Full text: (10. Band = 1835, No. 1-No. 8)

216 1. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
tragen, durch den sie, ohne selbst an Geschwüren oder Tripper 
zu leiden, Personen des andern Geschlechts durch den Beischlai 
anzustecken vermögen. SS. will nicht davon sprechen, wenn die 
Ansteckung von Weibern, nur wenn und wo sie von Männern 
ausgegangen ist, weil sich in diesem Falle der Beweis leichter 
und zuverlässiger führen lässt, sobald nämlich die Moralität der 
Frauen keinem Zweifel unterliegt. Dass aber diese Ansteckung 
nur selten erfolgt, ist gewiss, denn es wird dazu ein hoher Grad 
von Reizbarkeit erfordert, die ganze Reizbarkeit der enggebau- 
ten jungfräulichen Zeugungstiheile, die durch den ungewohnten 
Coitus natürlich noch erhöht wird. . Es kann daher das eine 
Frauenzimmer von einem, mit syphilitischer Dyskrasie behafteten 
Manne angesteckt werden, ein anderes dagegen unversehrt blei- 
ben. Aus dem Vorhergehenden leuchtet also ein, dass die Mit- 
theilung des Giftes durch den Samen des Vaters, das Blut der 
Mutter, die Milch der Amme ebenfalls müsse geschehen können. 
Dass geistige und körperliche Anlagen auf die Kinder übergehen, 
stellt kein Arzt in Abrede, warum soll dies bei einer so mäch- 
tigen, wie die syphilitische Dyskrasie ist, unmöglich seyn? So 
wie es aber bei jenen, so geschieht es zum Glück auch bei die- 
ser nicht immer. — Die Ansteckung durch den Samen des Va- 
ters, das Blut der Mutter ist demgemäss mit Theorie und Er- 
fahrung ganz verträglich, weniger wahrscheinlich dagegen die 
beim Durchgange durch die Scheide, wohei schon der käsige 
Schleim, wenn auch weniger bei Augen, Lippen und Genitalien, 
behindernd wirkt. ‚Die Augen ‚sind aüch in der That. sehr ge- 
fährdet, indem, sobald die Mutter an einem virulenten Tripper 
leidet, das Kind fast unausbleiblich eine Tripperaugenentzündung 
davon trägt, die selten gut abläuft. Die Ansteckung aber mit 
der eigentlichen Lustseuche ist, Alles genau erwogen, viel pro- 
blematischer als die durch Samen oder Blut. Auch trägt ja die 
Syphilis der Neugeborenen das Gepräge der secundären, nicht 
primären Erscheinungen, und dass diese 10— 12 Tage nach der 
Geburt auftreten, wie GIRTANNER will, und worauf er sich stützt, 
ist theils durchaus nicht immer der Fall, theils aber, wo er es 
ist, gerade ein Beweis, dass das Gift schon früher eingewirkt 
habe, indem in dieser Zeit secundäre Erscheinungen schwerlich 
zu Stande kommen. Die Thatsache, dass Kinder von einem 8y- 
philitischen Vater, oder einer solchen Mutter mitunter gesund ge- 
boren werden und bleiben, beweist aber eben so wenig (d. h. 
nichts) gegen die ersten 2 Weisen der Ansteckung als der Fall, 
dass von einem und demselben Frauenzimmer Einige angesteckt 
werden, Andere nicht, gegen die Existenz eines syphilitischen 
Contagiums überhaupt. — Ob der Foetus im Mutterleibe syphi- 
litisch inficirt wird, dies hängt davon ab, ob Vater oder Mutter 
an ungedämpfter Seuche leiden. Leidet die Mutter daran » 80 
wird sie selten ein lebendes Kind zur Welt bringen, leidet hin- 
gegen der Vater, ohne die Mutter angesteckt zu haben, so kommt
	        
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