Full text: (9. Band = 1834, No 17-No 24)

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VIE. Staatsarzneikunde, 
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;ack. nicht‘ verwachsenen Lungen sahen blass.‘ Die rechte war 
sehr stark ausgedehnt, und schnitt man in dieselbe ein, 80 kam 
kein. Blut, sondern weisslicher Schaum hervor. Die Bauchein- 
geweide, namentlich Leber, Milz und Darmcanal, waren blass, 
sonst aber, wie alle Organe.in der. Brustböhle, normal, Die 
Schädelhöhle wurde, auf von der Behörde genehmigten Wunsch 
der Verwandten, nicht geöffnet. Im Gutachten sprach sich der 
Bezirksarzt dahin aus, dass aus Untersuchung und vorher erho- 
benen Thatsachen sich zuerst auf das unzweideutigste ergebe, 
dass Selbstmord und zwar complicirter, durch Verwundung des 
Herzens mittelst eines Taschenmessers und durch vorheriges Hin- 
eingehen ins Wasser bis zur Magengegend Statt gefunden habe. 
Zweitens zeigte der Befund, dass der Tod hauptsächlich durch 
die 2 Stichwunden des Herzens bewirkt worden sey , indem theils 
viel Blut in die Brusthöhle ausgetreten und dieses zum Theil 
geronnen war, theils aber auch Zeichen der Verblutung sich fan- 
den. Dabei sey aber auf der andern Seite nicht zu verkennen, 
dass die Submersion im Wasser zum schnellern Tode mitgewirkt 
habe, weil wenigstens bald nach Herausziehen des Körpers aus 
dem Wasser das Gesicht etwas bläulich aussah, starker weisser 
Schaum in den Luftwegen sich bildete und die rechte Lunge, 
die keinen unmittelbaren Druck durch das ausgetretene Blut er- 
litten hatte, sehr stark ausgedehnt gefunden wurde. Nächstdem 
wurde noch angegeben, dass Art und Weise, wie der Selbstmord 
vollzogen wurde, um vielleicht den Schein eines zufälligen Todes 
durch Ertrinken beim Baden zu veranlassen, auf temporäre Ver- 
standesverwirrung hinweisen würde, wenn eine solche Hinweisung 
nöthig wäre und nicht, mit höchst seltenen Ausnahmen, bei allen 
Selbstmördern Verstandesverwirrung vorausgesetzt werden müsste. 
— Zu näherer Beurtheilnng dieser Fälle sey noch erwähnt, dass 
der erstere Selbstmörder ledigen Standes, mittler Grösse und 
Corpulenz, gesund und fleissig, ohne Nahrungssorgen, aus der 
höhern Gewerbsclasse und im Ganzen heiter war. Er lebte regel- 
mässig, soll aber viel ührgeiz besessen, etwas romanhaften Schwung 
gehabt und in Politik zuweilen Neigung zu excentrischen Ansichten 
gezeigt haben. Unmittelbar zuvor, ehe er sich erstach, soll er 
sich in etwas zurückgesetzt gefühlt haben. Die bei ihm gefundenen 
Papiere enthielten nichts, was sich auf Gedanken an Selbstmord, oder 
den Entschluss dazu bezogen hätte. — Der den zweiten Fall Lie- 
fernde war ein Mann von gewöhnlicher Erziehung und Bildung, re- 
gelmässigem Verstande, gesund, aber stets etwas trübe gestimmt, 
gleichfalls aus der höhern Gewerbsclasse, ohne Nahrungssergen, 
regelmässiger Lebensweise, doch seinem Geschäfte gerade nicht 
sehr emsig ergeben. Unmittelbar vor seinem Tode soll er mit ei- 
nem seiner Verwandten einen Wertwechsel gehabt habes.:— Die 
Selbstentleibung durch den Herzstich oder ‚der 8. g. japanisc he 
Selbstmord, der nach dem Mitgetheilten in Zürich in wenigen 
Monaten sich zweimal ereignete, hat etwas Antikes und Heroisches
	        
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