Full text: (10. Band = 1835, No. 1-No. 8)

20 Il. Pathologie, Therapie and medicinische Klinik. 
der Puls blieb sich gleich, die Haut transpirirte. fast ununter- 
brochen; im Verlaufe des Tages waren mehrere dünne, helle, 
gelblichbraune, hefenartige, sehr übelriechende Stuhlausleerun- 
gen erfolgt. Gegen Abend noch derselbe Zustand; die Solution 
war verbraucht, und ich wagte mich nun an die Erledigung der 
3. Indication; Pat, erhielt 2stündlich 4 Gr. Opium pur. mit 5 Gr. 
Tart. vitriolat., es wurden 8 solcher Dosen verabreicht. Am 
3. Mai Morgens fand ich T. ausserhalb des Bettes, in Beinklei- 
dern, äusserst geschäftig und hartnäckig darauf bestehend, an 
seine dringende Arbeit gehen zu wollen; doch gelang es mir, 
ihn zu beruhigen und wieder ins Bett zu bringen; er hatte die 
ganze Nacht unter fortwährenden Hallucinstionen, Phantasieen, 
Sprechen, Schreien und Lärmen schlaflos hingebracht,. sah nun 
bleich und verstört aus, sein Blick war schen und matt, der 
Puls weich, mässig voll, wenig beschleunigt, die Haut warm und 
feucht; es waren bereits 6 Pulver (also 3 Gr. Opium) ohne al- 
len Erfolg genommen, ich reichte ihm selbst auf der Stelle die 
beiden letzten und verordnete jetzt 1 Gr. Opium p..d..und 10 
Gr. Tart. vitr. stündlich zu nehmen. Bis Nachmittags 5 Uhr 
waren 8 solche Gaben verbraucht und Pat. unmittelbar darauf in 
unruhigen, unterbrochenen Schlaf verfallen, aus welchem er wie- 
derholt auffuhr und heftig sprach und Järmte; gegen 7 Uhr 
Abends fand ich ihn aber schon fester schlafend, etwas schnar- 
chend; die Nacht brachte er meistentheils schlafend hin; er war 
zwar mehrmals aufgewacht, doch im Ganzen weniger hastiz und 
unbändig gewesen, er hatte auch ganz verständig gesprochen, 
aber häufig und viel getrunken; den 4.,Mai gegen Morgen trat 
wie am 2. wieder gelinder Schauer ein, dem bald ein allgemei- 
ner reichlicher Schweiss folgte, in welchem ich Pat. noch .antraf. 
Heute sammelte er sich bald und beantwortete meine Fragen ru- 
hig und vernünftig; er fühlte sich, die Mattigkeit abgerechnet, 
im Ganzen wohl, auch den Kopf mehr schwach ala wüst und 
eingenommen, der Puls war mässig voll, weich, wenig beschleu- 
nigt, Stuhlausleerung war schon seit dem 2. Mai Abends nicht 
erfolgt, Urin aber öfters ausgeleert worden; das Zittern der Hände 
und Zunge sehr vermindert, letztere fast ganz rein geworden 
nnd ziemlicher Appetit vorhanden. Da noch grosse Neigung zum 
Schlafe vorhanden war, so hielt ich für jetzt jede Arznei für 
überflüssig, und wirklich schlief TT, den ganzen Tag über mit 
kurzen Unterbrechungen, in denen er sich ganz vernünftig be- 
nahm, unter anhaltendem Schweisse; auch erfolgte freiwillig eine 
sehr reichliche, dünnflüssige, sehr übelriechende Stuhlausleerung ; 
da ich gegen Abend den Zustand noch mehr gebessert fand, so 
verordnete ich einen leichten Chinaaufguss mit Zusatz von leicht 
bittern und aromatischen Mitteln 3stündlich zu 1 Esslöffel voll. 
Die Nacht verging abermals im ruhigen Schlafe und unter reich- 
lichem Schweisse, und ich fand ihn am Morgen des 5. Mai rasch 
fortachreitend auf dem Wege der Besserung, ausser der Mattig-
	        
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