Full text: T bis Z. Nachträge (Fünfter Band)

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Vaagt — Vadder 
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Vaagt (f§x), plur. Vijgt m. „Vogt“; mnd. 
voget, vaget; „Kirchspielvogt“ (s. Kaspel- 
vaagt III, 60); „Bauervogt“ (s. Buurvaagt 
I, 614); „Gemeindevorsteher“, der um 1800 
in Pbg. das Vorrecht hatte, eine Schank 
wirtschaft zu führen, und von den Gemeinde 
abgaben befreit war (die Bauern gingen am 
Sonntagabend na ’n Vaagt „zu Bier“); „Auf 
seher auf dem Gutshof“; vgl. Moorvaagt 
III, 673; Prachervaagt HI, 1105; Holst 
II, 870. In Eid. früher auch Bezeichnung 
des Stallers (IV, 805), während der Amt 
mann auf Gottorp de grote V. hieß; s. Prov. 
Ber. 8, 360 (1794). — wenn de Graf ’n Appel 
bruukt, nimmt sien V. den gansen Boom FL. 
Gott late unsen V. noch lang Iqben, wi Hun 
nen wull noch ’n slimmere Deuwel kriegen 
Holst. 1800. is dor keen V. in ’t Dörp? „ist 
hier keine Aufsicht?“ (gesagt, wo es wild 
und unordentlich zugeht) Holst. 1800 (Sch. 
4, 295). he hett ’n Brett vor ’n Kopp as uns 
V. sien Bull Holst. 1870. büst du nich mghr 
V., so drgg di de Düwel (sä de Buur un 
smeet em in ’t Water) sprichwörtlich gewor 
den nach der Anekdote, daß ein Bauer, der 
seinen als Leuteschinder bekannten Vogt 
durchs Wasser trug, ihn hineinwarf, als er 
erfuhr, daß der Vogt entlassen sei (Holst. 
1800; s. Sch. 4, 295). — In Ortsnamen: 
Vaagts-kaat Schönhorst (Schönkirchen), 
Trenthorst (Preetz) u. öfter, —hörst Gehege 
Dobersdorf (Plön), —rott Ländereien Stadt 
Sgbg. — Ableitung: Vaagdsch (fpxs), 
auch Vpgdsch, Vpgsch f. „Vögtin“ 
Holst. 1800 (Sch. 4, 296), „Frau des Kirch- 
epielvogts“ Wm. Storm. — Zsstzgen: 
Vaagts-dener m. „Polizeidiener“ Dtm. 
(Groth 1, 33). —■ s p i 11 n. „Vogtspiel“, ein 
Gesellschaftsspiel, das besonders auf dem 
Lande von den Dienstboten um die Weih 
nachtszeit gespielt wurde. Jede männliche 
Person nimmt eine weibliche (seine „Braut“) 
auf den Schoß; der Vogt geht mit einem 
Knotentuch herum und fragt jeden, ob er 
mit seiner Braut zufrieden ist; der Unzu 
friedene muß angeben, welche Braut er 
haben will. Will der Besitzer sie nicht ab 
treten, muß jener sagen, wieviel Schläge er 
für sie entgegennehmen will; er bekommt 
dann die Schläge mit dem Tuch, ebenso aber 
der Besitzer der verlangten Braut. Gibt 
dieser sie auch dann nicht heraus, so muß 
der erste wieder eine Anzahl Schläge be 
stimmen, und das geht so lange fort, bis der 
eine sein Verlangen oder der andere die 
Braut aufgibt (Holst. 1840); s. Heim. 39,257. 
Vaar „Vater“ s. Vadder. 
V 
Vaasbüttel Dorf im Kirchsp. Hohenwe- 
stedt. in V. gifft Spaaßbüdel (Heim. 20, 
265). 
Vadder 1 (fada), plur. V—s m. „Vater 1 
mnd. vader. Vadder ist heute neben Val' 
ler (Oh.), V a r r e r (Ang. Mh.), V a j j ® r 
(Prb.) die durchaus übliche Form; seltener 
ist heute die früher herrschende Form V®' 
der (fgda mit ganz schwach gesprochene® 
d, das sich oft dem englischen th nähert) 
Holst. 1800 Wm. Dtm. Kiel Oh. Dw. Sscl® 
1850 Hohn Ang.; daneben Valer (ffä' 
Dtm. Eid. und V a r e r (fgra) Lbg. Im Aus - 
sterben ist überall die früher verbreite® 
Form Vaar (fga u. fä) Hochzeitsged. 1730 
(Nd. Jb. 53, 117) Reinb. 1750 Storm. Ran«- 
Kk. Wm. Dtm. Stap. (Nd. Kbl. 27, 68) Hu®- 
Eid. Alte Leute erzählen, daß in ihrer 
Kindheit Vaar die übliche Form gewesen 
sei; erst später sei Vader an die Stelle g®' 
treten, das nun ziemlich allgemein der For® 
Vadder gewichen ist. Vgl. auch Grootvai® f 
II, 491. — een V. kann bgter 7 Jungs fodsrn 
as 7 Jungs een V. Holst. 1840. nich vqt y 
in ’t Fatt langen! „nicht voreilig!“ weg tS 
he!, sä Klaas Böß, do harr he sien V. beg r 
ben Dw. wo man ’t drifft, so geit, sä 
Düwel, do speeg he sien V. op ’n Stga>sj 
Kiel, fraag mien V., de lüggt so good as llc 
Holst. 1840; vgl. legen III, 440. för ’t erst 6 
Kind is dat ganse Dörp V., för ’t tweete « 
ganse Nawerschop un för ’t drütte de Mann 
alleen Schönkirchen (Kiel), nu hett da 
Kind je ’n V.; wenn ’t nu man Been haff> 
kunn ’t lopen wird gesagt, wenn man ein® 
Sache nur zum Teil fertig gebracht ha* 
(Wm. abst.). Abweisung: mien V. is ke en 
Preester „ich sage es nicht zum zweit® 0 
Hai“ Sschl. 1850. Ang. dien V. is kesn 
Glaser „steh mir nicht im Licht“ (s. D? 
386). is dien V. ’n Eddelmann west? iraS 1 
man, wenn jemand die Tür nicht hin® 1 
sich schließt (Sch. 4, 295). Oft in Bezi®' 
hung zu Mudder: wat de Mudder bet an 
Hart geit, dat geit den V. bet an ’t K nee 
Geg. von Kiel, sorg nich för dien MuddsT, 
solang dien V. noch Igft Ang. gröt di eJI 
Mudder, awers laat dien V. dat ni hijrsn 
Ang. slaa man to, dat sünd nioh V. no c 
Moder Oh. dat mußt du, dor helpt 
„söte V. un Moder“ wat to Dtm. (abst.); v ^' 
noch Moder III, 667; hijren II, 915 u. Bb® 
V. in der Anrede s. du I, 890 u. Der Imk® r 
sagt: ah, lütt Imm, mijt ju V. doch ni stfk e ^ 
Pbg. — Tanzlied: gistern Abend wgr 
Michel hier s. Michel III, 639. Kinderreit® 
V. mit ’n Hoot is gar to good, Mudder 
de Mütz is ggrnix nütz Sgbg. Spottrei® -
	        

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