Full text: (9. Band = 1834, No 17-No 24)

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VL. Staatsarzueikunde, 
102. Gutachten über Vergiftung von Tauben 
durch Färbewasser-Ausfinss; vom Medicinalrath und 
Kreisphysik. Dr. ScHnNEIDER in Fulda. Dem Kaufmanne H. war, 
da der Abzugscanal verstopft war, Färbewasser in den Hof ge- 
drungen und 12 Tauben, die davon gesoffen, waren binnen 12 
Stunden gestorben. — Bei Untersuchung der Färberei, der 
Küpe und Färbewaaren, ergab sich, dass sich der Färber weder 
der Arsenikalfarbe, noch des Bleizuckers, sondern lediglich der 
Schwefel-, Salpeter- und ‚Salzsäure, ausserdem des Indigs, 
Waids, 'Krapps, des rothen, blauem und gelben Holzes, der 
Cochenille, des Ginsters, Weinsteins, Alauns u. 8. w. bediente. 
Da letzt genannte Stoffe in keiner Hinsicht schädlich (?) sind, 
sondern sogar‘ als Medicamente für Menschen und Thiere ge- 
braucht werden, so müsste die Schädlichkeit lediglich auf vor- 
benannten 3 Säuren beruhen. Diese werden aher mit sehr viel 
Wasser verdünnt und ihre Aetzkraft greift so kaustisch und stark 
in die Waaren, dass die nach der Färbung übrig gebliebene 
wenige Säure, die beim Abflusse mit fortgeht, weder Thieren 
noch Menschen schaden und gar den Tod geben kann. — Bei 
der Section einiger jener 12 Tauben fand man bioss in einer 
die Gedärme schwach geröthet; die Kröpfe und Mägen enthiel- 
ten noch Futter und weder blaue Farbe, noch etwas "Scharfes, 
viel weniger aber war im Darmcanale etwas Scharfes oder Ae- 
tzendes zu entdecken. — Der Färber hält selbst Tauben, ohne 
durch gleiche Veranlassung welche verloren zu haben. Auch 
gehen die Ausflüsse anderer Fabricanten nicht durch einen un- 
terirdischen Canal, sondern auf sehr polizeiwidrige Weise seit 
Jahren offen und unbedeckt über die Strassen, und weder Mensch 
noch Thier, wie anch keine Taube hat hiervon Nachtheil ge- 
habt, sondern sie haben nur durch ihre Ausdünstungen u. s. w,. 
geschadet. [/enke’s Zeitschrift f. d. Staatsarzneikunde , 20. Er- 
gdänzungsheft, 1834.] (V—t.) 
103. Lungenprobe; von Dr. Scnnemer in Szepanowo. 
Im October 1832 wurde ein neugehorenes, schon seit 3 Wo- 
chen beerdigtes Kind, bei dem es auf Ermittelung ‚des 
selbstständigen Lebens nach der Geburt ankam, obducirt. Es 
war bereits bedeutend in Fäulniss übergegangen, doch konnte 
die Lungenprobe den Beweis bestimmt führen, dass nach der 
Geburt kein Leben zugegen gewesen war, da die Lungen com- 
psct und vor Fäulniss bewahrt erschienen. Wieder ein Beweis 
gegen Verächter der Lungenprobe, dass nicht ein Mal überhand 
genommene Fäulniss immer Beweiskraft der Lungenprobe aus- 
schliesst. [Casper’s Wochenschrift f. d. ges. Heilkunde, 1834, 
Nr. 34.] (K—e.) 
Verlag von Leopold Voss in Leipzig,
	        
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