Full text: (9. Band = 1834, No 17-No 24)

II. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik, 145 
kanals sich etwas vermehrten. Später wurde A4qu. amygd. amar, 
concent und Digital, fruchtlos angewendet und dann Strychnin in 
kleinen Gaben eben so verordnet. Letzteres hatte, wie sich spä- 
ter erzab, die Kranke schon im Hospital in bedeutenden Gaben 
ohne Wirkung genommen. Arzneien regelmässig anzuwenden, 
war übrigens nicht möglich, da man während der Krämpfe der 
Kranken nie auch nur einen Tropfen beibringen kounte, und man 
also nur die wenigen Stunden der Nacht dazu gebrauchen konnte, 
Um: diese Zeit, nämlich gegen Mitte Jan. 1832, machten sich 
höchst räthselhafte Töne, anscheinend in der Nähe der Kranken, 
nach und nach bemerkbar; nämlich Klopfen und Kratzen in ver- 
schiedener Stärke und Zeitmaasse, vollkommen so, als ob erstes 
mit dem Knöchel des Fingers an den Wänden des Bettes, letz- 
teres mit den Nägeln an den Einlagebrettern desselben geschehe, 
Am 15. Jan. Abends wurde diese Erscheinung zuerst vom Verf, 
wahrgenommen, nachdem sie die Umgebungen der Kranken schon 
einige Tage gehört hatten. Die Töne erschienen so auffallend 
in der Nähe des Bettes, waren so sehr den Bestandtheilen des- 
selben entsprechend, dass man vermuthen musste, sie würden 
von der Kranken selbst mit Händen oder Füssen unter der Bett- 
decke: hervorgebracht. Wegnahme der Bedeckungen zeigte aber, 
dass dieses nicht der Fall war, und so führte die Sache für den 
ersten Augenblick wirklich etwas Unheimliches mit sich. So nahe 
der Verdacht eines absichtlichen Betruges von Seiten der Kran- 
ken oder ihrer Hausgenossen, so wie der Gedanke an eine mög- 
liche subjective Täuschung auch liegen musste, 80 liess sich doch 
bei der grössten Umsicht nichts ermitteln, was für solchen Be- 
trug oder Täuschung nur im Geringsten gesprochen hätte, Das 
Bett erhielt sogleich einen andern Platz, wurde völlig entleert und 
genau besichtigt, ohne dass, nachdem die Kranke wieder hin- 
eingelegt worden, die Töne sich verändert hätten. Die Kranke 
wurde auf einen Stuhl im entgegengesetzten Winkel des Zimmers 
gebracht, und sehr bald hörte man auch dort Klopfen und Kratzen, 
nur dass es war, als wenn am Holze des Stuhles geklopft und 
gekratzt würde. Sie wurde ferner ohne vorherige Anzeige in 
ein anderes Zimmer und Beit gebracht, und kaum war sie dort, 
80 zu sagen, warm geworden, 80 kratzte es und klopfte es auch 
dert. — Schon damals konnte der Verf. sich ‚dahin aussprechen, 
dass 1) die Töne an den nähern Umgebungen der Kranken zu 
haften schienen, dass 2) die Töne weder von ihrem Munde, noch 
yon den Händen, Füssen, Gelenken etc. ausgingen und dass end- 
lich 3) dieselben ‚von irgend einem andern, sey es absichtlich, 
oder zufällig, nicht hervorgebracht würden. Diese Ueberzengung 
theilten auch die meisten Collegen, die mit dem Verf. die Kranke 
damals sahen. Was nun Art und Beschaffenheit dieser Töne be- 
trifft, so begannen sie am 12. oder 13. Jan., nahmen eine Zeit 
lang an Häufigkeit und Stärke zu, verminderten sich dann und 
verloren sich allmählich Mitte März, Sie erschienen sowohl wäh- 
Summariumd. Mediein. 1834. 1X. 10
	        
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