Full text: (9. Band = 1834, No 17-No 24)

590 12. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik 
welche Jeicht für beginnende Genesung genommen wird. Allein 
der Mangel an wirklichem Grunde zur Besserung der Krankheit 
spricht für den Irrthum. KEirt 25jähriger Mensch erkältete sich, 
während er mit Merkur behandelt wurde, und verfiel hierauf in 
ein heftiges Fieber, in dem.er 3 Tage und Nächte stets fürche 
terlich delirirte. Plötzlich ward er ruhig und besinnlich, be- 
stellte sein Haus und starb. Die scheinbare Besserung seines 
Zustandes war Folge der aus Mangel an Kraft aufgehörten Rei- 
zung, denn es ging dieser trügerischen Ruhe kein Schlaf voraus, 
und die Besserung ward nicht von einem langsamen Pulse hbe- 
gleitet. — Bei Darmentzündungen folgt oft dem‘ Aufhören des 
Schmerzes der Tod. Eben so’ plötzlich stirbt‘ oft ‘der Bruch® 
kranke nach ‘gelungener Reposition. Solche Kranke darf nran 
nicht eher für gesuud erklären‘, als bis die Eingeweide des Un- 
terleibes ihre Function wieder verrichten u. s. w. — Einem Brust- 
wassersüchtigen bringt Oedem der Füsse nicht selten die grösste 
Erleichterung; allein er stirbt gewöhnlich plötzlich, wenn sich 
das Oedem olıne vermehrte Harnsecretion wieder verliert. Wie 
pft unterliegen Kranke mit zusammenfliessenden Pocken den An- 
strengungen im Eiterungsstadium! Eben so ist es bei Wieder- 
erzeugung: der Haut nach Verbrennungen grösserer Stellen. Vier 
solche Kranke sah H. plötzlich sterben, nachdem die Brand- 
wunde bis 'auf die Grösse eines Kronthalers geheilt war. Bevor 
lie Wunde nicht gänzlich vernarbt und der Organismus zu Ssei- 
ner normalen Energie gelaugt ist, darf solcher Patient nicht aus- 
ser Gefahr erklärt werden. — Nicht minder muss der Arzt in 
dieser Hinsicht bei Nierenlähmung auf seiner Mut seyn. Kin 
corpulenter, gesunder Landmann von 55 Jahren hatte, ohne wei- 
lere Beschwerden, seit 24 Stunden sein Wasser nicht gelassen, 
als er plötzlieh: von Frost überfallen wurde. Bei Application des 
Katheters fand sich kein Harn in der WMase. Patient war dabei 
munter; Klagte bloss‘ über Debelkeit und sein Puls ging langsam. 
Bald wurde er soporös und starb schnell. [v. Graefe’s u. v. Wal- 
Lher’s Journ., 1834, Bd. 21, H. 2.] (V—t) © 
191. Beobachtungen über die Kigenthümlichkei- 
ten des Friesels, der Masern, der Rötheln und des 
Scharlachfiebers; vom O0. M. R. Dr. WıLpserRe zu Neu-Stre- 
litz. (Schluss. S. Summar., Bd. IX, Hft. 6, Nr. 168.) Ueber 
die Masern. Gleich beim Erscheinen bilden die Masern auf 
der Haut kleine rothe; etwas erhabene Stippchen, die aber in 
zanz kurzer Zeit zu völlig flachen, :grösstentheils runden, doch 
nicht scharf begränzten, in der Mitte mehr oder weniger hoch- 
rothen und nur gegen den Umfang zu etwas helleren, aher doch 
immer noch lebhaft rothen, den Flohflecken ähnlichen, hHnsen- 
grossen nnd zwischendurch auch etwas kleineren Flecken sich 
gestalten und mehr nur dem Auge, als dem Gefühle ein wenig 
erhaben vorkommen. Bei schon ausgebreiteten Masernflecken konnte 
W., das in der Mitte erhaben scheinende nie fühlen, wenn es
	        
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