Full text: (9. Band = 1834, No 17-No 24)

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VI. Staatsarznelkunde. 
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Halstücher um das Gitter gebunden, das andere an das erste 
angeknüpft und um seinen Hals geschlungen. Letzteres schnitt 
der Wärter sogleich ab. Der herbeigerufene Oberamtsarzt er- 
klärte bei Besichtigung des Leichnams, dass Rettungs- und Wie- 
derbelebungsversuche durchaus vergeblich seyn würden. Zu beiden 
Seiten des Halses fand er fingerbreite Eindrücke, die hinter den 
Winkeln beider Unterkiefer gegen den Nacken hin liefen und 
bräunlich gefärbt erschienen. Am Luftröhrenkopfe war ein 8ol- 
cher nicht zu finden. Diese Furchen entsprachen dem zusam- 
mengerollten Halstuche, welches der Wärter einige Minuten vor- 
her abgeschnitten hatte. Das Gesicht war nicht entstellt, sou- 
dern nur wie die Lippen blass, die Augen nicht aus dem Kopfe 
herausgetreten, der Körper marmorkalt, blass, und die Extremi- 
täten völlig eteif, woraus man schloss, dass der Tod. wenigstens 
schon vor 4 Stunden eingetreten sey. - Eben so sprachen die 
äusseren Erscheinungen mehr für apoplektischen, als suffocato- 
rischen Tod, was auch die Section bestätigte. Spuren von Ge- 
waltthätigkeit durch fremde Hand waren durchaus nicht zu fin- 
den, die auch schon deshalb nicht denkbar war, weil man seit 
Mittag das Gefängniss nicht mehr geöffnet hatte. "Tags darauf 
fand man bei der Legalinspection die erwähnten Erscheinungen 
und Gesicht, Rücken, Vorderarme, Ober- und Unterschenkel be- 
reits mit Todtenflecken bedeckt. Bei der Section fand sich in 
den Bedeckungen des Hirnschädels keine Verletzung. - Nach Ab- 
nahme der sehr compacten, schweren Hirnschale zeigten sich die 
Gefässe der Dura mater sehr injicirt, eben. so die Gefässe der 
Arachnoidea. Beim Durchschneiden der Hirnhäute ergoss sich 
viel Serum und über 2 Unzen dickflüssiges schwarzes Blut. Die 
Hirnsubstanz zeigte sich namentlich am rechten Ventrikel ziem- 
lich welk und die. graue Substanz weit dunkeler und weiter ver- 
breitet, als sonst. Der linke seitliche Ventrikel enthielt viel 
Wasser, der 3. und 4. waren normal. In der Basis cranü wa- 
ren alle Gefässe mit Blut überfüllt, kleines Gehirn und Medulla 
oblongata waren normal, die Sinus laterales aber strotzten von 
Blut. Die Lungen fand man ganz welk, dunkelschwarzgrau und 
mit dem Rippenfelle total verwachsen, die Substanz hochroth ge- 
färbt und mit Blut überfüllt, Das mit vielem Fette umgebene 
Herz war abnorm vergrössert. Der linke Ventrikel war 
stark ausgedehnt, dunkelblau gefärbt, der rechte zu- 
sammengefallen, welk, die Vena cava superior stark aus- 
gedehnt, die inferior zusammengefallen. Im ersten 
Vorhofe und Ventrikel fand sich ungefähr eine Unze dickschwar- 
zes Blut, linker Vorhof und Ventrikel aber waren blutleer. Die 
Aorta war am Austritte mit viel dickem schwarzem Blute ange- 
füllt; eben so die obere Hohlader. Das Zellgewebe der allge- 
meinen Bedeckungen der Bauchhöhle zeigte sich sehr fettreich; 
die KEingeweide lagen normal; die Leber war vergrössert, sehr 
compact ,‘ dunkelschwarz, die Milz sehr gross, höchst mürbe;
	        
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