Full text: (Dritter Band)

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R. 
P der Buchstabe p. dor ward ’n P Vor 
schüben „daraus wird nichts“ Holst. 1800 
(Sch. 3, 183). dor will ik ’n P vörsetten 
„einen Biegel vorschieben“, „ein Hindernis 
in den Weg legen“, „verbieten“. Noch allg. 
gebräuchlich. Uber die Entstehung der Re 
densart gibt es allerlei Volksmeinungen; 
man erklärt P als Abkürzung von Pahl oder 
als das griechische n, das Ähnlichkeit mit 
einem Galgen habe (Schütze: „nimm dich in 
Acht, der Galgen steht darauf“); andere mei 
nen, es sei die Abkürzung von Pest, weil man 
zur Zeit der Pest einst ein großes P an die 
befallenen Häuser geschrieben habe; auch 
das nd. Pech, Peen, Penk, Penn „Riegel“ 
wird zur Erklärung herangezogen (vgl. dän. 
soette en pind for „einen Pflock vorstecken“). 
Wahrscheinlich ist ein lateinisches Wort 
gemeint, das abgekürzt in Polizeiverord 
nungen oder Gerichtsbeschlüssen oder ähn 
lichen amtlichen Schriftstücken vorkam; 
vielleicht poena („Pön“, „Strafe“). 
Paa (pöö), plur. P—en u. P—s m. 
„Schritt“; franz. pas. gode P—s „tanzge 
rechte Schritte“ Holst. 1800 (Sch. 3, 184; 
der Anfang eines Liedes wird daselbst wie 
dergegeben : so een, twee, dree un veer Paaen 
to maken). 
Paag (ppx), Page Kremp. 1797, Pagen 
Mhff. 2 Nr. 375, 2, plur. Pagen m. „altes, 
schlechtes Pferd“, „Mähre“, „Schindmähre“; 
mnd. page „Pferd“ noch ohne den Neben 
sinn des Verächtlichen; so noch in der 
Reimverbindung: Huus un Hoff, Waag un 
Paag als Umschreibung für den ganzen Be 
sitz eines Landmanns Prb. Kiel G. 1800 
(Sch. 3, 186). mit Waag un Paag Kk. (abst.) 
Aber schon bei Sch. 3, 186: „altes schlechtes 
Bauernpferd“, und als Schelte der Hausfrau 
an die Mägde: grote fule Pagen. Vgl. Groth 
1, 203. 207. 4, 159. Heute bezeichnet es, so 
weit es noch gebraucht wird, meist im Ggs. 
zu Hengst und Stute einen „Wallach“ Lbg. 
Storm. Sgbg. Schenef.; so auch beim Rate 
spiel um Nüsse (s. Nutt): P$rd = 5 Nüsse, 
Paag — 6, Hingst = 7, Ti)t — 8 Hohenw. 
Rdsbg. Sonst kommt das Wort nur mehr 
vereinz. in älteren Reimen oder Sprichwör 
tern vor: Lichtmessenstoot (Fasslabendstoot) 
deit mennig ool Paag (de ölen Pagen) den 
Dood; vgl. II, 33; III, 468. In der Sage von 
einem gespenstischen Pferd ruft der Bauer 
sein junges Pferd mit den Worten: Pagen, 
Pagen! Mhff. 2 Nr. 375, 3. Nachbarreim: 
Burmeister mit den blauen Pagen Sievers- 
dorf (FL.) 1860. — Paag hieß der aus Holz 
geschnitzte Pferdekopf, den die Knechte 
beim Einsammeln der Fastnachtsgaben mit 
sich führten (Wellsee b. Kiel 1850; vgl. II, 
27). — Ortsnamen: Pagen-au Bach Remmels 
(Rdsbg.), —kopp Flurn. Wedel 1790, —kop- 
pel Brenkenhagen (Oldbg.), —sand Elbinsel 
(Pbg.), —soll Flurn. Stabersdorf (Fehm.) 
1709. — Ableitung: pagen (pgiä) sw. v. 
von der Brunst der Stute, de Tgt paagt Hus. 
1S00 (Sch. 3, 187) Dtm. Wm. Elbm. Ranz. 
Lbg. Auch „toben“, „wild umherrennen“ 
Wm. de Tunn paagt wenn das letzte aus der 
Tonne fließt (Wm.). — Zsstzgen: Pagen- 
d i e ß e 1 f. „Sumpfdiestel“, Cirsium palustre 
Storm. Sdtm. — k r ä f t plur. f. „Pferde 
kräfte“ Sch. 3, 186. —steckel f. „Erd 
distel“, Cirsium acaule Elbm. Wm. — s t ö - 
ker m. „einfältiger und mittelloser Mensch“ 
Fehm.; vgl. Purrenstöker. 
Paal (ppl), plur. P—en und Pijl Wm. Dtm., 
Sing, auch P 91 (s. d.), plur. P—en (Sch. 3, 
185) f. „Hülse“, „Schote“, bes. der Erbsen 
und Bohnen, auch der Rappsaat; vgl. engl. 
peel „Schale“, dän. pille „abschälen“, nd. 
pellen, pulen, wi kennt uns as Arfen in de 
P. Sdtm. dree Arfen in de P. maakt m?hr 
Lärm as wenn se vull is. de Bohnen kriegt 
all P. (oder Palen) „bekommen schon Hül 
sen“ Holst. 1800 (Sch. 3, 185) Dtm. Eid. Hü. 
Rdsbg. FL. Fehm. — Ableitung: palen 
(pgln), p ä 1 e n Eid. sw. v. „aushülsen“, „Erb 
sen und Bohnen aus der Schale nehmen“ 
Holst. 1800 u. noch jetzt allg. Arfen palen, 
bes. ut-palen. Auch intr. de Arfen paalt 
good to „geben guten Ertrag“ Dtm. bi em 
paalt dat ümmer to „sein Vermögen mehrt 
sich“ Storm. — Zsstzg. Paal-arf f. 
„Schotenerbse“, plur. „Erbsen ohne Schale“. 
Vgl. Sch. 1, 46. 
Paap (ppb), Pape Sch. 3,191, plur. P—en 
m. „Pfaffe“; mnd. pape „Weltgeistlicher“ 
ohne üble Nebenbedeutung; dagegen Sch. 3, 
191 (Holst. 1800): „in unsern Gegenden nennt 
nur der Verächter des ehrwürdigen Standes 
den Prediger oder Pastor Pape, den Land 
prediger Graspape (s. II, 471), den Brannt 
weinsäufer Brannwienspape“ (s. I, 506). de 
Höll is ni so hitt as de Papen se maakt 
Eut. um Globenshalben, dat de P. ni dull 
ward s. II, 395. wo de P. is, dor is ok Rom 
Sschl. 1857. he is de reine P. „hochmütig“ 
Kk. Das dem lebenden Sprachschatz bereits 
fremde Wort hält sich noch in Reimen und 
einzelnen Redensarten: Aapblifft Aap, ward 
he König oder Paap Eut. Apen un Papen 
maakt v§l to doon Eut. Ei is ’n Ei, sä de 
P. un greep na ’t gröttste Dtm. Best in de 
Mitt, sä de P., do güng he twischen twee 
Düwels Eut. (aber auch: sä de Düwel, do 
güng he twischen twee Papen Stap.). Tanz
	        
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