Full text: (10. Band = 1835, No. 1-No. 8)

Il. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik, 15 
nach 4 Wochen starb sie an einem Empyem unter der Pleura. 
(Der Schluss folgt im nächsten Hefte.) 
5. Complication einer Febris intermittens ter« 
tiana mit epileptischen und apoplektischen Anfäl- 
len und mit Delirium tremens; aus dem Tagebuche des 
Dr. Lippert in Leipzig. Der Maurergeselle Cark T., 31 J. alt, 
ein Gewohnhbeitssäufer von kräftigem, gedrungenem Körperbaue, 
starkem, dunklem Haupthaar und Barte, war, mit Ausnahme der 
gewöhnlichen glücklich überstandenen Kinderkrankheiten, stets ge- 
sund gewesen. Seine hochbetagten Eltern lebten noch, der Vater, 
ebenfalls Maurer, ein hoher Sechziger, war ein stiller, mässiger, 
fleissiger Mann; die alte, schwächliche Mutter litt an Angina pe- 
ctoris und war von mir an Lungengeschwüren, die sich unter le- 
Jensgefährlichen Zufällen geöffnet hatten, behandelt worden. Der 
Sohn lebte mit seiner Ehefrau in Unfrieden und hatte, nach Aus- 
sage seiner Mutter, aus Desperation darüber sich dem Trunke er- 
geben; seit einem ganzen Jahre hatte er schon nicht mehr mit sei- 
ner Frau Umgang gehabt und deshalb unlängst, als ihm der Kopf 
schr eingenommen gewesen, gegen seine Eltern geäussert, die Na- 
tur sey ihm in den Kopf getreten. Ohne gerade besoffen zu seyn, 
war er doch fast stets halbtrunken, unzählige Male hatte ich ihn 
selbst auf der Strasse schwankend und taumelnd einherschlottern 
gesehen; in der Arbeit war er faul, liederlich, dabei geschwätzig 
und albern; überhaupt verrieth er wenig Verstand und Willenskraft. 
Vor Jahresfrist war er ein Mal plötzlich auf der Strasse umgefallen, 
ohne bekannte Veranlassung, denn trunken wollte er damals be- 
stimmt nicht gewesen seyn , doch hatte er weder Zuckungen, noch 
Krämpfe dabei gehabt; ausserdem litt er seit jener Zeit öfters an 
Schwindel, der aber bald wieder vorüberging. Am S0. Apr. 1831, 
Mittags 1 Uhr kam der alte T. zu mir und bat mich dringend, 
schleunigst seinem Sohne zu Hülfe zu eilen, wenn ich anders den- 
gelben noch am Leben träfe , da er, ausser einem beständigen Gur- 
geln und Schnarchen, kein Lebenszeichen von sich gäbe. Auf 
dem Wege zum Kranken erfuhr ich noch vom Vater, dass der 
Sohn seit ungefähr 8 Tagen abwechselnd von Frost, Hitze und 
Schweiss befallen worden sey; dagegen aber nichts gebraucht 
habe, sondern nach Beendigung eines solchen Anfalles immer 
seine Beschäftigung bei der gewohnten, mir schon bekannten Le- 
bensweise fortgesetzt habe; am heutigen Morgen um 7 Uhr, als 
er den Vater zur gemeinschaftlichen Arbeit habe abrufen wollen, 
sey er plötzlich in dessen Stube zu Boden gestürzt und, nach- 
dem er eine Zeit lang bewusstlos dagelegen, wieder zu sich ge- 
kommen; bald darauf sey heftiger Frost, Hitze und Schweiss, 
und gezen Mittag ein ähnlicher, aber heftigerer Anfall als der 
am Morgen, eingetreten, in welchem er ihn eben anscheinend 
sterbend verlassen, um mich herbeizurufen. Ich fand den Kran- 
ken auf dem Rücken im Bett liegend, unbeweglich, mit rothem, 
aufgetriebenem Gesichte , offenen, stieren, hervorgetriebenen Au-
	        
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