Full text: (9. Band = 1834, No 17-No 24)

IV. Chirurgie und Ophihalmologie, 
94. Exstirpation eines missgebildeten Auges; von 
Dr. Sauowon in Hildesheim. Ein jetzt 81 Jahre alter Knabe 
wurde mit folgender Missbildung des rechten Auges geboren; 
Das ganze Auge mit seinen Umgebungen hatte Grösse und Ge- 
stalt eines stark hervorgetriebenen Pferdeauges, war heit, durch- 
sichtig und zeigte eine sehr erweiterte Pupille, die sich auf kei- 
nen Reiz zusammenzog. Die -äussere Wand der Anugenhöhle war 
stark nach aussen, die innere nach oben getrieben und die wei- 
chen Theile bildeten eine teigige Geschwulst, die sich vom Arc. 
superciligris auf-, ab- und rückwärts über die Parotie bis zur 
Pars maxillar, 0ss. tempor, erstreckte und den hintern Theil. des 
Ohrknorpels vom Kopfe abdrängte. Das obere Lid war sehr an- 
geschwollen und bedeckte fast den ganzen Bulbus, so. dass nur 
am innern Winkel ein kleiner Theil des Weissen und in der 
Mitte etwa die Hälfte der Hornhaut unter dem Lide zu sehen 
war. Beim Aufziehen fiel es, vermöge seiner Schwere, von selbst 
wieder herab und konnte durch die Muskeln nicht bewegt wer- 
den. Die Bindehaut der Lider war sehr verdickt, schwammig, 
roth und wucherte über den Lidrand hervor. Seit einem Jahre 
sollte die: Geschwulst sehr zugenommen haben. Der Knabe be- 
fand sich sonst wohl und war ohne Schmerzen , auch machte die 
Untersuchung des Auges keine Schmerzen. Das linke Auge war 
völlig gesund und die Sehkraft ungestört. Im Mai 1829 exstir- 
pirte S,, wie folgt, das Auge. Er durchschnitt mittelst Bistouri 
die äussere Commissur der Lider, während Gehülfen das obere 
Lid in die Höhe und- das untere herabzogen, brachte dann eine 
auf der Fläche gebogene Schere am äussern Winkel unter. das 
obere Lid und trennte mit kleinen Schnitten rund in der Augen- 
höhle umher das Auge von seinen Verbindungen. Die Opera- 
tion machte nur wenig Schmerz und die Blutung war gering. 
Nachdem das Auge entfernt worden war, sah man hinten in der 
Augenhöhle eine starke Fettanhäufung, die mit der Schere ab- 
geschnitten wurde. In die schwammige Bindehaut der Lider 
machte S. einige Einschnitte, füllte die Augenhöhle locker mit 
Charpie aus, brachte Heftpflasterstreifen und Binde darüber und 
liess kaltes Wasser aufschlagen. — Das exslirpirte Auge war 
sehr gross, wog fast 2 Loth und war vorn und an den Seiten 
völlig durchsichtig. Der Nerv. optic. erschien sehr dick, weich, 
in seinen Fibern nicht zu unterscheiden; die Scheide desselben 
enthielt viel helles Wasser. Alle Häute des Augapfels waren völ- 
lig weiss, sehr feinz die Sclerot. am Eingange. des Sehnerven 
sehr‘ dick und olıne Siebplatte zum Durchgange des Nerven, so 
dass der Nerve als dicker Ast dadurch ging. Die Cornea war 
sehr gross, die Chorioidea zeigte nur wenig Blutgefässe, und 
das schwarze Pigment fehlte ganz, Die Retina war keine zu- 
sammenhängende Membran, sondern nur an einigen Stellen zugegen 
und der gelbe Fleck nicht zu bemerken. Die Höhle des Angapfels 
war mit vieler wänseriger Feuchtigkeit gefüllt, Glasfenchtigkeit
	        
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