Full text: (10. Band = 1835, No. 1-No. 8)

28 MH.‘ Pathologie, Therapie und medieinische Klinik. 
hen, so liegt doch noch vieles im Dunkel und hinsichtlich man- 
cher Uebel glaubt man weiter zu seyn, als man wirklich ist. Zu 
letztern gehört das Aneurysma arcus aortae, das Viele als gar 
nicht zu verkennendes Uebel betrachten, obgleich Fälle nicht 
selten sind, wo dieses Leiden vorhanden war und doch nicht 
vermuthet wurde, noch häufiger aber Fälle, wo man fälschlich 
ein solches Aneurysma annahm, während man andere, das Aneu- 
rysma bloss simulirende Krankheiten nicht erkannte. Wegen letz- 
terer Fälle kann man allerdings wohl dem Arzte Vorwürfe ma- 
chen, weil wohl ‚ein Fall selten seyn möchte, bei dem, wenn sich 
Verdacht anf ein Aneurysma findet, nicht herauszubringen wäre, 
dass dieser Verdacht ungegründet sey. Dagegen scheint es wirk- 
lich, als ob bisweilen Aneurysmen des Aortenbogens auch durch 
die sorgfältigste Untersuchung nicht erkannt werden könnten; 
zum Beweise dafür diene folgender im Frühjahre 1834 in der 
Charite zu Berlin vorgekommener Fall, über den sich im für 
das Examen bestimmten Krankheitsjournale Nachstehendes findet: 
Aneurysma arcus dortae von der Grösse einer 
Faust mit Verschliessung des Stammes der linken 
Vena jugularis, wohei bloss die Symptome eines 
Uatarrhus chronicus zugegen waren. Am 26. April 
1834 kam ein 40jähriger Müller in die Charite. Er war durch 
Scabies und Syphilis höchst herabgekommen und hatte sein gan- 
zes Leben in schlechten Verhältnissen und in elenden, feuchten 
Kellerwohnungen zugebracht. Seit 3 Monaten litt er, wie folgt: 
er hatte leichte Verkrümmung der obern Brustwirbel nach hin- 
ten, Sternum und obere Rippen dagegen waren ziemlich beträcht- 
lich convex hervorgetrieben, der mittlere Theil der Brust aber 
eingedrückt, während der untere Theil des Sternum wieder her- 
vorragte; das Athmen war ängstlich, unregelmässig, doch auch 
bisweilen wieder ganz normal; der Husten sehr häufig und meist 
mit grosser krampfähnlicher Anstrengung verbunden, so dass da- 
durch nicht selten die heftigsten Congestionen nach oben ent- 
standen; der Husten blieb bisweilen mehrere Tage ganz aus und 
kehrte dann plötzlich, besonders nach Anstrengungen, mit er- 
neverter Heftigkeit wieder; der Auswurf war schleimig , durch- 
sichtig, mit kleinen, runden, fest zusammengeballten Klümp- 
chen gelben undurchsichtigen Schleims und nach heftigerem Hu- 
sten auch mit Blutstreifen gemischt. Pat. lag im Bette gern mit 
erhöhtem Oberkörper, konnte jedoch auch niedriger liegen, und 
der Schlaf war unruhig, durch Träume und Aufschrecken häu- 
fig gestört. Percussion ergab nichts Normwidriges; durch Ste- 
thoscop nalım man bloss schleimiges Rasseln wahr; der Puls war 
in der letzten Zeit nur wenig beschleunigt und etwas härtlich. 
Pat, klagte über Schmerzhaftigkeit der Schluckbewegungen, ohne 
dass jedoch Symptome von Entzündung im Pharynx zugegen ge- 
wesen wären; bisweilen traten auch ziehende und nicht lange an- 
haltende Schmerzen in den Nerven ein; den Herzschlag fühlte
	        
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