Full text: (9. Band = 1834, No 17-No 24)

IV. Chirurgie und Ophthalmologie, 225 
Bewusstseyn. Das Gesicht war roth, der Puls hart, voll, schnell, 
die Gegend des linken Auges sugillirt, die Pupillen erweitert, 
aus dem rechten Ohre floss etwas Blut, Erbrechen fehlie gänz- 
lich. An der Glabella fand sich eine gequetschte Hautwunde, 
1 Zoll lang, welche einigen Bluterguss zur Folge gehabt hatte. 
Die Sonde liess keinen Bruch und das Stirnbein mit dem Perio- 
steum bedeckt wahrnehmen. Es wurden 2 %® Blut entzogen, 
kalte Umschläge auf den Kopf gemacht, Natr. sulphuric. mit 
Nitrum gegeben, ein Klystier applicirt und kaltes Wasser zum 
Trinken verordnet. Der Tag ward ziemlich ruhig, doch bei 
fortwährenden heftigen Kopfschmerzen zugebracht. Gegen Abend 
plötzlich wurde der Kranke unruhig, warf eich umher und stöhnte. 
Der wachende Chirurg machte eine zweite Venaesection von 
14 %®, und legte Sinapismen, jedoch bevor diese einen Gegen- 
reiz ausüben konnten, starb der Patient plötzlich apoplektisch. 
Die Obduction wies ein von Blut strotzendes Gehirn und eine 
Spaltung der Basis eranit nach, die an der linken Seite der Gla- 
bella, am Vereinigungspunkte des horizontalen Theiles des Stirn- 
beines mit dem senkrechten Theile und mit dem Siebbeine ent- 
sprang, neben der Crista galli und der Sella turcica von vorn 
und links nach hinten und rechts sich erstreckend, durch die 
Wurzel des rechten Keilbeinflügels, den Felsentheil des rechten 
Schläfenbeines bis in das Hinterhauptbein in die Nähe des rech- 
ten Sinus transversus verlief. Die Dura mater war in diesem 
Verlaufe vom Knochen getrennt, etwas entzündet und hielt zwi- 
sachen sich und dem Grundtheike des Schädels ein Blutcoagulum von 
beinahe 4 Unzen; die Gehirnventrikel waren stark mit Serum an- 
gefüllt. Merkwürdig ist, dass der Kranke nach einer so bedeuten- 
den Verletzung noch gehen konnte und bis zum Tode, 20 Stunden, 
bei völliger Besinnung blieb. [Med. Zeit. v. d. Vereine f. Heilk. 
in Preussen, 1834, Nr. 24] (Fr.) 
124. Ein merkwürdiger Fall von individuell 
tödtlicher Verletzung; vom Hofr. u. Leibarzte Dr. VoceL 
in Weimar, Vor einiger Zeit wurde ein geschickter Wundarzt von 
einem 26jährigen Landmanne wegen etwa 3wöchentlicher empfind- 
licher Schmerzen in der rechten Achsel gefragt. Bei der Unter- 
suchung ergab sich Ausrenkung des Oberarms aus der Gelenkhöhle 
des Schulterblattes, zu deren Beseitigung die Wiedereinrichtung 
angerathen und bald darauf unter Assistenz eines andern, sehr 
tüchtigen Chirurgen und einiger nicht- chirurgischen Gehülfen 
ohne besondere Mühe vollzogen wurde. Der Operirte bekam dabei 
zwar eine Ohnmacht, erholte sich jedoch auf einige Tropfen Naph- 
tha gleich wieder, machte mit dem eingerichteten Arme einige Be- 
wegungen, gab an, dass er Erleichterung. spüre, und blieb, um sich 
völlig zu erholen, unter Aufsicht des assistirenden Wundarztes noch 
auf dem Sopha liegen, während der Operateur andere Berufsge- 
schäfte besorgte. Nach etwa 14 Stunde gerufen, weil der Ope- 
rirte bedenklich erkrankt sey und’ der zweite Wundarzt einen an- 
Summarium d. Mediein. 1834, IX. 15
	        
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