Full text: T bis Z. Nachträge (Fünfter Band)

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Wiek — Wiem 
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„Bucht“ zu alts. wikan „weichen“, eigentl. 
„die Stelle, wo das Ufer zurückweicht“; 
überhaupt „Ausbuchtung“. Vgl. Wiek 3 
bei wieken; ndl. wik, altnord, vik, dän. 
vig, ags. wie „Bucht“. Angeln liggt twi- 
schen de Slie un de Flensborger Wik 
(Heim. 10, 240). Eokemförder Wyk bei 
Dankwerth (Heim. 8,10). se woj („watete“) 
dgr de Wik, dgr dat iskole solte Water 
Ang. de Wiek Name für Wadenzüge Ellerb. 
Eckf. Neust.; Wik Vorort von Kiel (in ’e 
W., in ’e W. is Dansmmik Heim. 20, 264); 
Wyk (Föhr); Wiek Flurname Osdorf (Pbg.), 
Feldhusen (Kh.); an de Wiek Rissen (Pbg.); 
Boekholm-wik, Meier- Ang.; Wieks-barg 
Neust. (Oldlbg.); Wiker-hörn, -paihl Kiel. In 
Namen wie Brunswik, Schleswig kann auch 
mnd. wik, ahd. wich (lat. vicus) „Wohn 
stätte“, „Ortschaft“ vorliegen. 
Wiek 2 (vig) m. Fisohname, wohl „Uke 
lei“, Alburnus lucidus. Prov. Ber. 1, 98: 
„Sehr häufig ist eine Art Fische, welche 
man hier wieke nennt“ Oldesl. 1798. — 
Zsstzg. Wiek-gaarn n. „Netz zum 
Fang des Wiek“ FL. 
Wiek 3 f. „Weiche“ s. bei wieken. 
Wiekwaak „Schaukel“ s. Wiewa. 
wieken (vigra) st. v. „weichen“ (fast nur 
im Inf. gebräuchlich), dar kann keen Drip- 
per w. Groth 1, 169. wiekt nioh vun Lap 
pen „weicht nicht von der Stelle“ Schw. de 
nich will dieken, de mutt w., s. dieken 
I, 729. Im Rummelpottlied: Schipper, wullt 
du w., Bootsmann, wullt du strieken (s. 
IV, 189). — Dazu Wiek 3 (vig) f. „Weiche“, 
„Platz zum Ausweichen“, laat uns man 
hier gähn, hier is mghr W. Ang. Vgl. 
Wiek 1 . 
Wieken (vign) Frauenname „Wiebke“. 
Marieken un W. wulln Bohn koken Kin 
derreim (Storm.); s. Wieb *. 
Wieker (vign) im Rätsel vom Wind: de 
W., de Wacker, de löp gwer ’n Acker s. 
wieker u. Acker I, 39. 
Wiel (vvl) f. „Weile“, „Zeit“, good Ding 
will W. hebben, sä de Voss, do slöt de Btmr 
em den Höhnerstall vor de Ngs to FL. Häu 
fig im Zweispänner: dor ward een jo Tied 
un W. bi lang „das wird ja langweilig“. 
da.t do ik lang W. ne „das tue ich lange 
nicht“ Wm. lang W. ne so groot „lange 
nicht so groß“ Wm. mit de W. kaarn ik 
uk noch „mittlerweile“, „allmählich“ Neum. 
Gott kommt nich in ’e lei, he kommt mit 
de W. Eid. kommt et nich mit leien, so 
kommt et doch mit Wielen Sschl. 1850. — 
Dazu Wielk (vilg) f. „Weilchen“, gediier 
di noch en lütje W. „gedulde dich noch ein 
Weilchen“ Dtm. 1865 (Boysen van Nienkar- 
ken). — Zsstzg. Wiels-tied f. na ’n W. 
froog he em „nach einiger Zeit“. 
wiel i(vH) adv. „während“, „so lange“, 
mnd. de wile, al de wile. Daneben häufig 
(namentl. in Oh.) wielt (wohl aus wiel 
dat verkürzt); vereinz. will Wm. he keem, 
wiel ik weg wgr „er kam, während ich fort 
war“, man mutt tolangen, wiel ’t Tied is 
Holst. 1847. Neuerdings unter hochd. Ein 
fluß auch „weil“. — Zsstzgen (mit dem Ton 
auf dem zweiten Bestandteil): wiel-dat 
conj. „während“, „weil“. Vgl. dat I, 687. 
— d g m conj. „indem“, w. se de Tranen 
fallen leet „indem sie die Tränen fallen 
ließ“ Oh. — des, well-des Kh. adv. 
„inzwischen“, „unterdessen“, ik will wiel- 
des gau mal na de Küh sehn, du kannst 
je wieltdes wat anners doon Oh. Auch 
„während“, wieldes de Hund sohitt, is de 
Haas lang to Busch Sschl. he keem, wieldes 
ik sleep „während ich schlief“. 
wielen (viln) conj. „weil“, w. ik nu Kün- 
nig bin, will ik den Hoff mime Brüder 
schenken Kurborg 1840; s. Mhff. 2 S. 448. 
Wiem (vvm) und Wiemen (viih) m. 
„Holzstange“, „Lattengerüst“; mnd. wim 
und wime, ndl. wime, unbekannter Her 
kunft (lat. vimen?). Daneben Wieben 
(mit sehr schwach gesprochenem b) Wm- 
Schenef. Haale Innien Nort. Neum. Plön 
und W i e m e 1 Treya (Schlesw.) Börm Hü. 
Hohn. — 1. „Sitzstange der Hühner im 
Stall“, de Hühner gabt (fleegt) to W. Vom 
Schwätzer: he snackt de Hühner vun ’n W. 
raf, he bruukt gr nioh grst Foler to streuen 
Dtm. wenn Hähnken frgten will, mutt he 
widl vun ’n W. raf Sdtm. Storm, Ges. W. 
7, 53: „er kommt früher als die Hühner 
auf die Wiemen müssen“. Wetter: wenn 
de Hahn op ’n W. (to W.) kreiht, giff ’t 
Rggen. he wiest op ’n W. un nioh op de 
Hühner „macht Ausflüchte“ Neust. Anderes 
bei Hohn 2 II, 853. Auch der im Stall er 
höht angebrachte oder auf der großen 
Diele unter der Decke aufigehängte Hühner 
stall, der nur mit einer Hühnerleiter zu 
ersteigen ist: op de Wiemen vgle Hühner 
un in den Wiemen (s. bei 2) vgl Speck, be- 
düdt Wollstand bi ’n Buurn. Wenn man 
durch Betasten (Testen V, 50) der Henne 
festgestellt hat, daß ein Ed zu erwarten ist, 
muß sie noch solange op ’n W. bleiben, bis 
sie gelegt hat (Kremp.). Vgl. Hühner-wiem 
II, 910. Oft auf Menschen übertragen: to 
W. gaihn (krupen) „schlafen gehen“, he 
geit mit de Hühner to W. „geht früh schla 
fen“. — 2. „Stange oder Gerüst zum Auf- 
bewahren von Fleisch und Würsten im 
Bauernhaus“, se is mi doch to krumm, sä
	        
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