Full text: (9. Band = 1834, No 17-No 24)

194 IV. . Gynäkologie und Pädiatrik; 
merklich war; die Kräfte waren schon sehr gesunken, etwas Durch- 
fall und wenig Schmerz vorhanden, Appetit und Schlaf gering; in- 
nerlich wurde China mit Kampher abwechselnd mit oxygenirter 
Salzsäure , äusserlich Holzsäure, später China mit Spirit, camphor. 
angewandt, Am 11. Juni, nachdem die untere Hälfte der vorher 
stark angeschwollenen linken Wange schon fast ganz zerstört und 
5 Zähne ausgefallen waren, schien sich der Absterbungsprocess 
durch einen hochrothen Umkreis begränzen zu wollen; allein schon 
am folgenden Tage ging die Zerstörung weiter, und am 14. Abends 
erfolgte der Tod unter Convulsionen. Die Section gab keinen wei- 
teren Aufschluss; ausser Drüsenanschwellungen im Unterleibe fan- 
den sich keine Desorganisationen. — Folgender Fall ging ganz 
sich selbst überlassen ohne alle ärztliche Hülfe in Heilung über. 
Der jetzt 20jährige Sohn sehr armer, in ‚einer feuchten, dunk- 
len Wohnung lebender Eltern wurde im 8. Lebensjahre von 
Noma befallen; nachdem schon fast die ganze rechte Wange zer- 
stört war, und der Vater mehrere lange Knochensplitter, die 
sich von der untern Kinnlade: gelöst, mit der Scheere herausge- 
zogen, stand das Uebel von selbst. Er- ist sehr entsteilt und 
kann nicht wohl mit unbedecktem Gesichte ausgehen; auch floss 
ihm beständig der Speichel über die nicht geschlossene Mund- 
höhle in Menge heraus. Vor 2 Jahren versuchte P., ihm mit 
der abgelösten und umgeschlagenen Haut des Halses das Loch 
in der Wange zuzuheilen; allein die dünne Haut und der immer- 
während ausfliessende Speichel vereitelten diese Malaplastik, - die 
indess doch den Erfolg hatte, dass nun die Lippen im Winkel 
zusammengeheilt sind, wodurch jetzt der Speichel sparsamer ab- 
Niesst, und das Sprechen, so wie Essen und Trinken leichter 
von Statien geht. — Noma ist bisher fast allgemein als eine 
Krankheit der Kinder betrachtet worden, aber ein Freund P.’s, 
Dr. DomrıerRRE, Arzt bei dem in Landau garnisonirenden Regi- 
mente, beobachtete bei einem über 20 Jahre alten Soldaten 
nach einem Wechselfieber ein Noma, das auch einen Theil des 
Gesichts zerstörte, jedoch nicht tödtlich verlief; äusserlich und 
innerlich war hauptsächlich oxygenirte Salzsäure angewendet wor- 
den. Derselbe Arzt sah bei einem andern Soldaten Noma. in 
Verbindung mit Angina gangraenosa innerhalb 6 Tagen mit dem 
Tode endigen., In beiden Fällen war niemals Syphilis vorhanden 
gewesen. — Am 21, Oct. 1828 sah P. ein 6jähriges, schlecht 
zenährtes Mädchen, mit einem schmuzig-grauen, von einem hoch- 
rothen Rande umgebenen : Geschwür von. der Grösse eines 
24 Kreuzerstücks an der äussern Seite der linken Schamlippe; 
an der innern Seite fand sich ein mit jenem correspondirendes 
Geschwür, der Geruch war sehr übel; am 10. October klagte 
das Kind beim Harnlassen zum ersten Male über Schmerz, die 
Mutter konnte aber nichts bemerken und will erst am 19. aus- 
wendig ein kleines Geschwür von der Grösse eines Groschens 
resehen haben. Obwohl keine Spur von syphilitischer Ansteckung
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.