Full text: (9. Band = 1834, No 17-No 24)

212 IM. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
gen Delirien an, und am 28. erfolgte in völliger Erschöpfung der 
Tod, nachdem 6 Stunden vorher noch halbseitige Lähmung ein- 
getreten war. — Der hier mitgetheilte Fall scheint sowohl in 
Beziehung auf die Wirkungen des Kalomels, als auch auf die 
Erscheinungen und das Wesen der allmählichen Branntweinver- 
giftung besonders instructiv. Zuerst leidet bei Trinkern der Art 
die Ernährung, sie haben gar kein Bedürfniss mehr , sich zu er- 
uähren, der Wiederersatz fehlt, daher die grosse Schwäche, be- 
sonders der Muskeln und das Zittern, der Körper magert ab, 
wird rigid und verliert den hauptsächlich durch den flüssigen 
Stoffwechsel erhaltenen Turgor. Am nächsten leidet nun die 
Hautfunction, die mit der des Darmcanals in eigener‘ Beziehung 
steht, daher das ganz eigene Gesicht und der ganz eigene Ha- 
bitus der Trinker. Wo übrigens die Ernährung nicht gehörig 
vor sich geht, leidet natürlich auch die Bereitüng des Blutes; das 
nicht oft genug erneuerte Blut hat nicht den gehörigen Reiz für 
die Organe, daher gehen alle Functionen träge vor sich, . be- 
sonders wird die Function des Hirns geschwächt und das Organ 
des Geistes untauglich, daher man bei Trinkern Stumpfesinn, Ver 
Just des Gedächtnisses und Geistesschwäche findet. ‘Ja, das Blut 
wird nicht nur nicht erneuert, sondern es wird entmischt und 
verliert Plasticität und Gerinnbarkeit. Neigung zur Entzündung 
kann: dabei immer noch‘ vorkommen und zwar um desto mehr, 
je schwächer das Blutsystem ist, zur wahren Entzündung kann 
es aber nie kommen. Die Plasticität des Blutes vermindernde 
Mittel, namentlich Kalomel, müssen stets schaden; und man muss 
bei Trinkern vor dem Quecksilber in allem Ernst warnen.‘ Frei- 
lich werden auch andere Mittel, namentlich Tonica, nichts aus- 
richten. — Blutungen, Blutunterlaufungen und. Petechien sind 
leicht zu erklären, wenn das Biut entmischt ist, keine lebendige 
Cohäsion mehr hat und bei Schwäche aller Organe‘ auch die 
Gefässwandungen volle Resistenz nicht mehr besitzen. Der Spei- 
chelfluss beweist die gesunkene Reproduction und Plastieität des 
Biutes. Er entstand hier nach im Ganzen geringer Menge von 
Kalomel, das dazu noch in Gaben angewendet wurde, wo es hätte 
etwas auf den Darmcanal wirken und so weniger den ganzen Or- 
ganismus durchdringen und Ptyalisınus erregen sollen. Er ent- 
stand aber nicht sogleich, sondern erst, als die Schwäche die 
grösste war, und der ganze Körper sich aufzulösen begann, Je 
kräftiger die Reproduction ist, desto mehr ist das Quecksilber 
an seinem Platze, desto weniger zerstört es und desto weniger 
bringt es Speichelfluss hervor, woraus sich Anwendung und Wir- 
kung desselben in Kinderkrankheiten erklärt. { Med, Correspon- 
denzblatt d. württ. ärztl. Vereins, 1834, Nr. 39.)  (K-—e.) 
112. Zur Behandlung der Wassersucht; vom M. 
R. Dr. Conen in Posen. Vor Kurzem empfahl WoLrr (Summar. 
Bd. IV, Hift. V, No. 219.] eine sehr einfache Art‘ der Punction 
In der Wassersucht durch einfachen Nadelstich mittelst Impfua-
	        
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