Full text: (10. Band = 1835, No. 1-No. 8)

220 ” Ml. Materia medica und Toxikologie, 
stärker, besonders in‘ der Lebergegend, die Urinabsondernng 
stockte und die Laune war getrübt. Auflösende Kxtracte,. zu- 
weilem Blutegel, ölige Einreibungen in den Unterleib, Mercurial- 
einreibungen und Pflaster auf die Lebergegend und vorzugsweise 
Digitalis linderten diese Zufälle und .bewirkten auf Monate er- 
träglicheres Befinden, doch rief jede Bewegung des Körpers oder 
des Geistes gleich‘ ‚stürmisches Herzklopfen hervor, wobei das 
Gehen fast unmöglich wurde.‘ Bei diesem Stande der. Sachen 
rief man als consultirenden Arzt den Verf. herbei. Hinsichtlich 
der Diagnose: organisches Herz- und Leberleiden, konnte kein 
Zweifel obwalten und die Prognose musste somit misslich seyn, 
Nur Eins gab noch, wenn auch nicht zur Herstellung, doch zu 
Milderung der Leiden einige Hoffnung, wenn es nämlich gelänge; 
bei dem nunmehr 16jährigen Mädchen den Eintritt der Katamenien 
zu befördern, die wohl das beste Derivans gewesen wären. Doch 
alle Versuche dazu: schlugen fehl; es entwickelte sich der allge- 
meine hydropische Zustand, gegen den unter anderem auch der er- 
wähnte Versuch mit dem Veratrin angestellt wurde, und nur der 
Tod konnte die unbeschreiblichen Qualen endigen, die wahrschein- 
lich einst zunächst durch einen Luftzug veranlasst worden waren, 
Merkwürdig war noch in den letzten Monaten das Bedürfniss nicht 
nur nach Luft, sondern auch nach Licht und zunächst nach dem 
Tageslichte, doch auch, wenn dieses fehlte, nach -künstlichem. 
Ging zufällig das Nuchtlicht aus , so glaubte das Mädchen ersticken 
zu: müssen. Nicht weniger sprach sich auch das Oxydationsbe- 
dürfniss bei so beeinträchtigter Hämatose im Verlangen nach 
gäuerlichen, kühlen Getränken aus. Die Section bestätigte die 
frühere Annahme, Der verdickte Herzbentel war rund umher 
mit den Umgebungen und an einigen Stellen mit dem Herzen 
verwachsen, enthielt jedoch nicht viel Wasser. Beide Vorhöfe 
des sehr hypertrophischen Herzens strotzten von gleich schwar- 
zem coagülirtem Blute, und in beiden zeigte sich ein derbes po- 
lypöses Concrement von Farbe und Textur der Crusta pleuritica, 
fest adhärirend, kein Product der Agonie, In der Wand zwi- 
schen rechtem Vorhofe und Herzkammer nalım man eine Ver- 
knöcherung wie ein Fingernagel wahr, Die Lungem waren ge- 
sund, doch klein und wie von dem mächtig prädominirenden Her- 
zen verdrängt. MNächstdem fand sich Hydrops pleurae. Aus dem 
Unterleibe ergoss sich viel gelbes stinkendes Wasser, in dem die 
sonst gesunden Eingeweide schwammen. Nur die enorme Leber 
hatte eine bläuliche pulmonische Farbe. Pie Geschlechtsorgane 
waren unentwickelt. — II) Unter den holländischen Curgästen, 
die im leizten Sommer Driburg besuchten, war ein Kaufmann 
von etwa 50 Jahren, der seit 10 Jahren am hartnäckigsten Ge- 
sichtsschmerze litt, Wenn gleich von kräftigem, torosenı Baue 
und ungestörten vegelativen Functionen war doch eine Reizbar- 
keit des Gangliensystema zugegen, wie sie dem Verf. bei so 
kräftiger materieller Basis. nie vorgekommen ist und zwar ohne
	        
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