Full text: (9. Band = 1834, No 17-No 24)

112 If. Pathologie, Therapie und medieinische Klinik. 
rum und schillerte ins Grünliche. Nach Aderlass bis zu bezin- 
nender Ohnmacht sollte Pat. nun stündlich 4 gr. Pulv, Canthar. 
erhalten, alle 3 Stunden aber eine Drachm. Unr2. neapol in den 
Hals und eben so viel ins Rückgrath eingeriehen werden. Um 
11 Uhr war Brustbeklommenheit und Widerwille gegen Getränk 
vermehrt. Der Puls hatte 108 Schläge und die Haut schwitzte 
ein wenig. Nachmittags 2 Uhr fand sich reichlicher warmer 
Schweiss‘ über den ganzen Körper, der Puls war auf 86 Schläge 
zurückgegangen, Pat, konnte besser schlingen, war ruhiger und 
liess normalen Urin. Ein Belladonnaklystier, wie früher, blieb 
diesmal bei ihm. Um 5 Uhr erfuhr W., dass halbstündiger Schlaf 
zugegen gewesen war, der Schweiss hielt an, doch um 8 Uhr 
war jeder Schein von Besserung wieder vorbei. Die Intervallen, 
in denen der Kranke, wenn auch die Bangigkeit nicht ganz auf- 
hörte, doch etwas in einer eingenommenen Lage verbleiben konn- 
te, wurden immer seltener und kürzer, und die Exacerbationen 
häufiger und länger, so dass sie nun bis zu 4 Stuude anhielten, 
In solchen Anfällen konnte Pat. keinen Augenblick ruhig liegen, 
warf sich im Bette herum, fuhr auf, verzerrte das Gesicht, klagte 
über grosse Alıgst und Luftmangel, und die Züge waren leidens- 
und verzweiflungsvoll. KEigentliche Wuthanfälle wurden weder 
jetzt, noch später bemerkt, Pat. war stets bei sich; ob er seinen 
Zustand kannte, liess sich nicht ermitteln, doch schien er sehr 
trostlos. Von Zeit zu Zeit spieh er zähen Schleim in ein neben 
ihm stehendes Waschbecken und bekam sehr geräuschvolles Auf- 
stossen. Beim Einnehmen der in ein wenig Wasser eingerührten 
Pulver hielt er sich meist die Hand vor die Augen, ein Wärter 
hielt den Kopf und ein anderer steckte ihm schnell den Löffel 
mit der Arznei in den Mund, die er mit sichtlicher Anstrengung 
hinunterschluckte, worauf dann immer vorübergehende Zunahme 
der Brustheklemmung, des Luftmangels und der Unruhe eintrat, 
und die Züge verzerrt, die Augen stier und der Blick fast wie 
der eines Wahnsinnigen wurde. Um 9 Uhr Abends ging es noch 
schlimmer. Anget und Unruhe mit stetem Umherwerfen waren 
stark, anhaltend, der Puls klein, frequent und die Pupillen er- 
weitert. Ausschnauben und Räuspern steigerten stets die krampf- 
haften Zufälle namhaft. Der ausgeräusperte Schleim war zuletzt 
einige Male von Blut hellroth. Bisjetzt waren 54 Gr. Kanthari- 
den und 10 Drachmen Ung. neap. verbraucht worden. Die con- 
valsivische Unruhe stieg nun schnell zu einem sehr hohen Grade 
und ging 9} Uhr in einen 4 Stunde anhaltenden tetanischen Zu- 
stand über, in dem Pat. das Bewusstseyn verlor , Schaum vor den 
Mund bekam und mit kaltem Schweiss bedeckt war. Als W. ihn 
bald darauf sah, war er noch nicht ganz bei sich und ganz er- 
schöpft. Kr erhielt das dritte Belladonnaklystier und stündlich 
4 gr. Moschus. Nach einer halben Stunde hatte die krampfhafte 
Unruhe etwas abgenommen , die Kräfte sich etwas gehoben und 
ein warmer Schweiss brach aus. Um 2 Uhr in der Nacht er-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.