Full text: (10. Band = 1835, No. 1-No. 8)

V. Gynäkologie und Pädiatrik. 
kel von sichern Gehülfen gehoalten und dann das Speculum ein- 
geführt. Hierauf ging Lisrranc mit einer Hakenzange ein, fasste 
das Collum uteri möglichst hoch und fing an, wenn die Haken 
gut hielten, dasselbe leise herabzuziehen. Dann wurden nach 
Umständen einzelne ITaken oder Doppelhaken angelegt, welche 
Instrumente L. sämmtlich übernahm und mit den leisen Abwärts- 
ziehungen des Uterus fortfuhr. Das Speculum wurde nun geöff- 
net und herausgenommen und erst, wenn sich der kranke Theil 
des Uterus .nach fortgesetzten Tractionen vor den äussern Ge- 
schlechtstheilen fand, setzte L. das Messer oberhalb der Ent- 
Aartung an den gesunden "Theil des Uterus an und trennte das 
Krankhafte mit sägenden Zügen, Die Blutung war meist beträcht- 
lich, nie beunruhigend. Mehrmals stillte D. beim Assistiren die- 
selbe durch Torsion, oder Ligatur. Eine bleiche, durch viele 
Blutungen erschöpfte Fran von gelblichem, gedunsenem Ansehen, 
der L. das fanstgrosse, schwammige Collum uteri exstirpirte, 
ptarb einige Tage darauf, Die Section wies Entzündung der gros- 
sen Venenstämme des Unterleibs nach. Bei denen, die genasen, 
erfolgte die Heilung ohne Schmerzen, oder andere Zufälle sehr 
schnell. Nach Vernarbung nahm man bei Untersuchung mit dem 
Speculum oft keine Spur von Operation wahr, indem durch die 
Cicatrisation die benachbarte laxe Haut der Scheide gleichförmig 
rund zusammengezogen war und mit der Oeffnung einen fast re- 
gelmässig aussehenden Mutterhals bildete, Dies beobachtete D. 
schon früher mit Mayer in Berlin, der die Exstirpation eines 
sehr grossen entarteten Gebärmutterhalses mit ausserordentlichem 
Erfolge unternahm. Nach der Heilung schien die Scheidenpor- 
tion des Uterus kaum Substanzverlust erlitten zu haben. (S. Sum- 
mar. Bd. VII Ilft. 8, Nr. 317.). Dass L. durch die zuerst im 
Grossen vorgenommenen Exstirpationen des Gehärmutterhalses 
ein untrügliches Mittel zur Heilung des Gebärmutterkrebses an- 
gegeben habe, kann und wird wohl! Niemand sagen. Das kann 
diese Operation eben so wenig seyn, wie es die Exstirpation der 
scirrhösen Brust ist. Doch wird Abtragung des ulcerirten höchst 
entarteten Uterus viel leichter ertragen, als die einer aufgebro- 
chenen Krebsbrust und lässt bisweilen Heilung oder doch jahre- 
langes Schweigen des Uebels zu, was bei der Amputation der 
Brust unter gleichen Umständen der Fall nie ist. [Casper’s Wo- 
chenschr. f. d. ges. Heilk. 1834, Nr. 50.). 
98, Aechte Menschenblattern bei einem neuge- 
borenen Kinde; von Dr. HasracH in Bensberg. Vor kurzem 
wurde in Bensberg ein todtes Mädchen gehoren, welches über 
den ganzen Körper voll von natürlichen Menschenblattern war. 
Die Mutter hatte in den letzten Wochen der Schwangerschaft 
eine im hohen Grade an Menschenblattern leidende Frau gewar- 
tet, wurde aber selbst, was gewiss merkwürdig ist, nicht an- 
gesteckt. Gewiss war sie durch Vaceination, wovon sich noch 
die Narben deutlich zeigten, gegen ächte Variola geschützt wor- 
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