Full text: (10. Band = 1835, No. 1-No. 8)

201 1. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik, 
stellte sich noch nicht ein. Umschläge und Kalomel wurden {fort- 
gesetzt, Abends gab sich die spät eintretende Exacerbation nur 
durch vermehrte Unruhe zu erkennen, auf die Nachts um 1 Uhr 
zum ersten Male Schlaf eintrat, der ununterbrochen bis 6 Uhr 
Morgens anhielt, worauf E. am 13. Pat. völlig bei sich fand. Sie 
klagte über unangenehme Empfindung bei jeder Erneuerung des 
Umschlages, der Puls war weich, schwach, übrigens von norma- 
ler Frequenz, der Kopf kühl, die Pupille beweglicher, das Ge- 
sicht sehr collabirt. Nach dem Erwachen bekam Pat. in halb- 
stündigen Zwischenräumen 2 Mal grünen Stuhlgang, zu dessen Be- 
werkstelligung sie von der Mutter aufgefordert worden war, wäh- 
rend bisher der Urinabgang sehr sparsam und ohne Wissen er- 
folgte. Die Zunge war feucht, doch stärker, als früher belegt. 
Unangenehmer Geschmack fand sich nicht, doch schien Saliva- 
tion auf dem Wege. Die Haut war trocken, von normaler Wärme, 
und es zeigte sich etwas Appetit, der durch eine Suppe aus Was- 
ser mit wenig Semmel befriedigt wurde. Dieses Verschwunden- 
seyn der Krankheit ohne Krisis musste dem Verf. auffallen, be- 
stand aber noch immer zur Mittagszeit. Um 6 Uhr Abends klagte 
Pat. wieder über heftigen Kopfschmerz, die Temperatur des gan- 
zen Körpers, namentlich des Kopfes, steigerte sich sehr und zu- 
gleich trat heftiger Durst ein. Ale E. um 8 Uhr kam, lag das 
Mädchen wieder im vollkommen soporösen Zustande mit hefti- 
gem Fieber, kurz sie bot dieselben Symptome dar, wie am er- 
sten Abende der Krankheit, und es hatten sich noch Delirig mus- 
sitantia und Knirschen mit den Zähnen hinzugesellt. Der Verf. 
dachte an ein durch Diätfehler oder zu angestrengtes Sprechen 
bewirktes Recidiv und liess, da die Symptome dringend zum 
Handeln aufforderten, 15 Blutegel an die Stirn legen, die ScHMU- 
CKER’schen Umschläge auf den Kopf machen und Kalomel in den 
frühern Gaben nehmen. Erst gegen Morgen liessen die erwähn- 
ten Erscheinungen nach und Pat. verfiel in ruhigen Schlaf, in 
dem sie der Vf. früh 8 Uhr noch fand. Als sie einige Stunden 
darauf erwachte, fühlte sie sich bis auf grosse Mattigkeit wohl, 
der Kopf war frei, Puls und Hauttemperatur normal und die 
Zunge, wie früher, feuchte Mittel wurden nicht genommen. Auch 
am Abende ging Alles gut, und eben so gut war das Befinden 
am 15. Am Abende dieses Tages stellten sich jedoch die Sym- 
ptome von vorgestern zur frühern Stunde ein und bestätigten die 
schon am letzten Tage entstandene Vermuthung, dass die Menin- 
gitis, ohne Krise verschwunden, jetzt noch unter der Larve einer 
febris intermiltens tertiana zugegen sey. Dem sich ‚vorfinden- 
den Zustande wurde mit antiphlogistischem Verfahren begegnet. 
Am nächsten Morgen brachte der vollkommen fieberfreie Zu- 
stand die erwähnte Ansicht zur höchsten Gewissheit, doch glaubte 
der Vf. im Interesse der Wissenschaft es wagen zu dürfen, noch 
kein Febrifugum zu geben, um zu erfahren, ‚ob die Krankheit 
sich in den bisherigen Anfälleu ‚erschöpft ‚habe, ‚oder ‚als Jebr.
	        
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