Full text: (Dritter Band)

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Möhl 
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lock. — Die Bekleidung des Ganges heißt 
de Küp „Kufe“; auf dieser steht der Trich 
ter, in den das Korn geschüttet wird, de 
Rump, Tuut (Rdsbg.) oder Schüttrump mit 
Schüwer. Unter dem Rump befindet sich 
de Schoh, Schoot (Rdsbg.) oder Schüttschoh, 
dag Schüttelwerk, das das Korn auf den 
Stein verteilt. Vom Küp läuft das Gemah 
lene durch einen andern Trichter, dat 
Schott (Rdsbg.), den Loop, Spuut oder Rump 
in den Sack, wenn es nicht vorher in der 
Büdelkist (I, 169; fransche Kist II, 217) 
„gesichtet“, büdelt (s. büdeln I, 620) wird. 
In diesen Vosskisten wurde das Büdeldook 
(I, 619) mechanisch bewegt. Später kamen 
die Sichtkisten mit schrägliegendem Sechs- 
kant-Zylinder auf. Dieser war mit Seiden 
gaze bespannt, deren Feinheit die Güte des 
Mehles entsprach. — Der Schälgang arbei 
tet nur mit dem Schellsteen, der das Korn 
an das siebartige Blech schleudert, mit dem 
die Küp beschlagen ist. Der Klüwer läuft 
in der Buss (vgl. I, 592), die durch drei rot 
buchene Keile, de Kgten, verstellt werden 
kann, um den Stein zu richten. Größere 
Mühlen haben meistens drei Gänge (s. Gang 
3, II, 290): den Mahlgang (Franzos-, Rog 
gen-, Wetenmghlgang), den Schrotgang 
(rhinscher Gang) und den Schellgang, Gru 
bengang (II, 498) oder Spitzgang. Der Stein 
im Mahlgang ist aus Kiesel und Zement 
durch Alaun künstlich hergestellt; der 
rhinsche Steen (vgl. Groth 3, 295) im Schrot 
gang besteht aus rheinischer Basaltlava, und 
der Schellsteen ist gewöhnlich westfälischer 
Sandstein. Heute werden statt der Steine 
Walzenstühle in die Windmühlen eingebaut 
(Rdsbg.). — Die Mahlflächen der Steine 
werden mit dem Bick (s. Bick 1 3, I, 33?), 
Bickhamer oder Mghlenpicken „geschärft“. 
Vorher reibt man mit dem geschwärzten 
Richtscheed über den Stein; die über die 
Fläche hervorragenden Buckel werden da 
durch kenntlich gemacht und mit dem 
Kruushamer (III, 346) abgeschlagen. Der 
Bickhamer ist etwas kleiner als der der 
Maurer. Die Felder zwischen den Rinnen 
beißen „Strahlen“, wenn sie gebogen sind, 
„Balken“ (I, 219), wenn sie gerade laufen. 
—• Zum Schärfen wird der Löper mit dem 
Kroppboom (III, 333) abgehoben. Bei dieser 
„Übernahme“ wird der Löper mit einem 
Kohfoot (III, 242) angelüftet; dann werden 
die Teschen, große, hölzerne Keile einge 
schoben, bis der Kroppboom die Last auf 
nimmt. Er wird weiter durch das Ooglock 
geschoben, während sich zwei Müllerknap 
pen mit dem Rücken gegen den Stein stem 
men. Unter den aufzunehmenden Stein 
werden Leggholter (III, 443) gelegt, die eine 
Beschädigung des Bornsteens und Gleiten 
des Löpers verhindern sollen. Die Über 
nahme geschieht heute wohl in den meisten 
Fällen mit dem Takel, einem Flaschenzug. 
— Bei der Bockmghl (I, 409) ruht der vier 
eckige Kasten auf dem Huusboom (II, 961); 
die anderen Balken heißen Strgben. Auf der 
den Flügeln abgewandten Seite führt eine 
Treppe in die Mühle; unter der Treppe ragt 
ein schräger Balken hervor, der Stqrt oder 
Kroiballcen (Ang.), mit dem die ganze Mühle 
in den Wind gedreht wird. Die Flügelwelle 
steht durch ein Kammrad unmittelbar mit 
dem Klüwer in Verbindung. — Über die 
PaltrockmgM s. I, 409. Die Jumfernmghl 
(vgl. H, 1056) ist eine Bockmühle, bei der 
der ziemlich hohe Bock mit Brettern um 
kleidet und auf zwei Drittel der Höhe mit 
einem Umgang versehen ist, von dem aus 
der Stqrt bewegt wird. — Die Wassermüh 
len gleichen in ihrer Innen-Einrichtung den 
Windmühlen. Man unterscheidet ober- 
schlächtige und unterschlächtige Mühlen. 
Beim oberschlächtigen Wasserrad läuft das 
Wasser von oben in die Radschaufeln; die 
Kraft wird durch den Druck und das 
Gewicht des Wassers erzeugt. Unterschläch 
tige Räder werden oberhalb des Wasser 
spiegels nur durch den Druck des abfließen 
den Wassers (s. Babenwat er I, 196; Frie- 
water II, 226) betrieben. Nur bei den Tur 
binenanlagen wird die gesamte Wasser 
menge zum Antrieb verwendet. Über Ent 
wässerungsmühlen s. Bockmghl I, 409; über 
Handmühlen s. Grüttmghl H, 507 u. Qu gm; 
über Roßmühlen s. Rossmghl u. Göpel II, 
453. Vgl. auch Zs. 37, 12 (1667) u. Heimatb. 
d. Kr. Eckf. S. 93 ff. — Die Stellung der 
Mühlenflügel hatte früher vielfach für die 
Bevölkerung eine besondere Bedeutung, die 
aber, wie es scheint, nach den Gegenden 
verschieden war. In einem senkrechten 
Kreuz (in ’t Krüz) stand die Mühle gewöhn 
lich nach Feierabend; anderswo (z. B. in 
Ang.) bedeutete diese Stellung einen Trauer 
fall. An Festtagen stellte der Müller sie 
in de Schgr (s. d.), d. h. in ein schräges 
Kreuz (Andreaskreuz); dasselbe geschah bei 
festlichen Anlässen, besonders Hochzeiten 
(Freudenschgr s. II, 225), auch wohl zur Be 
nachrichtigung, daß ein Boßeikampf aus 
fiel (Eid.) oder eine angesagte Wegeschau 
nicht abgehalten werden sollte (Wm.) oder 
dergl.; auch Hexen und böse Geister dachte 
man durch das schräge Mühienikreuz fern 
zuhalten (Wm.). Anderswo (z. B. Fehm. 
Pbg.) bedeutete das schräge Kreuz oder ein 
halb liegendes Kreuz (Dtm.) Trauer (Truer- 
schgr s. d.). Vgl. Groth 1, 208. 4, 154; Krüz 
III, 354; Hau u. Hauschgr bei Hau 1 II, 661;
	        
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