Full text: (9. Band = 1834, No 17-No 24)

2014 1. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
Aus diesem Grunde reflectirt die Entzündung im nachbarlichen 
Gewebe und producirt hier den Eiter. — Seltener, und nur bei 
grosser Vernachlässigung, insbesondere bei sehr geschwächten 
und kachectischen Personen, bildet sich die Eiterung zwischen den 
Muskeln und der sehnigen Binde, und daun entstehen bedeutende 
Infiltrationen, 4) Auch die Ursachen des Pseudoerysipelas spre- 
chen für den angegebenen Sitz, Diese sind Anstrengung des 
Körpers, namentlich der Extremitäten, und Erkältung. Erstere 
bewirkt durch die häufige Reibung der Muskeln und Fascien eine 
vermehrte Lebensthätigkeit der letztern, die, namentlich wenn hier- 
durch hervorgerufener Schweiss unterdrückt wird, sich bis zur 
Entzündung steigert. ‚Nur an denjenigen Theilen der Fascien, 
die nicht mit den Muskeln verwachsen sind; erscheint aus diesem 
Grunde. das Pseudoerysipelas als solches; an den übrigen Thei- 
Jen bilden sich die rheumatischen Entzündungen unter anderer 
Form. Nur Personen niedern Standes, die den ganzen Tag über 
im Freien angestrengt arbeiten, werden von Pseudoerysipelas 
befallen. 5) Die übrigen Symptome des Uebels zeigen sehr 
deutlich den Sitz in den fibrösen Meiınbranen an. Nimmt das 
Uebel ein ganzes Glied ein, so ist dieses geschwollen, leicht 
gelblich geröthet; die Haut teigig, so dass der Eindruck des 
Fingers zurückbleibt, und darunter fühlt man deutlich die ange- 
schwollene, gespannte Fascia, Noch schmerzhafter, als der Druck, 
ist die Bewegung des Gliedes. Bei fetten Personen ist die teigige 
Geschwnlst sehr bedeutend und schmerzhaft. Dieses Oedem, so 
wie auch das Absterben des Zellgewebes, scheint durch die Com- 
pression der venösen Gefässe, welche in grosser Zahl die Faseien 
durchbohren und das Blut der tiefer gelegenen Theile den Haut- 
venen zuführen, hervorgebracht zu werden. — Hat das Uebel nur 
einen Theil des Gliedes ‘gefasst; so sind zwar die Symptome die- 
selben, jedoch bildet sich die Eiterung hier rascher und erscheint 
in Gestalt jener schon erwähnten knotigen, durch kleine Abscesse 
unterbrochenen Stränge. Werden an Zeilgewebe reiche Theile, 
z. B. die Ellenbogenbeuge, die Kniekehle, die Gegend zwischen 
Knöcheln und Achillessehne, davon befallen, so bildet sich oft ein 
wahrer Abscess unter der Fascia, Dasselbe geschieht, wenn das 
Uebel beim Beginn der Eiterung sich an einer Stelle concentrirt 
und an den übrigen Stellen verschwindet. An den Fingern und 
Zehen erscheint es als Panaritium tendinosum. Ergreift. die rheu- 
matische Entzündung diejenigen Theile der Fascien, welche die 
Gelenke umkleiden, so entsteht der Rheumatismus articulor, acut. 
und dieser geht nicht in Eiterung über, weil es daselbst an Zell- 
gewehe mangelt. An der vordern Fläche der Tibia ist die Fascia 
sehr innig mit dem Periosteum verbunden, weshalb das Uebel hier 
immer mit Periostitis verbunden und sehr gefährlich ist. — Wird 
der Abscess oder die fluctuirende Stelle geöffnet, so ist die Fascia 
ringsum; entblösst. — Nach diesen Beweisen bleibt über den Sitz 
des Uebels kein Zweifel mehr, und Vf. will es Syndesmitis benannt
	        
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