Full text: (10. Band = 1835, No. 1-No. 8)

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1. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 261 
kräftigsten Heilmitteln, Brunnen- und Diätcuren dauernd wider- 
standen und gaben eine üble Prognose. Die bei Lungensucht 
Statt findende hysterische Complication, das stete mit sich Be- 
schäftigtseyn der Kranken, welche viel klagte, voller Sorgen und 
sehr verstimmt war, gab zu der oft wiederholten Annahme. Au- 
lass, die Krankheit für nervös, für Hysterie zu halten, was hier 
doch bloss Nebensache war. Verf. warnt, sich einem solchen 
Glauben jemals hinzugeben; wenn der Husten anhält, das 
Athmen erschwert, der Teint schlecht ist.und die Magerkeit zu- 
nimmt. Hysterie verbindet sich häufig mit Lungensucht; jene 
schliesst diese gar nicht aus und sichert auf keinen Fall. — 
Nach vorausgegangenen Brustbeschwerden, Husten, Blutspeien 
und Beklemmung starb ein Dreissiger, ein fleissiger Gelehrter 
mit überaus feurigem und lebhaftem Temperamente unter wie- 
derholtem Blutspeien, grosser Beklemmung, schwerem, kurzem 
Athem nach langer Agonie, In den letzten Tagen seines Lebens 
gewann es den Anschein, als wäre ein Emphysem da, Bei der 
Section fand sich bedeutende Blutinfiltration der Bronchien; das 
Blut war geronnen und bei fehlender Expectoration steckenge- 
blieben. In den Lungen fand man unzählige Knoten und meh- 
rere bedeutende Geschwüre, — Kine 36jährige Frau, welche seit 
16 Jahren glückliche,‘ aber unfruchtbare Gatlin war, hatte frü- 
her an mancherlei hysterischen Affectionen gelitten, die sich ei- 
nige Male zum vollendeten Wahnsinne steigerten. Bald nach der 
glücklichen Beseitigung eines neuen Anfalles von Gemüthskrank- 
heit verlor sie ihre bis dahin regelmässige Menstruation, weshalb 
sie sich für schwanger hielt, obgleich anderweitige Zeichen von 
stattgehabter Conception mangelten, Einen nach 3 Monaten un- 
ter angeblich wehenartigen Schmerzen erlittenen Blutabgang hielt 
sie für einen Abortus, der inzwischen sehr zweifelhaft blieb. Da 
die regelmässige Menstruation nach 6 Monaten wieder cessirte, 
echöpfte die Frau aufs nede Hoffnung, Mutter zu werden, und 
diesmal täuschte sie eich nicht.. In diesem Glücke befand sich 
die Schwangere wohl, musste, wegen Plethora, einige Male zur 
Ader lassen und öfters abführen, bis sie 8—10 Tage vor dem 
Ende der Schwangerschaft mit den zunehmenden körperlichen 
Beschwerden und ganz fruchtlosen Krampfwehen unruhig und 
gemüthlich aufgeregt wurde. Ungeachtet eines Aderlasses, sanf- 
ter Abführmittel, Klystiere, Dampfbäder, kleiner Gaben Ipeca- 
cuanha, Borax und des Secale cornut, waren und blieben die 
Wehen fruchtlos. Der Geburtshelfer musste zur Zange greifen 
und vollendete mit grossem Kraftaufwand die Geburt eines ge- 
sunden Knaben. Abgesehen von ihrem äusserst frequenten Pulse, 
befand sich die Wöchnerin wohl und freute sich ihres Glückes. 
Aber bald wurde sie gleichgültig gegen Mann und Kind, klagte 
nicht, stöhnte und seufzte, ward unruhig, fieberte stärker, athmete 
kurz; die Lochien rochen übel und der Harn ging nicht ohne 
Katheter ab. Dieser Zustand verschlimmerte sich fortwährend.
	        
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