Full text: (10. Band = 1835, No. 1-No. 8)

Il. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik, 
II. PATHOLOGIE, THERAPIE und MEDICINISCHE KLINIK, 
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38. Epidemie einer Febris epigastrico-nervosa. 
(Febres assodes der Alten.) Als Folgekrankheit des 
diesjährigen heissen Sommers; von Dr. B. KAHLEIS zu 
Gröbzig. Die heissen Tage des Juli v. J. und die anhaltend tro- 
ckene Witterung liessen mit Zuversicht ein häufiges Erkranken 
fürchten, welches denn auch nicht ausblieb. Ende Julis bildete 
sich nämlich eine eigenthümliche, schnell um sich greifende Wie- 
berepidemie aus, die anfangs nur Menschen von 30 bis etliche 
50 Jahren ergriff. Aeltere blieben von ihr ganz frei und Jüu- 
gere bis zum 18. Jahre herab, befiel sie erst ganz spät, Anfang 
Septembers. Unter den zahlreichen jüdischen Kinwohnern er- 
krankte nur ein Mädchen, Nachdem die Patienten 6 oder 8 Tage, 
ja Viele bis in die dritte Woche Fiebervorläufer gehabt hatten, 
bekamen sie Reissen in den Gliedern, dem Schauder, selten ei- 
gentlicher Frost folgte. Oft fehlte auch der Schauder, und es 
stellte sich sogleich innerliche grosse Hitze mit heftigem Durste 
ein, zu der sich äusserst heftiger Kopfschmerz, meist im Hin- 
terhaupte und Nacken, oft mitten auf dem Scheitel, selten in 
der Stirn, fand. Dieser Schmerz wurde übrigens mehr in den 
Integumenten, als im Innern des Kopfes gefühlt. Alle beschwerten 
sich dabei über höchst lästigen Schwindel, und zugleich und hanpt- 
sächlich klagien sie über namenlose Angst in der ganzen Regio epi- 
gastrica, die sich von der untersten Spitze des Brustbeins bis 
zur Regio mesogastrica herab und zu beiden Hypochendrien seit- 
wärts verbreitete. Mit dieser Angst kamen häufige Vomituritio- 
nen vor, die auch wohl bei Mehreren in Erbrechen einer, meist 
nur wässerigen Flüssigkeit übergingen, doch wurde auch manch- 
mal Galle, bisweilen mit Blut, oder wohl gar reines Blut weg- 
gebrochen, die Zunge war braun belegt, fencht, kalt, Hände und 
Aerme bis an die Ellenbogen kalt und der ganze Körper, vor- 
züglich Gesicht und Hände mit kaltem Schweisse bedeckt, der 
um so kälter war, je grössere brennende Hitze sich innerlich 
vorfand. Der Puls blieb bei zwei Dritttheilen der Kranken auch 
bei der grössten Hitze normal, bei den Uebrigen war er lang- 
sam, selten, immer weich, nie gereizt, fieberhaft. Appetit fehlte 
ganz. Delirien nahm man selten wahr, wohl aber vom Anfange 
an höchst unruhigen Schlaf mit etetem Umherwerfen und üblen 
Träumen. Ja meist kam es gar nicht zum Schlafe, was das lä- 
stigste für die Kranken war, so dass sie nur immer nach Ruhe 
seufzten. Die Stuhlausleerungen waren gewöhnlich träge, auch 
stellte sich oft Verstopfung ein. Der Urin sah während der gan- 
zen Krankheit dunkelpomeranzenfarben aus und war sehr klar, 
nur mit dem 14., oder etwas öfter noch mit dem 21. Taye wurde 
er bei Einigen heller und etwas getrübt. Dieser Zustand hielt 
fast gleich 8, 12—16 Stunden an, dann wurden nach und nach 
die Symptome gelinder, und es trat ungemeines Darniederliegen
	        
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