das 
Zeilgewebe im beträchtlichen Umfange abgestorben erschien, so 
dass sich die Sonde fast rings um den Arm unter der Haut fort- 
schieben liess, wobei Pat. keine Empfindung hatte, Nach Ent-
	        
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