Full text: (Dritter Band)

825 Nüster — Obeen 826 
aasig“, „von kränklicher Farbe“ Kremp. 
1797. Prb. 1813. Wm. FL. Vgl. nüchtern- 
blank, nippelnqsig. — Nüster-gaten 
„Löcher, durch die das Wasser zu den Pum 
pen gelangt“ Seemannsspr. Sch. 3, 158 (vgl. 
Kluge S. 593). 
Nüten (nydy) ein Kinderspiel. Ein Spieler 
faßt den andern bei der Nase und fragt: 
wo wohnt N.? — Achter ’n Dick (hinnem 
Düten Wohldorf in Storm.). — Wat deit he 
dar? — Leggt Eier (sieht Eier in de Pann 
Wohldorf). — Wovgl? — Fiefuntwintig. — 
Wo seht ’s ut? — Witt und swatt. — Wovon 
sünd de meisten? — Von de witten. — Keen 
schall ilc hebben? — De swatten. Jetzt zieht 
der erste Spieler dermaßen an der Nase des 
zweiten, daß dieser endlich die weißen Eier 
verspricht. Dann werden die Rollen ver 
tauscht (FL.). Oder der Spieler fragt zum 
Schluß: keen schall ik hebben, dat fuul (Ei) 
oder dat best? und zieht so lange, bis die 
Antwort: dat best erfolgt (Wohldorf). 
Nüter (nyda) m. „niedliches Geschöpf“, 
Kosewort für kleine Kinder; zu nüdlich. Da 
zu nüter ig (ny-dgri) adj. „niedlich“ Itz. 
Nütt (nyd) m. „Nutzen“ Dtm. 1756. Sch. 
3, 158 (Nütte). dat kümmt em to N. Schw. 
wat N. w$r mi dat? Sschl. 1850. —nütt 
(nyd) adj. „nützlich“, dat is nix n. Holst. 1800 
(Sch. 3,168). keen n. Haar Groth 1, 84. jeder 
weet cm besten, wat em n. is Schw. Grütt is 
de Buuk n. Hü. Meist durch hochd. nütz er 
setzt: Vadder mit’n Hoot is gar to groot, 
Mudder mit de Mütz is garnix nütz. — 
nütten {nydrj,) sw. v. „nützen“ to wat 
nüttet dat? Holst. 1800 (Sch. 3, 158). Auch 
das Verbum ist im Aussterben und durch 
die hochd. Form ersetzt: dat nützt allens 
nix. 
nüttel (nydl) adj. „stößig“ s. nuddelig *. 
o. 
o der Buchstabe o. Kurzes o wird vielfach 
mach ä hinüber gesprochen: Holt fast wie 
Halt, Roggen (roia) fast wie Rag gen (ratd), 
kloppen (klobm) fast wie klappen /Jclabm); 
der Hufner Claus Hansen aus Ostenfeld 
(Hus.) schreibt in seinem Rechnungsbuch 
(1704): achxsen für „Ochsen“. Sehr verbrei 
tet ist die Aussprache des kurzen o als u: 
es wechseln Bock und Buck, Pott und Putt, 
Kopp und Kupp, Onkel und Unkel, Gro 
schen und Groschen, Oss und Uss usw. Das 
lange ö wird in einem großen Teil des Ge 
biets (bes. Dtm. Oh. Sh.) wie ein Diphthong 
gesprochen; es klingt fast wie au: daun für 
doon, Kauh für Koh. Andererseits wird es 
im Auslaut fast wie ein kurzes o gespro 
chen: tö für tö, Kö für Koh; vgl. den Spott 
reim der Jungs in der Stadt Wüster auf 
die Bewohner der Marsch: nö, wa wullt du 
denn na tö mit dien Kö op de holten Schö? 
Na Hitzö! Un dat so frö? Denn man tö! 
(Heim. 38, 94). Im westlichen Mh. (Kchsp. 
Wacken, Schenef. Hohenw.) nähert sich das 
lauge 5 einem kurzen u: Ku für Koh, Siru für 
Stroh, Schu für Schah. Die Hütejungen an der 
Holstenau, wo sie die Grenze zwischen den 
Kirchspielen Burg (Sdtm.) und Wacken 
(Mh.) bildet, verspotten sich gegenseitig 
wegen ihrer Aussprache; die Wackener 
sagen: Klgs, raup mgl dien aul rau Kau 
(„deine alte rote Kuh“); die Burger: Kläs, 
rup mal dien ul rui Ku. 
o (ö) Interjektion der Verwunderung, des 
Schmerzes, der Freude usw. wie im 1 Hochd.; 
doch (ritt vielfach das echtholsteinische oha 
(s. d.) an die Stelle. 
O (ö) in Ortsnamen als erster und zweiter 
Bestandteil kann „Wasser“ (vgl. A I, 1), 
„Insel“ (mnd. ö) und „Gehölz“ bedeuten; 
vgl. Zs. 29, 286; 58, 196 f. Häufig ist Ohe 
(gespr. Oh) als Dorf- und Flurname: Dorf 
in Storm). (s. den Spottreim bei Glind II, 
392), bei Rdsbg., Hof Garstedt (Pbg.), Kop 
peln Inmien, Wasbek (Neum.), Hohenaspe 
(Itz.), Pahlen (Ndtm.); achter, an, up de 0. 
Wasbek (Neum.). O-barg Flurn. Husberg 
(Neum.), -brook Arpsdorf (Neum.), -kamp 
Groß-Kummerfeld (Neum.), -land Gehege 
Schillsdorf (Bordsh.), -holt Holzung Pron 
storf (Sghg.), Görnitz (Plön), -koppel Mehl- 
bek (Schenef.), Arpsdorf (Neum.), -nüttsoll 
Holzung Pronstorf (Sghg.), -wisch Arpsdorf 
(Neum.). Arpelsoh Nordhastedt (Sdtm.), 
Bunsoh Dorf (Sdtm.), Möhloh Kummerfeld 
(Pbg.), Nordoh Landstelle Kummerfeld 
(Pbg.), Steenoh Garstedt (Pbg.), Wanderohe 
Kätnerstellen Wahrendörf (Oldbg.). 
ob (ob) Konj. des Nebensatzes: he fraag 
mi, ob ik dat daan harr, ob he wuU kömmt? 
Dafür im Volksmund meist wat (s. d.). — 
Obbe (obd), Obe (öbd) m. „Großvater“ in 
der Kindersprache; oft bei Groth (1, 1. 67. 
150. 156. 176. 3, 110), auch bei Fehrs u. Joh. 
Meyer, fr Großvadder is ’t un dor seggt se 
Obbe to Eutin 1885. Wohl aus Opa « Old 
papa) entstellt. Zuweilen auf die „Großmut 
ter“ übertragen (Ndtm.) Vgl. Offe, Ode, 
Öde, Omme. 
obbehöff (obsho-f) entstellt aus hochd. 
„überhaupt“ Bramstedt (abst.). 
O-been (ö-ben) n. „Obein“ wie im Hochd. 
Meist sagt man umschreibend: he is ni 
good to ’n Farkengriepen oder to ’n Swien- 
höden oder ähnl.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.