Full text: (10. Band = 1835, No. 1-No. 8)

MH. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 9 
Tagelöhnern, die sich doch am meisten und anhaltendsten der 
Hitze ausgesetzt hatten, erkrankten nur wenige, und auch diese 
noch dazu leicht, während Individuen aus der mittlern Classe, 
besonders Handwerker und Gewerbtreibende, dem Uebel am häu- 
figsten und stärksten erlagen. Kranke aus den höhern Ständen 
kamen dem Verf. nicht vor. Von etwas über 200 Kranken, die 
K. in dieser Epidemie behandelte, starb nur eine 54jährige 
Frau, die, seit vierzehn Tagen als genesen entlassen, in Folge 
wiederholter heftiger Erkältungen einen Rückfall bekam, zu 
dem sich nach einigen Tagen allgemeiner Schlagfluss fand, 
der, nachdem Senf- und Blasenpflaster, Valeriana, Serpentaria, 
Arnica und Moschus vergeblich gereicht worden waren, in weni- 
gen Stunden tödtete. Kranke, die keine Mittel gebrauchten, ka- 
men wohl auch glücklich durch, nur verzögerte sich bei ihnen 
die Genesung bis in die 5. oder 6. Woche, während bei ärztli- 
cher Hülfe die Herstellung spätestens mit der dritten Woche 
eintrat. Als interessant hebt der Verf, folgenden Fall heraus: 
Kin 32jähriges, einäugiges, pockennarbiges und sonst nicht wohl 
aussehendes, dafür aber im besten Rufe stehendes, robustes Ju- 
denmädchen wurde nach nur 2 oder 3 Tage anhaltenden Vor- 
länfern von Gliederreissen, gelindem halbstündlichem Schauder 
und darauf folgender grosser innerlicher Hitze mit heftigem Durste 
und noch heftigerem Schmerze im Hinterhaupte befallen, nachdem 
der Appetit schon seit einigen Tagen verschwunden war. Es 
stellte sich grosse Herzensangst mit nicht erleichterndem Auf- 
stossen ein, die Zunge war bräunlich belegt, kalt, Hände und 
Gesicht kühl, mit kühlem Schweisse bedeckt, und der Puls ganz 
normal. Oeffuung fehlte seit 48 Stunden und die Tags vor ih- 
rem Erkranken eingetretenen Regein hatten plötzlich aufgehört, 
Auf ein Dec. Rhei mit Acid. tart. und Syr. Mann. milderten 
sich die Symptome allmählich, doch blieb der Schlaf noch aus, 
Am dritten Tage trat einige Stunden früher die Exacerbation ein, 
wobei die Angst aber weit heftiger wurde, als das erste Mal, 
zo dass Pat. zu ersticken glaubte und einen Aderlass verlangte. 
Nach einer Sättigung von Weinessig mit Sal tart. und etwas 
Orangenwasser ging es wieder besser, doch bald darauf trat De- 
lirium furiosum bei nicht ganz gestörtem Bewusstseyn ein. Die 
Delirien wurden so heftig, dass man die Kranke, um sie im 
Bette zu halten, binden musste, Nach einiger Zeit gingen diese 
Delirien in allgemeine klonische Krämpfe über, und es stellte 
sich Risus Sardonius ein, wobei die Daumen völlig eingeschlos- 
sen waren. Auf Calom., und Flor. Zine. ana gr.} p. d. hörten 
die Krämpfe bald auf, und es blieb nur noch ein auf geschlecht- 
liche Gegenstände Bezug habendes Delirium zurück. Da das Ka- 
Jomel mehrere flüssige Stühle herbeigeführt hatte, so gab K., 
nur Zinkblumen mit Kamph., und bei Anwendung dieser Mittel 
genas Pat, in einigen Tagen. Die Affection des epigastrischen 
Nervengeficchts , die bei allen Kranken in dieser Epidemie vor-
	        
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