Full text: (9. Band = 1834, No 17-No 24)

164 IV. Chirurgie und Ophthalmologie. 
nach zieht 1. den Schnitt als die schnellste, sicherste; am we- 
nigsten gefährliche Operation jedem andern Verfahren vor. Viele 
Vorrichtungen und ein bedeutender ‚Apparatus instrumentorum 
sind aber dazu nicht nöthig. Man ziehe die Zunge mit der lin- 
ken Hand hervor, über die ein einfaches Taschentuch gelegt ist; 
um sie besser fixiren zu können, und dann schneidet man mit 
Bistouri oder Secalpell, oder, was den Vorzug verdient, mit Coo+ 
PER ’scher Schere so viel weg, ale nöthig ist, während ein Ge: 
hülfe dern Kopf des Pat. gegen die Brust fest zu drücken sucht. 
Fixirung und Hervorziehung der Zunge gelingen am besten, wenn 
man- sich nur der mit leinenem Tuche beiegten Hand bedient, 
die alle Haken und Zangen entbehrlich macht. Auch, wie Ei« 
nige rathen, die Operation damit zu beginnen; dass man durch 
die gesunde Partie der Zunge einen Faden führt; ist überflüs- 
sig, da der zurückbleibende Theil der Zunge, gleich dem Stum- 
pfe eines amputirten männlichen Gliedes, sich so zusammenzieht, 
dass man die durchschnittenen Gefässe nicht erreichen kann, um 
sie zu unterbinden. Um nicht gebissen zu werden und um jede 
Unterbrechung der Operation zu verhindern, müssen durchaus 
kleine Korktheile zwischen die hintern Backenzähne eingebracht 
werden. Die Worm des Schnittes zu bezeichnen, fällt dem Vf, 
nicht ein.‘ Sitz und Umfang: des Uebels bedingen dieselbe, auch 
rathet die vorschwebende Besorgniss etwaiger Wiederkehr des 
Uebels, eher etwas zu viel vom Gesunden wegzunehmen, als 
krankhafte Theile zurückzulassen.‘ Ob man nach der Operation 
Annäherung der Wundlefzen mittelst blutiger Naht bewirken solle, 
stellt H. Jedem anheim,‘ der über die Thuntichkeit sich, dem 
concreten Falle gemäss, entscheiden mag. Im Allgemeinen hält 
er es für besser, dies nicht zu thun, sondern die Genesung der 
Natur zu überlassen. Die Erfahrung lehrt nämlich, dass die 
Schliessung der. Wunde binuen ungewöhnlich kurzer Zeit, ohne 
besondere Beeinträchtigung der Sprache und ‚des. Geschmacksin- 
nes, zu; geschehen pflegt, wozu Temperatar :derr Mundhöhle, 
Speichel etc. beitragen mögen.‘ Nach Entfernung der krebshaf- 
ten Zungenpartie überzeuge :man sich genau durch Berührung 
der Wundflächen, ob keine verhärteten Partieen da sind, die 
man als verdächtig mit Pincette ‚oder Haken hervorziehen und 
ebenfalls mit der Scheere zu. entfernen. habe. Ausserdem for- 
dert die Vorsicht, die Wundfläche mit weissglühhendem Eisen zu 
cauterisiren,. um alles Verdächtige zu zerstören und so Wieder- 
kehr des Uebels zu verhüten, wodurch auch nebenbei die Blu- 
tung aus den verletzten Gefässen gestillt. wird. Wo man ge- 
wiss ist, alles Krebshafte mit der Schere entfernt. zu haben 
reichen kalte, zusammenziehende Mundwasser und kleine Stück- 
chen Eis in der Regel zur Beseitigung der Blutang hin. Die 
Gefässunterbindung ist da, wo man, wegen verdächtiger Zun- 
genpartieen, diese noch mit glühendem Eisen betupfen muss. 
nutzlos. Wo dies Betupfen nicht nöthig ist, mag man .unter-
	        
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