Full text: (9. Band = 1834, No 17-No 24)

2.46 
VIL Stantsarzneikunde. 
das Gesetzbuch solle irgend eine neuere gute medicinische Einthei- 
lung der Geisteskrankheiten zum Grunde legen und hiernach be- 
stimmen, welche von den in derselben angeführten Seelenleiden 
zum ersten, zweiten und dritten Grade gehörten. Dabei wären 
jedoch Bestimmungen einiger specieller Formen nicht zu entbeh- 
ren. Denn wie sollte es z. B. mit dem periodischen, aussetzenden 
Wahnsinne werden, wenn die Zzcida intervalla Monate und Jahre 
lang dauern ? da es in dem Landrechte heisst: „wenn diese Perso- 
nen (Rasende, Wahnsinnige, Blödsinnige) zum völligen freien Ge- 
brauche ihres Verstandes gelangen, so fällt die Bevormundung 
weg.‘ Vrf. thut hier den Vorschlag, höchstens zwei, weit von 
einander getrennte Anfälle von Verrücktheit bei derselben Person 
als abgesonderte Krankheiten zu betrachten , aber Jeden , der einen 
dritten Anfall erlitten hat, unbedingt für geisteskrank, mithin für 
der richterlichen Bevormundung fortwährend bedürftig zu erklären 
und dieses, oder etwas Aehnliches gesetzlich zu bestimmen. — 
Hieran reiht sich die Betrachtung über richterliche Bevormundung 
wegen körperlicher Krankheiten. Bei dem gerichtlichen Ver- 
nehmen eines Mannes erwiederte derseibe auf die ihm vorgelegten 
Fragen bloss einige unarticulirte, rauhe, unverständliche Laute 
und wurde für geisteskrank gehalten. Allein die ärztliche Unter: 
suchung erwies, dass er nicht geisteskrank sey, sondern ihm alle 
Mittel fehlten, seine Gedanken durch Sprache; Schrift oder Zei- 
chen kund zu geben: er war ‘durch ein Rückenmarksleiden am 
ganzen Körper gelähmt. Wenn sich‘ der Kranke bisweilen be- 
sonders wohlbehaglich fühlte, konnte er eine grössere Anzahl 
jener Laufe hervorbringen, aus denen sich doch wohl einzelne 
Worte und halbe Sätze zusammensetzen liessen. Dieser traurige 
Zustand ‚dauerte bereits 13 Jahre und war durch die gewaltsame 
Behandlung einer Quacksalberin herbeigeführt worden. Der Sach- 
watter des Leidenden wünschte ihn, um ihn der‘ gerichtlichen 
Bevormuündung theilhaftig zu sehen, für geisteskrank erklärt zu 
seheu. Diese Erklärung konnte nicht Statt haben; allein der 
gesetzlichen Bevormundung war er gewiss eben so bedürftig, 
als es Geisteskranke und Taubstumme sind. (Horn’s Archiv, 
1834, Jon. Febr.] ; (V—t.) 
VII. STAATSARZNEIKUNDE. 
133. Auszug aus dem Inspections- und Obdu- 
ctionsberichte über einen Verhafteten, welcher 
sich selbst erhängt hat; mitgetheilt von S*. Ein lediger, 
44jähriger Mann wurde wegen Trunkenheit und mehrerer in der 
selben von sich gegebenen Aeusserungen arretirt ‘und, nachdem 
er zwei Tage gesessen, Abends um 7% Uhr am Fenstergitter sel 
nes Gefängnisses, welches 7 Schuh über dem Boden :erhuben 
war, hängend und entseelt gefunden. KEr hatte das eine seiner
	        
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