Full text: (10. Band = 1835, No. 1-No. 8)

IV. Chirurgie und Ophthalmologie, 
flor. Pap. gegeben. Am 1%. war der Gebrauch der Sinne fast 
ganz zurückgekehrt, die Zunge rein, doch fehlte die Esslust, der 
Puls dann und wann aussetzend, nicht zu langsam, weich, die 
Haut gelinde duftend, der Urin dunkel, sonst normal, der Stuhl- 
gang flüssig, der Schlaf ziemlich ruhig. Die Blutgeschwulst 
hatte sich mehr auf dem Stirnknochen concentrirt. Der Verf, 
machte einen Einschnitt, leerte den Inhalt aus, verband mit Ung, 
cer. und Bals, peruv. nnd verordnete Inf. flor. Arnic. mit Pot, Ri- 
ver. Spir. sal. dulc. und Syr. Rub, Idaei. Mit den kühlen Um- 
schlägen wurde noch fortgefahren, nach einigen Tagen aber 
setzte man dieselben aus. Alle Functionen kehrten allmählich 
zur Norm zurück und der Eindruck des Schädels glich sich nach 
nnd nach so aus, dass Anfangs März der Knabe geheilt entlas- 
sen werden konnte. Er erlangte Kräfte und frühere Gesundheit 
bald wieder und konnte in kurzem, wie vorher, arbeiten. (Schluss 
Folgt). [Heidelberger klinische Annalen, Bd. 10. Hft. 4.] 
124. Bedeutende Kopfverletzung, ohne Trepa- 
nation geheilt; von Dr. BıurrF in Aachen. Ein 13jähriger 
Knabe fiel ungefähr 20 Fuss hoch von einem Baume herunter, 
stürzte gerade auf den Kopf und blieb besinnungslos liegen. Das 
Biut floss aus Nase und Mund und er wurde wie todt ins Haus 
gebracht. Etwa 1 Stunde nachher fand B. den Knaben mit lei- 
chenblassem Gesichte und röchelnd, die Pupille war sehr er- 
weitert, der Puls haite 120 Schläge in der Minute, es war hef- 
tiger Trismus zugegen, die untern Extremitäten zitterten stets 
und die obern waren gelähmt, am Kopfe aber nahm man an der 
Vereinigung der Scheitelknochen eine 2} Zoll lange Wunde wahr, 
die bis auf den Knochen drang, an dem man einen Eindruck 
ohne Fissur deutlich fühlte. Alles deutete auf Hirnleiden, ob 
aber mehr Knochenbruch der innern Fläche der Schädelkunochen, 
oder mehr KExtravasat, oder beides zu vermuthen sey, liess sich 
nicht wohl entscheiden, doch schien die Trepanation an der ein- 
gedrückten Stelle angezeigt. Diese wurde aber von den Eltera 
durchaus verweigert und ein noch hinzugerufener Arzt konnte 
eben so wenig, wie B., die Eltern zur Zulassung derselben be; 
Stimmen. Man verordnete daher, nach Erweiterung der unregel- 
mässigen Wunde, kalte Umschläge auf den Kopf, Aderlass, Blut- 
egel an die Schläfe, ein eröffnendes Klystier und Inf. flor. Ar- 
nic. mit Nitr. Nach Aderlass und Stuhl liess das Röcheln nach, 
doch ging der Harn unwillkührlich tropfenweise ab und das fer- 
nere Befinden blieb sich gleich. Erst 6 Stunden nachher trat 
mehr Ruhe ein, das Zittern der untern Extremitäten verminderte 
sich, die Pupille war weniger erweitert, der Trismus verlor sich 
und der Knabe sprach undeutlich und verworren. In der Cur 
wurde nichts geändert, besonders gab man die Arnica in stel- 
gender Gabe, bis zu 11 Unze auf 6 Unzen Colatur, und alle 
Stunden einen Esslöffel fort, und es besserte sich mit dem Kran- 
ken so, dass er fast hergestellt schien. Da bemerkte man aber, 
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