Full text: (Fünfter Band)

9 
Talliglicht — tamsen 
10 
zeug zum Auspressen des heißen Talgs aus 
den Grieben“ Eid. (Schlachtersprache). 
— licht (überwiegend Talg-) n. „Talg 
licht“. mi geit ’n T. op „nun verstehe ich“. 
he brennt an ’n heiligen Dag sien T. „tut 
Überflüssiges“ Holst. 1840. Rätsel: op ’n 
witten Boom wasst ’n g§le Bloom, je länger 
as he steit, je härter dat he ward Dtm. 
binnen ruuch un buten fett, je neger na ’n 
Merrn (Nerrn), je dicker dat Speck Dw. 
Aberglaube: Wenn Talglichter mit einem 
glimmenden Docht brennen, ist ein Dieb im 
Haus (s. ös 1 III, 921). Wenn ein Kind 
behext (krank) war, hängte man 3 mit 
Knopfnadeln besteckte (gestohlene) Talg 
lichter verkehrt um an die Zimmerdecke 
und zündete sie an; jedesmal wenn der Talg 
bis an eine Nadel weggeschmolzen war, 
ließ die Hexe einen Schrei hören, bis sie 
das Kind losließ (Dtm.). Vgl. Urqu. 2, 141. 
— moschen f. „Kohlmeise“ FL., vgl. 
—bieter. —pott m. Verdrehung von „Pa 
letot“ Ang. Flensb. (abst.). — p r a a s f. 
„dünnes Talglicht" Ang.; s. Praas III, 
1103. —spink m. „Kohlmeise“ Eggebek 
(Flensb.); vgl. —bieter, —moschen u. Spink 
IV, 753. 
talpsch (talbs) adj. „tölpelhaft“, „albern“ 
FL. Vereinzelt auch Talp m. „Tölpel“; 
vgl. frühnhd. Tölp. 
Talten (taldii), Taltern (taldan), vereinz. 
T a 11 e r s (taldas) Storm. m. plur. „Lap 
pen“, „Fetzen“; mnd. talteren. <}r kiekt de 
T. ünner de Röck ut Storm. Oh. Itz. Wm. 
Dtm. Hü. Hohn Schw. Ang. dor hangt de 
T. um Palten hendal s. Palten IIL 955; 
Pulten III, 1138. to Taltern rieten „in 
Stücke reißen“ Holst. 1800 (Sch. 4, 247) Dw. 
Fehm. FL. Wm. dat Tüg hangt em bi Tal- 
ters vun Lief Storm. Selten erscheint dazu 
ein Sing. T a 11 e r m. dor hangt de T. bito 
Dtm. he hett ’n T. an ’n Hoot „Anhäng 
sel“. — Dazu: talterig (tadddri), tal 
1 e r i g Ang., t a 11 i g Hohn adj. „zerfetzt“, 
„zerlumpt", „verschlissen“ Holst. 1800 (Sch. 
4, 247) sien Kledasch is bannig t. Storm. 
Wm. Dtm. Hü. Ang. Schw. Dw. sien Büx 
is nerrn gans t. „ausgefranst“ Hohn. Von 
den Eingeweiden oder der Nachgeburt eines 
Stücks Vieh: dat ist. „ineinander verschlun 
gen“ Fehm. (abst.). Auch übertragen: 
„schleppend“, „langstielig“, „umständlich“: 
wqs doch ni so t. FL. Vgl. taltern. — t al 
tern (taldan) sw. v. „langstielig sein“, 
„langsam gehen oder arbeiten“, „Zeit ver 
geuden“. dor wüllt wi nich lang mit t. (rüm- 
taltern) Ndtm. he talter noch so lang in de 
Stadt rüm „säumte“, „machte allerhand Be 
sorgungen“ Hohn. Kompositum: tosamen- 
taltern „unordentlich zusammen fügen“. 
Klatten sünd tosamentalterte Haarbünzels 
Bramstedt; vgl. Klatt III, 141. — Talte- 
rie f. „unordentliche Näharbeit“ Oh. — 
Taltersch f. „unordentliche, zerlumpte 
Frau“, „Schlumpe“ Oh. — Talter-jahn 
m. „zerlumpter Mensch“ vereinz. — kraam 
m. „schlecht sitzendes Zeug“, dat is all so ’n 
T., wat se an un üm hett Oh. „Abfall“: bi ’n 
Slachter fallt vql T. af Storm. „langsame Ar 
beit“: wat is dat vundaag för ’n T., wi ward 
ni klgr mit de Arbeit Dtm. Vgl. taltern. 
Talter (talda) m. „Tatterich“, he hett ’n 
T. „zittert“ FL. Hierzu wohl die Reimver 
bindung: mit Halter un T. keem he dor 
weg „mit genauer Not“ Sh. vereinz.; vgl. 
mit Gnauen un Bieten II, 409. 
Tambur (ta-mbüa) m. „Tambour“; in der 
Soldatenspr. des Weltkriegs Tambüdel (Nd. 
Kbl. 37, 79). se hett sik mit ’n T. slaan un 
em de Trummei afnahmen „sie ist schwan 
ger“ Drage (Itz.). 
tamissen (tami-sg,) adj. nur bei Sophie 
Dethleffs 5 S. 194 (1850): se harr en swarten 
tamisnen Platen „eine schwarze Schürze aus 
Damast(?)“ 
tamm (tarn) adj. „zahm“,„gefügig“; mnd. 
tarn., dor gaht v§l tamme Sohaap in een 
Hock Stap. wo t. Für is, dor kümmt keen 
will Für „wo Feuer auf dem Herd brennt, 
schlägt der Blitz nicht ein“ Kasseedorf 
(Oh.); vgl. Heim. 37, 139. t. maken „zäh 
men“, für wenig gebräuchliches tammen 
(Dtm.). Vgl. temsen. 
Tamm-gras n. „Fuchsschwanzgras“, Alo- 
pecurus agrestis (Stap.). 
Tamp (tamb), Tamper Kiel m. „dickes 
Tauende“, besonders zum Prügeln; aus der 
Seemannssprache (Kluge S. 777); dän. fries. 
Tamp. Einen T. bekommt man auch, wenn 
man das Schnupftuch zu einem festen Kno 
ten am Ende flicht, wie die Kinder es beim 
Klumpsackspiel tun (vgl. III, 185). — Dazu 
tampen (tambm) sw. v. „mit einem T. 
prügeln“, bes. als Strafe auf dem Schiff 
(Sch. 4, 247); dann überhaupt „züchtigen“ 
Flensb. Wm. 
tamsen (tamzn) sw. v. „in der Thomas 
nacht (21. Dez.) alle Sachen, deren man 
habhaft werden kann, auf einem Haufen 
zusammenschleppen oder sie verstecken, 
Ulk damit treiben“ Nordfr. Föhr 1800 (Sch. 
4, 248); fries. tämsi (Amrum, Föhr). Die 
Sitte, in der Thomasnacht allerlei Unfug 
zu treiben (z. B. Wagen auf das Dach oder 
den Boden bringen, Stiefel vertauschen u. 
ähnl.) hat sieh in Nordfr. bis in die 2te 
Hälfte des 18ten Jhdts. erhalten; heute ist 
sie erloschen. Vgl. Taget. — Daß das nur
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.