Full text: (9. Band = 1834, No 17-No 24)

J. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
malischen Lebens überträgt, ihn hier zur grössten und mannig- 
fachsten Entwickelung und im Menschen endlich zur Voliendung 
bringt. — Alle Krankheiten, so weit ihre Geschichte reicht, 
scheinen anfangs einen rein localen Ursprung zu haben, zuerst 
in einer bestimmten Gegend sich zu entwickeln und, nachdem 
sie sich bis zu einem gewissen Grade ausgebildet haben, sich 
weiter zu verbreiten und in entferntere Gegenden fortzupflanzen. 
Die bösartigsten Seuchen in Europa waren jedes Mal ausländi- 
schen Ursprunges, und selbst diejenigen Krankheiten, welche in 
Europa neu entstanden sind, scheinen sich dort unter dem Eia- 
flusse eingedrungener und eingeschleppter Krankheitsprincipien, 
besonders der Pest und Influenza, erzeugt zu haben. — Wenn 
nun Epidemieen und contagiöse Seuchen in ätiologischer Bezie- 
hung ganz offenbar den Charakter des Allgemeinen und über 
das Individuum Hinausgehenden an sich tragen, wodurch sie eine 
universelle und mundane Bedeutung erhalten, und die innerliche 
Krankheitsursache als eine allgemeine erscheint, so zeigt sich 
dagegen die eigentliche Innerlichkeit und Immanenz dieser letz- 
ten und ihre Unabhängigkeit von äussern accessorischen Schäd- 
lichkeiten deutlicher und einleuchtender bei den Dyskrasieen. Wer 
den Keim zu Skropheln, Gicht, Flechten, Scirrhus und Krebs 
nicht in sich trägt, dem werden äussere accessorische Schäd- 
lichkeiten diese Furien nicht geben; er bleibt sein Lebelang da- 
von verschont, und es ist fast nicht möglich, den Keim einzu- 
impfen oder zu erwerben. Wo er aber eingeboren ist, da schützt 
in der Regel die grösste Vorsicht, die gewählteste Lebensweise 
nicht gegen die Entwickelung des Krankheitkeimes: sie kann ver- 
spätet, beschränkt werden, aber es werden zur gehörigen Zeit 
Regungen und Entwickelungsbestrebungen verspürt, und wird die 
Evolution auch in einer Generation verhütet, 80 pflanzt sich doch 
der unentwickelt gebliebene Keim auf die folgende Generation 
fort und ‘gelangt: in dieser zur Reife und Zeitigung. So die 
Skropheln, welche dem ganzen Organismus einen bleibenden Ty- 
pus aufdrücken. Sie tauchen, wenn sie in den Jahren der Pu- 
bertät zurücktreten und verschwinden, in späteren Lebensjahren 
wieder auf und kommen als Tuberkeln, Seirrhen, Medullarsar- 
kom neu zum Vorschein. So die Gicht, welche in wahrer Ge- 
stalt selten in der ersten Generation entsteht, sondern beim Va- 
ter als Gichtbestrebungen, als Hämorrhoiden, als Flechte be- 
ginnt, beim fortgesetzten Missbrauche der producirenden Geniesa- 
mittel u. 8. w. sich vollständig zum Krankheitskeime bildet und 
auf die Kinder übergeht. Dieser Keim wird schwer ausgerottet, 
und oft wird der sich geheilt Geglaubte noch kurz vor dem Tode 
von einem um so heftigern Anfalle überrascht. Dahingegen wer- 
den wahre Skropheln nicht leicht erworben, und ohne skrophulöse 
Anlage bleiben Kinder unter den ungünstigsten Lebensverhält- 
nissen von der wahren Skrophel frei. Schädliche Einwirkungen 
auf das Kind in der ersten Generation erzeugen bloss sehr un-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.