Full text: T bis Z. Nachträge (Fünfter Band)

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Wienbarg — Wiepeldorn 
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s. Sch. 1, 226). Vgl. Raadje IV, 23; Spaar- 
brood IV, 725. — Vereinz. Zsstzg. mit dem 
Diminutiv: Wienken-: Wienken-brood 
n. „in Wein geweichtes Brot“ Hmibg.-Alt. 
1300 (Sch. 4, 360). 
Wienbarg höchster Punkt im Lande 
Oldbg., zum Gut Putlos gehörig, ehemals 
bewaldet; dort soll der unterirdische Gang 
geendet haben, den die Seeräuber Störte- 
beker und Göde Micheel vom Schloß Putlos 
aus angelegt hatten, um darin ihre Schätze 
zu verbergen. Diese Schätze sollen aber 
schon gehoben sein; darum sagt man in der 
Gegend noch: du kämmst to laut in ’n W. 
„du kommst zu spät“. Vgl. Mhff. 2 Nr. 37,2. 
Der Name kommt auch sonst in Holst, 
mehrfach vor: Landstelle bei Itzehoe und 
Elmschenhagen, Wirtshaus b. Baisdorf 
(Preetz) u. Batzeburg, meist in der hochd. 
Form Weinberg. Mit Wein hat der Name 
nichts zu tun; er scheint eine Zsziehung 
aus Wieden- („Weiden“-) oder wieden 
(„weiten“) zu sein. Ebenso die anderen Zs- 
stzgen: Wien-dieksbrügg Brücke an der 
Landstraße von Neustadt nach Cismar, 
—hof Holzung Güldenstein (Oldbg.), —hoop 
Flurname Osdorf (Pbg.). Anders Wien 
schenk Flurn. Damp (Schw.); s. Bock 2 
S. 70. 
Wiene-worm u. Wienen-worm m. 
„Maulwurf“ Lbg., s. Winnwarp. 
Wiener m. „ein schneller Tanz“ Wm. — 
Wiener-wagen m. „geschlossener, 
viersitziger Wagen“ Flensb. 
wienern (vincin) sw. v. „putzen“ (Solda 
tensprache). 
Wiep 1 (vib), plur. W—en (vibm) m. 
„Strohwisch“, „kleines Bündel von Stroh 
oder Lumpen“, „geflochtenes Strobband“; 
mnd. wip „Strohwisch“, ahd. wifa „Merk 
zeichen, das einen verbotenen Weg anzeigt“, 
nhd. „Weife“, in der Schweiz noch „Wiefe“ 
„Warnungszeichen“; zu ags. wipiam 
„wischen“, engl, to wipe, ahd. wifaai „win 
den“, „flechten“, got. meipan „bekränzen“. 
Vgl. Stroh-wiep IV, 900; Schür-wiep IV, 
439; Doden-wiep I, 764. Das Wort ist in 
Holst, überall bekannt, in Schlesw. nament 
lich im Osten (Dw. Schw. Ang.), während 
aus dem übrigen Schlesw. kaum Belege 
vorhanden sind, garkeine aus Wschl. (Eid. 
Nordfr.). Wiepen braucht man zum Scheu 
ern von Brettern (Dielen) und zum Aus 
fegen des Backofens. Auf einen Stiel ge 
steckt, dienen sie zur Kennzeichnung von 
Wegen bei hohem Schnee oder der Fahr 
rinne im Wasser, auch als Merkzeichen, 
daß das Befahren eines Weges oder das 
Betreten eines Feldes verboten ist. Früher 
wurden sie besonders zum Dichten ider 
Fugen beim Pfannendach statt des Kalks 
verwendet, aber später (um 1870) vielfach 
wegen der Feuersgefahr auf behördliche 
Anordnung entfernt (vgl. auch Daok 1 I, 
744 f.). Auch um Stalltüren werden zur 
Abdichtung Wiepen gelegt. — Dazu wie 
pen (vibrp) sw. v. „ein Ziegeldach mit 
Stroh dicht machen“ Dtm. 1765 (vgl. Sch. 
4, 360); vgl. ünner-wiepen V, 337. Statt 
dessen wie men (vim): se wollt noch mit 
Stroh w. „die Dachpfannen dichten“ Arnis. 
Vereinz. bedeutet wiepen „die steile Heu 
mauer auf dem Heuboden aufsetzen“ Üters. 
Wiep 2 (vib), vereinz. Wipp (Bornh.) 
m. „Klauenspaltenentzündung der Binder“, 
Panaritium Dtm. Wm. Mh. FL., verein 
zelt in Schlesw. Vgl. Fiele 2 H, 82. Mittel 
dagegen: Man sticht das Basenstück, 
auf das der kranke Fuß beim Aufstehen 
von der Weide tritt, heraus und fügt es 
mit der Narbe nach unten wieder in das 
entstandene Loch ein; darüber schlägt man 
ein Kreuz (Dtm. Sgbg. FL.); vgl. Heim. 19; 
120. 37, 113. Als Schutz gegen W. legt man 
beim Austreiben des Viehs am 1. Mai einen 
roten Tuchstreifen, einen Wiepeldgm (s. d.) 
und ein Beil vor die Schwelle des Stalles 
und läßt das Vieh hinübertreten (Sgbg- 
Bornh. FL.); vgl. Heim. 37, 112. Man sagt 
auch von Kohlpflanzen, die an der Wurzel 
eine knollige Anschwellung haben, in der 
sich eine weiße Made befindet: se hett ’n 
W. Kudensee (Wm.). 
Wiep-dorn s. bei wiepeln. 
Wiepel, wiepelig, Wiepel-dprn, 
- s t 9 r t s. bei wiepeln. 
wiepeln (vib\n) u. wiepen 2 (vibrp) 
sw. v. „schaukeln“, „wackeln“, „schwanken“; 
hochd. wiebeln „sich lebhaft bewegen“; vgl- 
wippen, he kreeg rein dat Wiepeln „er 
wurde fast schwanken“ Dtm. 1866 (Boysen 
van Nienkarken). se wiepen mit de Arms, 
wil se sik ne örrdi rögen kunnen Dtm. —■ 
Dazu Wiepel, Wiebel f. „schlanke 
Peitsche“, „Schwanenhals“ Dw. — wiepe 
lig adj. „schwankend“ Ndtm. 1865. — Zs- 
stzgen: Wiepel-dorn u. Wiep-dorn 
(Fehm. FL.), W ppel-dprn (Schw.) m- 
„wilde Bose“, Bosa canina (Sh. Mh. Oh. 
Dw.); vereinzelt „Kreuzdorn“, Bbaninus 
cathartica (Bujendorf im FL.), so genannt 
wegen der langen, schwankenden jungen 
Triebe. Vgl. Hahnpoot H, 564 f., Ilagdgrn 
II, 554. — Spottreim: Peter Pater phitms 
in ’t Water, ree up sien ölen griesbunten 
Kater, harr sien Pgr un Köh verlgren, snee 
sik ’n Hand mdl W., hau sik dgrmit üm de 
Ohm: o weh, o weh! mien Ohm doot weh
	        
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