Full text: (10. Band = 1835, No. 1-No. 8)

260 11 Pathologie, Therapie und medicinische Klinik, 
im Gesichte, im Nacken und an den Augen, welches sehr heftig 
war und die Pomade verdächtig machte. Die damit vorgenom- 
mene Analyse ergab, dass dieses Mittel aus Wachs, fettem Oele, vie- 
Jem Eisenoxydul und irgend einer vegetabilischen Substanz, mit äthe- 
rischem Oele gemischt, bestand. Da ausser dem Eisen kein Mine- 
ral gefunden wurde und diese Pomade früher schon oft gebraucht 
wurde, ohne dass jenes Jucken erfolgte, so war man nicht ge- 
neigt, dieses Uebel dem Mittel, sondern vielmehr einer katarrha- 
lischen Affection zuzuschreiben. — Ein inveterirter ikterus bei 
einer ältern Frau schien dadurch wichtig zu seyn, dass er noch 
Besserung hoffen liess. Nach dem Gebrauche kräftiger drasti- 
scher Pillen wurden die Stuhlgänge dunklerer gallicht. Dabei 
blieb der Harn sehr dunkel, die Haut ikterisch grüngelb, und 
ein unausstehliches Jucken und Kratzen verscheuchte allen Schlaf. 
Bei dem Fortgebrauche der Pillen, welche täglich 2—3 dunkle 
Stuhlgänge zu Wege brachten, nahm die Haut eine bessere Fär- 
bung an, ‚das Jucken liess nach; Gemüthsstimmung und Schlaf 
wurden besser; allein der Harn blieb dunkel. Man setzte seine 
Hoffnung auf eine vollständige Brunnencur in Karlsbad nächsten 
Sommer. — Ein Trunkenbold, in den Funfzigen, litt an läh- 
mungsartiger Schwäche des Magens und Darmkanals, an colli- 
quativer Diarrhöe, Ekel vor Speisen, Erbrechen; sein Ansehen 
war bleich, livid, sein ganzer Körper gedunsen und hydropisch. 
Dieses elende, schwache und blödsinnige Jammerbild hatte im- 
mer noch Verlangen nach Branntwein. Pat, war so ausseror- 
dentlich erschöpft, dass er das Bett nicht mehr verlassen konnte; 
er schwankte zwischen Leben und Tod. Gegen Mitte Novembers 
brachte er einige Tage unter stetem Singen hin und bald nach- 
her konnte er vor Erschöpfung nicht mehr reden, nur noch lal- 
len, und dennoch verlangte er nach Branntwein. — Ein ähnliches 
Bild präsentirte eine 57jährige Frau, welche wassersüchtig starb; 
nachdem sie mehrere Jahre der 'Frunksucht ergeben gewesen, 
Fast ohne Hunger verlangte sie bloss nach Wein und Branntwein; 
des Nachts wachte, am Tage schlummerte ‚sie. Geistiger Tor- 
por, Anasarca und endiich brandiger Decubitus schlossen dies 
elende Daseyn. — Nach 15jährigen schweren Leiden starb eine 
58jährige Frau an Marasımus und Hydrops ascites. Hartnäckige 
Leibesverstopfung, starker, harter Leib, offenbare Desorganisatio- 
nen mehrerer wichtiger Unterleibsorgane, Hydrops ovarü, Fie- 
ber, Husten, unerträgliche Rücken- und Brustbeschwerden, Scir- 
rhus mammae et glandul. axillar, waren die hauptsächlichsten 
krankhaften Zustände, welche seit Jahren eingewurzelt waren, 
und hatten den kräftigsten Brunnen- und Badecuren hartnäckig 
widerstanden. ‘Dennoch versprach ein homöopathischer Curirer 
Heilung. Nach einigen Wochen seiner Behandlung war die Frau 
todt. — Eine Mutter von 2 Kindern, welche seit 6—7 Jahren 
in der Ehe lebte, litt an ausgebildeter Phthisis pulm. tubercul, 
exulcerata, Die bekannten und bedeuklichen Zufälle hatten den
	        
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