Full text: (9. Band = 1834, No 17-No 24)

V. Gynäkologie und Pädiatrik. 
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sen; dieser Umstand in Verbindung mit den übrigen vorhande- 
nen Erscheinungen liessen H. ein entzündliches Leiden des Uterus 
mit consensueller Reizung der benachbarten Theile vermuthen, eine 
Voraussetzung , welche die leichte Bekleidung der Pat. bei der Spa- 
zierfahrt am vorigen sehr kühlen Abende um so wahrscheinlicher 
machte; von einer anscheinend 80 dringend augezeigten allgemel- 
nen oder örtlichen Blutentziehung wollte die furchtsame Kranke 
nichts hören; H. liess daher die Einreibungen fortsetzen, den Un- 
terleib mit erwärmten aromatischen Kräutersäckchen bedecken und 
Z2stündlich Dowse’sche Pulver (4 Gr., Opium) mit Nitrum nehmen, 
doch musste, da letztere sogleich weggebrochen wurden, die Emul- 
sion wieder gereicht werden, weil aber die Uebelkeiten sich selbst 
bei dem mildesten Getränke bis zum Würgen und Erbrechen stei- 
gerten, der Unterleib. immer gespannter und empfindlicher wurde, 
so gestattete Pat, endlich gegen Abend einen Aderlass von 1 %® 
Blut am Arme, wonach ‚sie schon gegen 9 Uhr bedeutend ruhiger 
war, die Schmerzen kehrten seltener und gelinder wieder, der an- 
haltende Druck in der linken Seite war sehr gemindert, die Port. 
vaginal. und der Unterleib weniger empfindlich, letzterer aber 
noch sehr gespannt, die Haut feucht , der Puls weicher und weni- 
ger frequent; das weggelassene Blut hatte viel Serum und die 
Oberfläche des Cruors hatte ein schillerndes Ansehen, Nachdem 
Pat. die Nacht ruhiger zugebracht, mitunter geschlafen, etwas ge- 
schwitzt, auch viele Blähungen und reichlich Urin ehne Beschwerde 
gelassen hatte, befand sie. sich am Morgen des 1. Mai bedeutend 
besser, nur erregte die gelindeste Bewegung leicht Würgen; sie 
konnte aber auf den Seiten liegen, der Unterleib war nicht mehr 
gespannt und wenig einpfindlich, gleichmässig ausgedehnt, und H. 
glaubte sogar ungefähr 1’ oberhalb des vordern Beckenrandes 
den vergrösserten Uterus zu fühleu; innerlich hatte sich nichts 
verändert, als dass die Port, vaginal. nicht mehr empfindlich war; 
der Puls zeigte sich weich und ruhig; bis gegen Abend hatte sich 
auch jede Spur von Schmerz und Druck in der linken Seite ver- 
Joren,. und die Nacht wurde ruhig zugebracht; auch der 2. Mai 
ging glücklich vorüber, Pat. war heiter, genoss mit Appetit et- 
was Suppe und Thee mit Zwieback, ein erweichendes Klystier 
hatte‘ eine reichliche Stuhlausleerung zur Folge, Schmerz war 
gar nicht mehr vorhanden, nur die linke Unterleibsgegend bei 
starkem Drucke noch etwas empfindlich und der Versuch, sich 
im Bette aufzusetzen, erregte noch schnell vorübergehende Ue- 
belkeiten,: Eben so ruhig verging die Nacht zum 3. Mai, und 
Pat. befand .sich bis Morgens 9 Uhr ganz wohl; jetzt trat aber 
plötzlich. wieder heftiger Schmerz mit Würgen und Ohnmachten 
ein; H., eiligst herbeigerufen, fand die Kranke blass und ver- 
fallen, mit hleichen Lippen, von grosser Angst, anhaltender Ue- 
belkeit,: Würgen und Aufstoessen, heftiger innerlicher Hitze und 
Durst, hei reiner, feuchter Zunge, gequält, jeder Trunk erregte 
neues Würgen, die Extremitäten waren bald kalt, bald heiss, der
	        
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