Full text: (9. Band = 1834, No 17-No 24)

IV. Gynäkologie und Pädiatrik, 193 
aufzufinden war, so verordnete P. doch äusserlich . eine concen- 
trirte Sublimat- Solution. und innerlich Kalomel.. Wenn auch das 
Allgemeinbefinden leidlich und der Appetit gut war, 80 breitete 
sich doch das Uebel immer mehr aus, der Geruch wurde uner- 
träglich,..das sonst lebhafte. Kind verfiel und wurde niederge- 
schlagen; am 27%. wendete P. das Glüheisen auf die ganze Ge- 
schwürfläche nachdrücklich an, worauf das Geschwür sich nicht 
weiter verbreitete ;. das Kalomel, wovon 3 Gran starken Durch- 
fall mit Abgang von vielen Würmern verursacht hatten, wurde mit 
infus, Valer. und Katr. Chinae vertauscht; ‚schon-am 29. war 
das Kind weit munterer,. und am ]. Nov. löste sich der Schorf 
grösstentheils und es zeigten sich schöne Granulationen; am 14 
Nov. war das Geschwür nach einfachem Verbande mit Cerat. 
vollkommen geheilt; Arzneien waren schon in den letzten 6 Ta- 
gen gar nicht mehr genommen worden, — Isnarp will jene Krank- 
heit in der Mundhöhle auch in den Geschlechtstheilen beobach- 
tet haben und erklärt beide. für identisch, P., zweifelt nicht, 
dass der zuletzt beschriebene Fall ebenfalls hierher gehöre. Im 
März 1832 ist ihm noch ein ähnliches Uebel bei einem 8Sjähri- 
gen Mädchen vorgekommen; es erreichte jedoch nicht jenen hohen 
Grad und war schon nach einem Brechmittel und ;L_ Scrupel 
Chinin geheilt. — Hinsichtlich der nächsten Ursache dieser Krank- 
heit ist P. der Meinung, dass im Allgemeinen wohl immer ein 
asthenischer Zustand vorherrschend sey; dass dieser sich gerade 
durch Zerstörung der Mundhöhle äussere, beruhe wohl auf dem 
Säfteandrange nach dem Kopfe überhaupt und nach dem Munde 
insbesondere wegen des Zalhngeschäftes, das namentlich bei 
schwächlichen Kindern vor dem 8., 9. Jahre nicht vollkommen 
beendigt ist, RıcyTER’s. Eintheilung nach den ursächlichen Mo« 
menten in scorbutischen, gastrischen und metastatischen Wasser- 
krebs, ist ungenügend und eben so unpassend die Eintheilung 
der dagegen anzuwendenden Mittel in antiscorbutische, stärkende 
und ausleerende; hauptsächlich ist der allgemeine Körperzustand 
zu berücksichtigen und die exeitirende Methode am häufigsten 
anwendbar; das örtliche Uebel ist nach allgemeinen Grundsätzen 
zu behandeln und vielleicht ganz im Anfange die örtliche Blut- 
entziehung vortheilhaft, indem diese bei der vorhandenen asthe- 
nischen Entzündung nicht nur die Blutüberfüllung der leidenden 
"Theile beseitigt, sondern auch deren Lebensthätigkeit durch den 
örtlichen Reiz erhöhen kann. Dass das Verschlucken der Brand- 
jauche nachtheilig auf den Magen wirken solle (weshalb man bei 
der Lage der Kranken darauf Rücksicht genommen hat, dass 
dies verhütet werde), ist nicht wahrscheinlich, da diese nicht 
ein Mal örtlich zerstörend wirkt; der Magen hesitzt, so lange 
seine Thätigkeit besteht, die Fähigkeit, die ihm zugeführten 
Stoffe chemisch zu. verändern und unschädlich zu machen; wie 
würde es sonst um die mit syphilitischen Ialsgeschwüren Be- 
hafteten stehen? — Auch für ansteckend hält P. die Krankheit
	        
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