Full text: (9. Band = 1834, No 17-No 24)

IV. Gynäkologie und Pädiatrik. 
auf oder gehen, was noch. häufiger ist, in einen chronischen Zu- 
stand über, dessen Ende nicht abzusehen ist. Die üblen Ausgänge 
in Affectionen des Knochen- und Schleimhautsystems hängen von 
gewissen Formen der Blennorrhagie ab, die bis heute noch nicht 
gekannt sind, Hält es daher bei einiger Uebung nicht schwer, 
die Urethral-, Vaginal- und Uterin- Blennorrhagieen zu unterschei- 
den, so ist es doch unmöglich distinctive Charaktere des Wesens an 
einer jeden derselben zu erkennen, und leider ist diese der wich- 
tigste Punct. Wie fruchtlos waren die Versuche, Unterscheidungs- 
momente zwischen Blennorrhagieen und gutartigen Leucorrhöen 
festzustellen! Die Nichtigkeit aller andern Symptome der Blennor- 
rhagieen erkennend, hat man in diagnostischer Beziehung folgende 
am meisten beachtet: 1) die Incubationsfrist. Diese könnte 
hier nur von Werth seyn, wenn, vor bestehender Affection, 
die Frauen, was selten ist, keinen andern Ausfluss aus den Ge- 
nitalien gehabt hätten und wenn seit einer bestimmten Zeit sie 
nur mit einem Manne umgegangen wären, dessen sie sich vor 
Erscheinen der Blennorrhöe enthalten. hätten. Und auch dann 
müsse man noch wissen, ob nicht, wenn aus der Vulva der Aus- 
fluss bemerkbar wird, derselbe schon am Tage des verdächtigen 
Umgangs, oder am 2. Tage in der Tiefe der Scheide, oder in 
der Höhle des Uterus Statt gefunden hätte. Fälle der Art hat 
R. beobachtet. 2) Die Uebertragungsfähigkeit. Möglichkeit, eine 
Blennorrhöe durch Coitus mitzutheilen, beweist noch nicht die 
syphilitische Natur des Ausflusses, Menstrualfluss, einfacher Uterin- 
katarrh, einfache Vaginitis, Uebermaass im Coitus können schon 
allein bei einem Manne einfache Biennorrhöe hervorrufen. Selbst 
der virulente Ausfiuss einer Frau kann sich auf Hervorrufen 
einer einfachen Blennorrhöe bei einem Manne beschränken. Auf 
der andern Seite kann eine vollkommen gesunde Frau einem 
Manne Chanker und Tripper einzig und allein dadurch geben, 
dass sie ihm vom virulenten Stoffe mittheilt, der bei einem frü- 
hern Coitus in ihre Genitalien niedergelegt worden ist, ohne sie 
gelbst anzustecken. Die 'Tripper von zu hitzigem Coitus oder 
vom Uebermaasse in demselben sind seltener, als man glaubt. 
Meist bieten die den Tripper gebenden Frauen mehr oder min- 
der etwas Krankhaftes dar, und man wird kaum einmal auf 106 
Mal sich irren, wenn man den Tripper beim Manne der Krank- 
heit derjenigen, mit der er Umgang hatte, beimisst. Deshalb 
aber Jede, die einem Manne Tripper giebt, für syphilitisch zu 
halten, wäre unlogisch, denn einmal können noch andere Krank- 
heiten Jer Frau als Syphilis diese Wirkung auf den Mann haben 
und dann beruht Ansteckbarkeit auf nichts Beständigem, Noth- 
wendigem, sie hängt im Gegentheil ganz von individueller Disposi- 
tion der Genitalien ab. R. hat in dieser Hinsicht etwas Selte- 
nes beobachtet: Frauen, die sich nicht für krank hielten, theil 
ten seit Jahren Allen, die mit Hınen zum ersten Male umgingen. 
den Tripper mit, kamen sie aber nach geheiltem Tripper wieder
	        
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